Windelfrei in die kalte Jahreszeit

Ein Baby ohne Windel ... das ist ja ein recht netter Gedanken zumindest im Sommer. Aber im Winter ist das doch unmöglich. Wie soll man das dann denn machen mit so einem kleinen Baby und noch dazu bei der Kälte und überhaupt ... da sind doch Windeln viel praktischer ... oder?

Abgesehen davon, dass Windeln nicht praktisch sind und weder im Sommer noch im Winter darum herum kommt diese zu wechseln, ist Windelfreiheit auch im Winter machbar, umsetzbar und möglich. Wieder einmal geht es darum nicht im Kreis zu denken sondern einfach umzudenken. Meine drei windelfreien Kinder sind alle in der kalten Jahreszeit auf die Welt gekommen. Und nicht etwa da, wo es nur mehr eine Frage der Zeit war bis es wieder warm werden würde, sondern gleich zu Beginn der kalten dunklen Jahreszeit. Also zu einem Zeitpunkt, wo diese es sich gerade erst gemütlich gemacht hat und ihr Besuch noch Monate dauern wird. Trotzdem habe ich mich mit meinen Babys ohne Windel nicht zuhause neben dem Ofen verkrochen sondern war genauso draußen unterwegs. Die Babys im Tragetuch eingemummelt und unter meiner Jacke gut geschützt vor der Kälte, angezogen mit praktischer, leicht aus- und wieder anzuziehender Kleidung.

 

 

Wie diese praktische Kleidung im Winter aussehen kann? Bevorzugt aus natürlichen Materialen, die bekannt dafür sind, Temperaturausgleich zu schaffen, in Schichten und bestehend immer aus Hose und Oberteil anstatt einem Einteiler. Warum in Schichten? weil man dann immer wieder etwas wegnehmen oder hinzufügen kann, falls man es als zu warm oder zu kühl empfindet. Warum keine Einteiler? Weil es wahnsinnig schwierig ist, das Baby aus diesem heraus zu schälen und dabei keine Hektik zu entwickeln, wenn man das Baby nirgends hinlegen kann oder man das Gefühl hat es muss schon sehr dringend (auch wenn das vielleicht nicht der Fall ist).

 

Meine bevorzugten Materialien im Winter ...

genervt, ausgepowert, erschöpft ... Teil 2

Wonach streben wir? Welchem Ziel hetzen wir hinterher?

Ich habe keine Zeit oder dazu habe ich keine Zeit, dazu fehlt mir die Zeit oder wenn ich doch die Zeit hätte ... das sind wohl unsere liebsten Aussagen in Bezugt auf gewisse Dinge. In Bezug auf das Zusammenleben mit Baby/Kind geht es meist darum, dass man nicht die Zeit hat zu tragen oder zu stillen, dass einem die Zeit fehlt mit ihm über seine Bedürfnisse zu kommunizieren oder auf seine Bedürfnisse respektvoll einzugehen. Schlimm wird es dann ...

Genervt, ausgepowert, erschöpft ... Teil 1

und einfach nur unrund. Alles was man möchte ist eine ruhige Minute (oder auch mehrere) ohne gefordert und verlangt zu werden.

Zugegeben: niemand bereitet uns darauf vor, was es heißt 24 Stunden am Tag rund um die Uhr für ein anderes Individuum verantwortlich und zuständig zu sein. Niemand sagt uns, was es heißt, nicht einfach gehen zu können und die Arbeit jemand anderem zu überlassen.
Ein Baby braucht, möchte gehalten, getragen, versorgt, gekuschelt und gehört werden ...

Es ist an der Zeit, ...

anzuerkennen, dass es im Leben nicht darum gehen kann, sich allen vermeintlich richtigen Wegen zu unterwerfen, nur weil wir gelernt haben, dass "man es eben so machen muss". Es ist an der Zeit zu verstehen, dass ein Weg sich nur dann "leicht" geht, wenn er stimmig ist. Es ist

 

an der Zeit zu verstehen, dass wir nicht Gott und der Welt die Schuld an unserer Situation geben und uns somit der Verantwortung entziehen können. Denn die Verantwortung liegt in unseren Händen. Wir sind es, die darüber entscheiden wie die Welt aussieht und wie sie für unsere Kinde

r aussehen wird.

