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Gleich zwei wundervolle Begegnungen in den letzten Wochen haben mich wieder einmal zum Nachdenken gebracht. Die erste fand vor wenigen Wochen statt und hat mir einmal mehr gezeigt, dass nicht alles so "negativ" ist, wie es immer scheint. Ich habe die Blicke der älteren Dame schon gleich nach ihrem Einsteigen bemerkt. Sie konnte sich überhaupt nicht mehr losreißen von dem Baby im Tragetuch und den Kindern um mich herum. Ich habe sie nicht weiter beachtet - der Bus war zu voll und die Blicke nichts Neues. Mit ein paar Kindern unterwegs zu sein erregt in unserer Gesellschaft einfach Aufmerksamkeit. Damit habe ich mich abgefunden. Außerdem war ich müde, in Gedanken versunken, ... naja wie das halt so ist. Beim Aussteigen aus dem Lift am Bahnsteig hat sie uns dann aber eingeholt und mich ...

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Wenn das Gespräch auf das Freilernen unserer Kinder fällt und ich erklärt habe, dass unsere Kinder nicht in die Schule gehen, ich sie aber auch nicht zuhause unterrichte, sondern sie selbstständig lernen, dann kommt es nach einer kurzen Denkpause meist zu folgender Frage: Und was machst du dann, wenn deine Kinder sich für etwas was sie wissen müssen nicht interessieren?

Kinder müssen sich in unserer Gesellschaft für alles interessieren. Sie müssen sich auch für jene Themen interessieren, die sie überhaupt nicht interessieren. Sie müssen ...

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Schule muss sein?

Schule wird nicht in Frage gestellt, von den wenigsten. Schule muss einfach sein ab einem gewissen Altern und die meisten sind nicht nicht einmal der Tatsache bewusst, dass wir in Österreich keine Schulpflicht sondern lediglich eine Unterrichtspflicht haben. In Österreich haben Eltern das Recht darauf ihre Kinder zum häuslichen Unterricht abzumelden und finden hier mittlerweile auch ein breites und tolles Netzwerk wo sie Information, Unterstützung und Erfahrung finden.


Ich habe meine Probleme mit dem vorherrschenden Bildungssystem, in dem es nicht um das Kind an sich geht, sondern um seine Leistung. Es ist nicht nur starr und leistungsorientiert, sondern auch darauf aus, die Schwächen eines Kindes doppelt und dreifach zu unterstreichen. Anstatt seine Stärken zu erkennen und es dort zu begleiten und zu unterstützen, versteht sich unser Bildungssystem darauf, in den Schwächen (die mitunter aus fehlendem Interesse an der Thematik entstanden sind) der Kinder zu stochern und endlose Energien dafür aufzuwenden, die bestehenden Schchen des Kindes in Stärken zu verwandeln. Dabei gehen meist auch noch die Stärken des Kindes verloren, weil es keine Zeit dafür mehr aufbringen darf.

In der Psychologie ist schon lange bekannt, dass ich die Stärken eines jeden Menschen hervorstreichen und positiv stärken muss, damit auch seine Schwächen stärker werden. Wobei ich mir an diesem Punkt die Frage erlaube, ob nicht jeder Mensch seine Schwächen haben darf und unsere Vielfalt genau darauf beruht, dass es Stärken und Schwächen gibt. Wäre die Welt nicht schrecklich langweilig, wenn jeder alles könnte und überall stark wäre?

 

Aber gerade in der Schule sollte ein Kind gut sein - überall. Und genau damit kann ich nicht. Aber lange bevor ich dass alles wusste, lange bevor ich das als Grund für das Freilernen meiner Kinder anführen konnte, war ich überzeugt davon, dass meine Kindern einmal nicht in die Schule gehen würden.

