Orientierungspunkte

Miteinander kann so einfach sein. Und trotzdem so herausfordernd und unendlich komplex. Vor allem dann, wenn uns an einem achtsamen Miteinander gelegen ist. Drüber hinweg fegen - wie bei vielen Erziehungsmethoden üblich - ist einfach. Aber wirklich hinhören und zuhören und innehalten und Raum geben ohne dabei auch sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu vergessen, ist jeden Tag aufs neue Herausforderung pur. Und dennoch: Es bringt Leichtigkeit.
Greifbar
Was wir im Miteinander brauchen, ist zu wissen woran wir sind. Es gibt nichts unangenehmeres als mit Menschen zu tun zu haben, von denen wir nicht recht wissen wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Wenn wir nie so recht wissen ob sie jetzt "ja" oder "nein" meinen und wir bei gleich welcher Herangehensweise oder Handlung das Gefühl haben, dass es nicht so recht passt, die Rückmeldung aber trotzdem ausbleibt. Kleinen Menschen geht es da nicht anders. Mehr noch, gerade sie brauchen in der engen Beziehung zu ihren Eltern diese Orientierung. Dieses Wissen, woran sie sind und die Gewissheit, sich ums Grobe nicht kümmern zu müssen. Das Grobe, dass ist das Außen, dass ist die Begrenzung, mit der wir den Kleinen einen sicheren Raum schaffen, welcher ihnen Geborgenheit und Sicherheit gibt, aber auch Orientierung bietet.
Was sind die Regeln im Miteinander?
Und wo sind die Grenzen des Einzelnen?

Kleine Menschen zeigen uns immer und sehr deutlich, wo ihre Grenzen sind. Und genau ....

Ein guter Kumpel sein?

Die Tendenz, ein kumpelhaftes Verhältnis zu den eigenen Kindern zu haben, hat in den letzten Jahren zugenommen. Leider allzu häufig in Kombination mit der Verantwortungsübertragung auf den kleinen Menschen. Statt Orientierungspunkte zu bieten, statt zu begleiten und Anker zu sein, wird dem Kind nicht nur das Ruder in die Hand gegeben, sondern auch gleichzeitig von ihm verlangt, den Rhythmus wie auch das Ziel vorzugeben. Das Problem hierbei?
Dass kleine Menschen mit einem derartigen Verhalten der Großen vollkommen überfordert sind und das auch zeigen. Durch ihre Aktionen wie auch Reaktionen. Denn was kleine Menschen in den ersten Lebensjahren vor allem brauchen ist Zeit, sich um sich selbst, ums Entdecken und Erforschen zu kümmern. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass da größere Menschen sind, die genau darauf achten und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Wie? Indem sie Leittier sind, um es mal in der Art und Weise auszudrücken. Gutmütige, nachsichtige, bedingungslos liebende und authentische "Leittiere", die vorleben und wenn nötig Begleitung wie auch Unterstützung bieten.

Wenn "unerzogen" zum neuen Laissez faire wird ...

Volles Programm ...