Wenn wir uns immer in die bequeme Position begeben, uns zurück lehnen und alles tun, was "man" eben so tun muss dann wird sich nichts ändern. Nichts für die Welt, nichts für uns und nichts für unsere Kinder. Es wird alles so weiter gehen wie bisher, schlimmer noch, wird es immer ärger werden, als was wir es kennen. Denn aus Resignation, wird Belanglosigkeit, aus stummen Protest, pure Gewalt und aus Missachtung Beziehungsunfähigkeit.

Wir meinen zivilisierte, intelligente Bewohner dieses Planeten zu sein und vergessen dabei selbstständig, verantwortungsbewusst und selbstbestimmt zu denken, zu leben und zu handeln. Na da kann man halt nichts machen, dass ist leider so sind unsere Worte und im selben Atemzug beschweren wir uns über die Situation. Ein krankes System wird durch Ignoranz und Wegschauen nicht gesund, es wird sich auch nicht verändern oder zum besseren Wenden. Ein krankes System kann nur dann geheilt werden, wenn ehrlich und offen darauf geschaut, Fehler erkannt und Wege beschritten werden, die "man"  vielleicht nicht unbedingt als Mainstream bezeichnen kann, die aber zum Unterschied zu üblichen und gängigen Wegen, selbstbestimmt und ehrlich beschritten werden.

 

 

Wir wollen, dass unsere Kinder eine "schöne" Zukunft haben? Dann müssen wir etwas dafür tun.

Wir wollen, dass unsere Kinder selbstbestimmt und frei aufwachsen? Dann müssen wir uns selbst einmal von unseren Fesseln befreien und selbstbestimmt sein

Wir wollen, dass unsere Kinder selbstbewusst und aufrichtig durchs Leben gehen? Dann müssen wir damit aufhören sie unserem Urteil zu unterwerfen und zu versuchen, sie durch Manipulation und Unterdrückung an den Punkt zu bringen, an dem wir sie haben wollen. Dann müssen wir damit aufhören, Idealen nachzueifern und uns für unsere Kinder ein bestimmtes Leben zu wünschen sondern endlich damit anfangen auf ihre Ideen und Vorstellungen zu hören

Wir wollen eine wunderbare starke, tiefe und ehrliche Beziehung zu unseren Kindern? Dann müssen wir aufhören daran zu glauben, dass wir diese durch eine manipulierenden, unterdrückende, missachtende, ... Erziehung aufrecht erhalten.

 

Es ist an der Zeit aufzuwachen und zu erkennen, dass es alleine in unserer Hand liegt und das wir es sind, die etwas verändern können.

 

Eltern sein ...

Was brauchen wir wirklich und was wollen wir? Für uns selbst, für unsere Kinder, für unser Zusammenleben mit Kindern. Eltern können heute aus einem schier unendlich großen Programm für ihre Kinder auswählen. Die Entscheidung fällt da schon mal schwer und keine Frage, zuhause sitzen mit dem Kind und "nichts" tun, dass will kaum jemand. Eltern suchen nach Gruppen, sie suchen nach Austausch, nach anderen Eltern ...

Die Frage ist nur, bekommen sie das, was sie suchen in der Spielgruppe oder beim Babyschwimmen? Bei der Babymassage oder dem Kindersingen? Können sie sich dort austauschen und über das Sprechen, was sie beschäftigt? Finden sie dort ein offenes Ohr für ihre Anliegen oder werden sie schräg angesehen, wenn sie einmal von ihren Zweifeln und Ängsten erzählen?

 

Worum geht es denn eigentlich? Geht es Eltern darum ..

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dubiose Windelfrei-Tanten im Internet ...

... die meinen etwas vom Grundgedanken zu verstehen und im Grunde viel Blödsinn verzapfen. Nachdem mich seit dem Frühjahr immer mehr verunsicherte Eltern kontaktiert haben, die im Grunde alle mit derselben Grundaussage zu mir gekommen sind bin ich der Sache einmal auf den Grund gegangen und war entsetzt und auch erstaunt darüber, was im Netz so alles erzählt und vermittelt wird. Hier meinen wohl ein paar, etwas über die Windelfreiheit oder den Grundgedanken der natürlichen Säuglingspflege vermitteln zu können, ohne selbst viel Hintergrundwissen oder gar eigene Erfahrungen zu haben. Ich war schockiert darüber, dass ...

Freilernen ...

Du musst deinen Kindern doch bestimmte Sachen zeigen, damit sie wissen, dass es sie überhaupt gibt! Wenn du deinen Kindern nichts zeigst, dann werden sie von vielen Dingen gar nicht wissen, dass es sie gibt!