Damals war ich sieben oder acht Jahre alt. Ich war nicht unglücklich in der Schule, aber mir war unendlich fad und ich hätte gerne viel mehr gemacht, als wir machen durften. Immer wenn es spannend zu werden schien, dann war die Stunde aus und ich musste etwas anders tun. Außerdem fand ich es schrecklich ständig nur sitzen zu müssen und nicht entscheiden zu können, was ich gerne machen würde.
Ich kann nicht einmal mehr genau sagen, wann der Gednaken kam aber irgendwann war ich mir sicher, dass meine Kinder einmal nicht in die Schule gehen müssten. Das stand fest und auch nicht zur Debatte. Und so ist es auch geblieben.

 

Ich will und kann meine Kinder nicht einem System unterordnen, von dem ich weiß, dass es keinerlei Wert auf Individualität legt.

Ich weiß schon, es ist mitunter auch personenabhängig wie es einem Kind in der Schule geht. Aber prinzipiell sind auch Lehrern und Lehrerinnen die Hände gebunden in gewissen Bereichen und um ehrlich zu sein hatte ich auch nie vor russisches Roulette zu spielen und darauf zu hoffen, doch eine "tolle" Lehrerin oder einen "tollen" Lehrer für meine Kinder zu bekommen.

Mit meiner Tochter haben wir noch diesen Schulreifetest gemacht, von dem ich heute weiß, dass man ihn nicht machen muss. Im Nachhinein war es aber keine schlechte Idee, den Test zu machen, denn er hat uns ein Jahr zusätzlich geschenkt. Denn meine Tochter wurde als nicht schulreif erklärt. Nicht weil sie nicht kommunizieren oder einfache Zahlen erkennen konnte. Nein die einzige Begründung lag darin, dass meine Tochter nicht auf der Linie sondern neben der Linie schnitt. ??? Die Lehrkraft die für die Test verantwortlich war, war aber nicht in der Lage meine Tochter zu Fragen warum sie so schön neben der Linie schnitt. Denn dann hätte sie von meiner Tochter erfahren, dass sie dies schlicht und einfach aus dem -vollkommen logischen- Grund tat, um die Linie nicht wegzuschneiden ... sonst wäre ja die Linie, die den Elefanten (den sie da ausschneiden musste) zeigte ja nicht mehr da gewesen.

Das war nur eine Linie und ein Elefant. Aber derlei Dinge -Beurteilungen ohne nach dem Grund zu fragen- geschehen in der Schule oder auch im Alltag ständig.

Heute habe ich eine Mutter und ihre kleine Tochter beobachtet. Das kleine Mädchen etwa zwei Jahre alt, hat aus einer Trinkflasche Wasser in ihre zu einem Becher geformte Hand gelehrt und daraus getrunken. Es hat etwas wichtiges erkannt und riesigen Spaß daran, dies immer wieder zu probieren ... Die Mutter sah ihr Mädchen die Trinkflasche ausschütten und begann mit ihm zu schimpfen. Es sei schlimm, weil es dies tat.

Ich möchte die Mutter nicht verurteilen, denn -zugegeben- geht es mir auch manchmal so, dass ich im ersten Moment überhaupt nicht wahrnehme was meine Kinder eigentlich machen und mit welchen Hintergedanken, sondern ich sehe im ersten Moment nur, was sie tun und bilde mir mein -mitunter bedingt durch Müdigkeit und Stress- vielleicht nicht sehr objektives Urteil. In solchen Momenten muss ich mich immer wieder zurücknehmen und daran erinnern dass Kinder nicht einfach tun um mutwillig oder boshaft zu sein, sondern jede ihrer Handlungen hat einen bestimmten Hintergrund der sie wieder ein Stück weiter bringt.

Eben das möchte ich nicht aus den Augen verlieren und genau das sehe ich durch ein an Leistung orientiertes Bildungssystem verloren gehen.

In dem Sinn:

 

Nimm ein Kind an die Hand und lass dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt, die du längst vergessen hast.