Was für ein Wochenende!
Zuerst ging es Samstag nach Wien zum Freilerner Treffen. Strahlender Sonnenschein, singende und lachende kleine Menschen im Auto und das Highlight an der Ampel für die Jungs - ein Polizeiwagen hinter uns, dessen Fahrer nach dem freudigen Winken der kleinen ganz kurz das Blaulicht aufgedreht und zurück gewunken hat.
Das schöne Frühlingswetter hat wohl einige verständlicherweise davon abgehalten Räumlichkeiten aufzusuchen und so waren wir eine kleine aber gemütliche Runde. Angenehm zum Reden für uns große Menschen und perfekt zum Spielen für die kleinen Menschen. Themen gab es genug. Ob nun das weitere verpflichtende Kindergartenjahr, das eingeführt werden soll, den Alltag ohne Schule, die immer wiederkehrende "Externistenprüfungsfrage" oder der Umgang mit Behörden. Altbekannt Themen, die uns beschäftigen und uns Eltern nachdenklich stimmen, wie auch immer wieder zu der Frage nach dem "Warum" bringen.
Das wirklich erschreckende an den vielen Entwicklungen ist die scheinbare Idee, kleine Menschen flächendeckend und nachhaltig weitestgehend von ihren Eltern zu trennen. Und wo das erste verpflichtende Kindergartenjahr noch wenige Menschen irritiert hat, lässt der zunehmende Eingriff in die (natürlich nicht wirklich) freie Entscheidung wann und wo und wie der kleine Mensch betreut und begleitet werden soll bei vielen Eltern die Alarmglocken schrillen. Hier nimmt sich der Staat ein Mitspracherecht heraus, was ihm defacto nicht zusteht.
So war auch dieses Treffen wieder geprägt von anregenden Gesprächen, die weit um das freie Lernen und Leben ohne Schule herum angesiedelt sind, aber alle mehr oder weniger damit zu tun haben.
Wie auch schon beim letzten Mal, wurde das Treffen mit ein paar Spielen/Körperübungen für die Kleinen und Großen abgerundet. Klein aber fein ... so das Gefühl beim Nachhause fahren. Und auch am Heimweg gabs eine Begegnung mit der Polizei - diesmal in Form von einer Fahrzeugkontrolle - wieder einmal.
Tags darauf gings dann zum Faschingsfest - nein leider nicht zum Freilerner Faschingsfest ins Burgenland, sondern zu lieben Freunden, die nicht allzu weit von uns weg wohnen. Das Warten aufs Verkleiden hatte endlich ein Ende. Die langen Diskussionen über die mögliche Kostümwahl und das ewige Hin und Her als was nun jeder gehen soll auch (endlich) - eine Wohltat für mich. Der letzte Kostümfeinschliff wurde noch am Vormittag mit der Nähmaschine erledigt und der Schminkkasten wie immer schon in der Früh bereitgestellt.
Nach solchen Wochenenden muss ich immer an die vielen Fragen in Bezug auf mögliche fehlende Freunde, wenn man ohne Schule aufwächst. Zugegeben, die Treffen mit Freunden finden mitunter nicht täglich statt, dafür sind sie dann umso intensiver und jedes Mal wieder habe ich das Gefühl, dass unsere Mädchen wie auch unser Sohn mit einem angenehmen Sättigungsfühl und unendlich vielen Ideen nach Hause fahren. 
Aber auch mit dem Bedürfnis nach Ruhe. Denn nach zwei vollen Tagen, mit vielen Menschen ist das Bedürfnis der Kleinen nicht wegfahren zu müssen - gefühlt dreimal so hoch. So viel Spaß sie an derartigen Ausflügen haben, so froh sind sie, wenn es dann wieder die (notwendigen) Ruhephasen gibt, wo sie einfach nur zuhause sein und ihren Interessen nachgehen können. Heute in Form von erster Frühlingsgartenarbeit, Planung für ein neues Baumhaus und Diskussionen über den Platz der Gemüsebeete (wer wo welches bekommt).
Und das nächste Treffen? Kommt bestimmt :-) Derzeit ist es noch in Planung.

Beziehung ist kein Konzept

Die Arbeit an meinem neuen Buch schreitet voran und wie immer müssen andere Dinge während der Arbeit an neuen Projekten zurückstecken. Der Blog zum Beispiel. Aber heute, heute braucht es eine kurze Atempause von all den Gedanken und Korrekturen und neuerlichen Gedanken, sodass ich beschlossen haben meine Zeit zu nutzen. Die Kleinen sind, nach einem langen Tag endlich im Bett und während es hier ausnahmsweise einmal angenehm ruhig ist, wandern meine Gedanken wieder einmal Richtung Beziehung.
Beziehung kann kein Konzept sein. Sie lässt sich nicht durchplanen und -organisieren. Dafür ist sie viel zu individuell und lebendig. Beziehung ist wie ein Tanz. Ein harmonischer Tanz, wenn alles im Gleichgewicht ist und ein disharmonischer, stolpernder Tanz, wenn das Miteinander ins Stocken oder Durcheinander gerät. Beziehung folgt keinem Plan oder Programm (außer dem ganz individuellen) und genau darum kann Beziehung auch nicht Erziehung bedeuten, wenn wir unter Erziehung das Verstehen, was wir überlicherweise darunter verstehen.
Das "Ziehen" und Zurechtstutzen des jungen Menschen in eine von der Gesellschaft gewünschte Richtung, gemäß den Erwartungen um den jungen Menschen zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft zu machen.