 

 


Wirklich? Liege ich da falsch in der Annahme, dass Kinder alles in sich aufsaugen, was sie in ihrem Umfeld wahrnehmen oder irgendwo aufschnappen und was ihr Interesse weckt. Liege ich falsch in der Annahme, dass Kinder von Geburt an danach streben ihre Welt zu entdecken und zu erfahren, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt? 

 

Wäre dem nicht so würde das doch bedeuten, dass ich einem Baby bereits wenige Augenblicke nach der Geburt lernen müsste, wie es an meiner Brust trinken kann und später dann, wie es sich bewegen und aufrecht gehen kann. Ich müsste ihm zeigen, wie es seine Finger und seine Füße gebrauchen und was es mit all den Muskeln anfangen kann. Ich müsste ihm zeigen wie man spricht und zeichnet .... würde ich das nicht tun, würde das bedeuten, dass mein Baby dazu verdammt ist sein Leben lang in Embryonalstellung in einem Bettchen zu liegen ...

So ist das ja nicht gemeint, aber gewisse Dinge muss man Kindern zeigen. Kinder müssen Dinge kennenlernen, damit sie wissen was das ist und sich dafür oder dagegen entscheiden können. Sonst sind sie doch arm dran.


Wirklich? Sind sie arm drann wenn ich ihnen gewisse Sachen nicht zeige oder darauf vertraue, dass sie ihren Weg finden und gehen werden? Muss ich meinem Kind dann auch Alkohol, Drogen und andere Suchtmittel zeigen? Muss ich ihm Waffen in die Hand drücken und ihm Kriegsfilme zeigen? Muss ich ihm alle möglichen und unmöglichen Dinge zu Essen geben und ihm alles was nur irgendwie geht zeigen, ganz gleich ob gesund oder ungesund, gefährlich oder ungefährlich? Schließlich wäre es arm dran, wenn

ich so gemein wäre ihm all diese Seiten unseres Lebens vorzuenthalten. Oder sehe ich das falsch?

 

Um ehrlich zu sein habe ich es ziemlich satt mir ständig irgendwelche absurden Vorurteile im Bezug auf das Freilernen von Kindern anzuhören, die scheinbar ohne Nachzudenken getätigt werden. Ob Schule oder nicht, ob homeschooling oder freilernen: Kinder lernen. Sie wollen ihre Erfahrungen sammeln, sie wollen entdecken und dazu brauchen sie meinen "Senf" nicht. Sie brauchen keine gescheiten (oder weniger gescheiten) Meldungen von mir. Was sie brauchen ist vor allem eines: Ruhe. Ruhe zum Entdecken, zum Beobachten, zum Erfahren und Erkennen, zum Ausprobieren und Trainieren.

Und da wir davon ausgehen können, dass Kinder mit den besten Voraussetzungen auf die Welt kommen, können wir auch darauf vertrauen, dass sie sich perfekt entwickeln und wir ihnen nicht jeden Aspekt unseres Lebens quasi als Pflichtübung vor die Füße werfen müssen.
Abgesehen davon entwickeln Kinder ganz eigene Interessen und Vorlieben und ich kann noch so interessant und ausführlich über Botanik sprechen, wenn sich mein Kind nicht dafür interessiert, dann werden meine Vorträge vollkommen sinnlos bleiben. Kinder leben nicht in einer Seifenblase in der sie nichts mitbekommen vom Leben. Und Kinder brauchen zum Entwickeln und Lernen keine künstliche erschaffene, durch einen Filter (was passend ist und was nicht) gepresste Welt von der sie dann lernen sollen.

 

Was Kinder brauchen ist das Leben, so wie es ist und Möglichkeiten leben, entdecken, erfahren, bebachten und ausprobieren zu können. Unsere Aufgabe ist es Lebensräume zu schaffen, in denen sie genau das können.

 

 

sich das Leben ....

... oder die Windelfreiheit unnötig schwer machen.

 

Wir sind darauf trainiert uns nur dann richtig gut zu fühlen, wenn wir dem Mainstream folgen. Dass sich das nicht unbedingt stimmig für uns selbst anfühlen muss, scheint hier nebensächlich zu sein. Und weil sich das nicht immer stimmig anfühlt oder weil wir uns manches Mal doch trauen etwas anders zu machen, machen wir uns ständig und immer wieder Gedanken darüber, zweifeln und sind unsicher mit dem Effekt, dass wir uns durch unsere eigenen Gedanken blockieren und in unserem Handeln und Sein einschränken. 

Was das für die Windelfreiheit heißt?

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