Unbekannter Verfasser

 

 

Du musst deinen Kindern doch bestimmte Sachen zeigen, damit sie wissen, dass es sie überhaupt gibt! Wenn du deinen Kindern nichts zeigst, dann werden sie von vielen Dingen gar nicht wissen, dass es sie gibt!

 

 


Wirklich? Liege ich da falsch in der Annahme, dass Kinder alles in sich aufsaugen, was sie in ihrem Umfeld wahrnehmen oder irgendwo aufschnappen und was ihr Interesse weckt. Liege ich falsch in der Annahme, dass Kinder von Geburt an danach streben ihre Welt zu entdecken und zu erfahren, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt? 

 

Wäre dem nicht so würde das doch bedeuten, dass ich einem Baby bereits wenige Augenblicke nach der Geburt lernen müsste, wie es an meiner Brust trinken kann und später dann, wie es sich bewegen und aufrecht gehen kann. Ich müsste ihm zeigen, wie es seine Finger und seine Füße gebrauchen und was es mit all den Muskeln anfangen kann. Ich müsste ihm zeigen wie man spricht und zeichnet .... würde ich das nicht tun, würde das bedeuten, dass mein Baby dazu verdammt ist sein Leben lang in Embryonalstellung in einem Bettchen zu liegen ...

So ist das ja nicht gemeint, aber gewisse Dinge muss man Kindern zeigen. Kinder müssen Dinge kennenlernen, damit sie wissen was das ist und sich dafür oder dagegen entscheiden können. Sonst sind sie doch arm dran.


Wirklich? Sind sie arm drann wenn ich ihnen gewisse Sachen nicht zeige oder darauf vertraue, dass sie ihren Weg finden und gehen werden? Muss ich meinem Kind dann auch Alkohol, Drogen und andere Suchtmittel zeigen? Muss ich ihm Waffen in die Hand drücken und ihm Kriegsfilme zeigen? Muss ich ihm alle möglichen und unmöglichen Dinge zu Essen geben und ihm alles was nur irgendwie geht zeigen, ganz gleich ob gesund oder ungesund, gefährlich oder ungefährlich? Schließlich wäre es arm dran, wenn

ich so gemein wäre ihm all diese Seiten unseres Lebens vorzuenthalten. Oder sehe ich das falsch?

 

Um ehrlich zu sein habe ich es ziemlich satt mir ständig irgendwelche absurden Vorurteile im Bezug auf das Freilernen von Kindern anzuhören, die scheinbar ohne Nachzudenken getätigt werden. Ob Schule oder nicht, ob homeschooling oder freilernen: Kinder lernen. Sie wollen ihre Erfahrungen sammeln, sie wollen entdecken und dazu brauchen sie meinen "Senf" nicht. Sie brauchen keine gescheiten (oder weniger gescheiten) Meldungen von mir. Was sie brauchen ist vor allem eines: Ruhe. Ruhe zum Entdecken, zum Beobachten, zum Erfahren und Erkennen, zum Ausprobieren und Trainieren.

Und da wir davon ausgehen können, dass Kinder mit den besten Voraussetzungen auf die Welt kommen, können wir auch darauf vertrauen, dass sie sich perfekt entwickeln und wir ihnen nicht jeden Aspekt unseres Lebens quasi als Pflichtübung vor die Füße werfen müssen.
Abgesehen davon entwickeln Kinder ganz eigene Interessen und Vorlieben und ich kann noch so interessant und ausführlich über Botanik sprechen, wenn sich mein Kind nicht dafür interessiert, dann werden meine Vorträge vollkommen sinnlos bleiben. Kinder leben nicht in einer Seifenblase in der sie nichts mitbekommen vom Leben. Und Kinder brauchen zum Entwickeln und Lernen keine künstliche erschaffene, durch einen Filter (was passend ist und was nicht) gepresste Welt von der sie dann lernen sollen.