Immer gleich?
Warum sind die Kleinen bloß so unterschiedlich, in ihrem Sein, ihrem Verhalten, ihren Vorlieben und Abneigungen ... wo wir doch keinen Unterschied machen.
Ich war ...

Von nassen Stiefeln, spannenden Gesprächen ...

und vielen neuen Ideen.
Vollgepackt mit einer langen Liste an Programmpunkten, zappeligen kleinen Menschen, einer mit Zeichenblock und Stiften ausgestattenten Großen, die sich den Nachmittag mit ihren Freundinnen schon weitestgehend selbst organisiert hat  und unserer gutmütigen Hündin, die nur eines nicht leiden kann, wenn sich die lieben Kleinen und etwas größeren Kleinen zu weit von ihr entfernen (was sie dann mit einem herzzerreißenden Winseln kund tut), haben wir uns gestern auf den Weg ins Gasthaus Staar gemacht.
Das Wetter war nicht ganz so gut, wie die Tage davor, aber wahrscheinlich gerade richtig den Nachmittag in gemütlicher Runde, bei loderndem Kaminfeuer zu verbringen und spannende Gespräche übers freie Lernen und Leben zu führen. Während wir Großen die aktuellen Themen erläuterten und über unsere Erfahrungen sprachen, fanden sich die kleinen und etwas größeren Kleinen ihr eigenes Programm. Zeichnen, Spielen, im Freien toben ... und einem nicht ganz geplanten Spaziergang im Bach um Sperren für ein Spielzeug zu errichten, welches dort hinein gefallen war. Ein Spaziergang der unseren Sohnemann und seine Freunde letzten Endes mit wassergefüllten Schuhen zurück ins Warme trieb. Ein Hoch auf den Ofen und seine abstrahlende Wärme. Die Schuhe hat er nicht getrocknet (die sind hier immer noch nass und liegen gerade in der Ofenlade) aber dafür ein barfuss gehen ermöglicht.

Nach dem Gespräch kam dann auch für uns Erwachsene das Spiel. Franz und Genia (von der WINGs- Initiative in Allentsteig) haben "Empower the child" vorgestellt - in der Theorie und der Praxis und das Interesse geweckt für weitere Veranstaltungen. Beschlossen haben wir den Nachmittag mit weiteren Gesprächen in kleinen Runden und vielen weiteren Ideen für die kommende Zeit aber auch mit einem wunderbaren Gefühl des Miteinanders im Bauch.

Solche Treffen tun gut und darum freut es uns umso mehr, dass die Idee der regelmäßigen Regionaltreffen aufgeht und wir alleine an diesem und am nächsten Wochenende vier Möglichkeiten hatten und haben, uns zu treffen und zu vernetzen. Kommenden Samstag findet übrigens das Treffen in Wien statt, am Tag darauf das Faschingstreffen im Burgenland bei Heidelinde Haller ... und für alle Interessierten aus Kärnten, gibt es dann am darauffolgenden Wochenende die Möglichkeit einen Vortrag zu besuchen.
Nähere Infos findet ihr HIER

Warum eigentlich Zurückhalten?