 

Was Kinder brauchen ist das Leben, so wie es ist und Möglichkeiten leben, entdecken, erfahren, bebachten und ausprobieren zu können. Unsere Aufgabe ist es Lebensräume zu schaffen, in denen sie genau das können.

 

 

Der Herbst naht und irgendwie scheint sich plötzlich alles um den Ernst des Lebens zu drehen, den Schulanfang. Ernst des Lebens, wie das schon klingt. Ist das Leben eines Kindes davor nicht ernst oder echt? Lernt es davor nichts? Und -wenn der Ernst des Lebens beginnt- darf es dann nicht mehr fröhlich und ausgelassen sein?

Meine Kinder gehen nicht zur Schule und sie werden auch nie zur Schule gehen. Nicht in diesem System, in dem Kinder dazu verdammt sind nach Schema A beschult zu werden. Ja, natürlich, es gibt sie auch die Reformpädagogischen Schulen aber aus welchem Grund muss ich mein Kind von Montag bis Freitag morgens früh stressen und dazu nötigen sein Spiel zu unterbrechen, damit es rechtzeitig in der Schule ist, wenn es diese Dinge auch Zuhause und im Alltag lernen kann.

Den Fragen nach scheint kein Mensch infrage zu stellen, ob ein Kind das, was es in der Schule lernt nicht auch zuhause lernen könnte. Denn danach werde ich nie gefragt. Ich werde nie gefragt, wie es mit Rechnen und Schreiben und all den Dingen aussieht, die man in der Schule lernt. Worum sie die Menschen Sorgen machen sind ganz andere Dinge. Sie sorgen sich darum, dass es meinen Kindern am sozialen Umgang fehlen könnte. Sie sorgen sich darum, dass sie sozial zurückbleiben würden und es ihnen an Möglichkeiten zum Sozialen Lernen fehlt, weil sie eben nicht in einem Raum mit lauter gleichaltrigen Kindern und einem Erwachsenen sitzen. Sie sorgen sich darum, dass es meinen Kindern an Konfliktsituationen zum Lernen fehlen würde. 

Nun stellt sich die Frage ob Kinder erst dann zu lernen beginnen, wenn sie in die Schule kommen und in einem Raum sitzen müssen. Gehen sie etwa sechs Jahre lang blind, taub und emotionslos durchs Leben bevor sie endlich im künstlich erzeugten Ernst des Lebens das einem Gefängnis gleicht lernen dürfen was sozial heißt?

Haben denn das Lächeln des Babys, sein glückliches vor sich hin brabbeln, seine ersten Kontaktaufnahmen mit anderen, seine ersten Konflikte und sein aufmerksames Beobachten nichts mit Lernen, mit sozialem Lernen zu tun? Und was ist mit den Kleinkindern, die fröhlich grüßend und winkend durch die Welt wandern, die Menschen beobachten und über ergreifende Fragen nachdenken, lernen die etwa auch nicht?

Muss ich um soziales Verhalten lernen zu können auf einem kleinen Holzstuhl an einem Tisch, neben einem anderen Kind sitzen und der Lehrerin oder dem Lehrer der vorne an der Taf

el steht zuhören, der mir erklärt wie das so ist mit dem Leben. Muss ich um soziales Verhalten lernen zu können irgendwelche Übungen mit anderen Kindern machen ...

Soziales Lernen beginnt mit dem Augenblick der Geburt. Kinder beobachten, erfahren, denken nach erleben, überlegen, probieren aus und erkennen. Dazu brauchen sie keine Schule, sondern den Freiraum dies alles im echten, wirklichen Leben erfahren zu dürfen. Sie brauchen Menschen um sich, die sie auf ihrem Weg begleiten anstatt sie zu  blockieren. Sie brauchen Menschen um sich die bereit dazu sind, mit ihnen zu gehen ohne Bedingungen, Hand in Hand. Leben mit Kindern soll Freude machen und keine Aneinanderreihung von Verpflichtungen und künstlich erzeugten Lernsituationen sein.