Warum nicht einfach helfen? Helfen ist doch nett?
Im Grunde baut unser gesamtes Bildungssystem genau darauf auf. Auf dem ständigen Zeigen und Helfen und Belehren und Erläutern und Vorgreifen und Beurteilen. Aber nicht alles was gut gemeint ist, tut auch gut. Und gerade im Bereich des Lernens und Entdeckens kann gut gemeinte Hilfe manchmal einfach zu viel sein. Zu übergriffig und zu einschränkend. Zu störend und belehrend.
Erwachsene tendieren leider häufig dazu, schnell mal die Grenzen der kleinen und jungen Menschen zu überschreiten. Einfach so. Ohne böse Hintergedanken und eigentlich durchwegs in guter Absicht ... aber oft auch in absolutem Misstrauen in den kleinen/jungen Menschen und seine Fähigkeiten und in der Überzeugung, dass es "ohne" (Hilfe, Belehrung, Vorzeigen, Eingreifen) nicht gehen würde. Im Übrigen ist das nicht nur ein Problem im Umgang mit den kleinen Menschen, sondern zieht sich eigentlich durch jede Sparte der Begleitung. Dieses schnelle Hingreifen und Vorgreifen, dieses "schnell mal zeigen" und dabei das Gefühl vermitteln, "besser" und "wissender" zu sein.
Begleitung statt Belehrung
Lernen, Entdecken, Erfahrungen sammeln, sich Fähigkeiten aneignen, sich bilden ... all das ist Teil eines äußerst sensiblen Prozesses, der in erster Linie unendlich viel Raum, Selbstbestimmung und Ruhe braucht. Wie auch Menschen, die Lernen/sich Bilden als sensiblen Prozess sehen und dementsprechend achten können. In dem uns bekannten Bildungssystem herrscht das genaue Gegenteil vor. Einheitsbrei wird einer vermeintlichen "Einheitsmasse" vermittelt um am Ende die Einheitsbeurteilung darüber streuen und angemessen schubladisieren zu können, in dem ...

Nicht ohne dich

Oder warum "klammern" einfach wichtig ist und nicht behandelt werden muss.
Schon gar nicht aberzogen.
Wir kennen sie alle nur zu gut, diese Phase wo nichts mehr ohne Mama geht. Nach Wochen und Monaten wo das Baby sich ohne weiteres von anderen Menschen aus seinem Umfeld halten ließ und wenig bis kein Problem damit hatte, wenn Mama mal nicht da war, geht plötzlich gar nichts mehr. Keinen Zentimeter darf man von der Seite des Babys weichen. Nicht einmal annähernd den Versuch starten das Baby abzusetzen. Und wenn man es doch mal schafft sich kurzfristig zu entfernen um in Ruhe auf die Toilette oder unter die Dusche zu gehen, rollen bei der Rückkehr dicke Tränen über die Wangen des Babys. Wie kannst du nur ohne mich - und schon hängt es wieder an uns. Klammert sich an und weint, als ob man es Ewigkeiten alleine gelassen hätte.
Es ist eine anstrengende Phase. Und eine herausfordernde. Für die Mama, für den Papa (der manchmal gar nicht mehr akzeptiert wird) und natürlich auch für die nähere Umgebung. Aber vor allem ist es eine wichtige Phase. Für die Entwicklung des Babys. Das eben dieses Klammern braucht um sich selbst zu finden und zu erkennen, dass es ein eigenständiges kleines Wesen ist.
Weiß es das nicht schon viel früher?

Warum eigentlich ohne Schule?

Wie müsste Schule sein, damit du deine Kinder hinschicken würdest? Eine Frage, die mir in den letzten Jahren wirklich oft gestellt wurde. Und mehr denn je finde ich, dass diese Frage einen Haken hat. Denn warum eigentlich Schule? Warum immer diese Idee, dass wir kleine Menschen aus der Familie herausnehmen und irgendwo hin geben müssten? Und warum immer die Frage, was sich an der Schule ändern müsste damit ich die kleinen Menschen dorthin geben würde.
Ich möchte die kleinen Menschen hier nicht irgendwo abgeben. Ich habe nicht das Bedürfnis danach. Ich bin gerne Mama und ich verbringe gerne  Zeit mit ihnen, ich schaue ihnen gerne bei ihren Entdeckungen und Erfahrungen zu und es macht mich glücklich, daran teilhaben zu können.
Ich möchte jetzt Zeit für sie haben. Jetzt, wo ...

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