dubiose Windelfrei-Tanten im Internet ...

... die meinen etwas vom Grundgedanken zu verstehen und im Grunde viel Blödsinn verzapfen. Nachdem mich seit dem Frühjahr immer mehr verunsicherte Eltern kontaktiert haben, die im Grunde alle mit derselben Grundaussage zu mir gekommen sind bin ich der Sache einmal auf den Grund gegangen und war entsetzt und auch erstaunt darüber, was im Netz so alles erzählt und vermittelt wird. Hier meinen wohl ein paar, etwas über die Windelfreiheit oder den Grundgedanken der natürlichen Säuglingspflege vermitteln zu können, ohne selbst viel Hintergrundwissen oder gar eigene Erfahrungen zu haben. Ich war schockiert darüber, dass ...

Freilernen ...

Du musst deinen Kindern doch bestimmte Sachen zeigen, damit sie wissen, dass es sie überhaupt gibt! Wenn du deinen Kindern nichts zeigst, dann werden sie von vielen Dingen gar nicht wissen, dass es sie gibt!

 

 


Wirklich? Liege ich da falsch in der Annahme, dass Kinder alles in sich aufsaugen, was sie in ihrem Umfeld wahrnehmen oder irgendwo aufschnappen und was ihr Interesse weckt. Liege ich falsch in der Annahme, dass Kinder von Geburt an danach streben ihre Welt zu entdecken und zu erfahren, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt? 

 

Wäre dem nicht so würde das doch bedeuten, dass ich einem Baby bereits wenige Augenblicke nach der Geburt lernen müsste, wie es an meiner Brust trinken kann und später dann, wie es sich bewegen und aufrecht gehen kann. Ich müsste ihm zeigen, wie es seine Finger und seine Füße gebrauchen und was es mit all den Muskeln anfangen kann. Ich müsste ihm zeigen wie man spricht und zeichnet .... würde ich das nicht tun, würde das bedeuten, dass mein Baby dazu verdammt ist sein Leben lang in Embryonalstellung in einem Bettchen zu liegen ...

So ist das ja nicht gemeint, aber gewisse Dinge muss man Kindern zeigen. Kinder müssen Dinge kennenlernen, damit sie wissen was das ist und sich dafür oder dagegen entscheiden können. Sonst sind sie doch arm dran.


Wirklich? Sind sie arm drann wenn ich ihnen gewisse Sachen nicht zeige oder darauf vertraue, dass sie ihren Weg finden und gehen werden? Muss ich meinem Kind dann auch Alkohol, Drogen und andere Suchtmittel zeigen? Muss ich ihm Waffen in die Hand drücken und ihm Kriegsfilme zeigen? Muss ich ihm alle möglichen und unmöglichen Dinge zu Essen geben und ihm alles was nur irgendwie geht zeigen, ganz gleich ob gesund oder ungesund, gefährlich oder ungefährlich? Schließlich wäre es arm dran, wenn

ich so gemein wäre ihm all diese Seiten unseres Lebens vorzuenthalten. Oder sehe ich das falsch?

 

Um ehrlich zu sein habe ich es ziemlich satt mir ständig irgendwelche absurden Vorurteile im Bezug auf das Freilernen von Kindern anzuhören, die scheinbar ohne Nachzudenken getätigt werden. Ob Schule oder nicht, ob homeschooling oder freilernen: Kinder lernen. Sie wollen ihre Erfahrungen sammeln, sie wollen entdecken und dazu brauchen sie meinen "Senf" nicht. Sie brauchen keine gescheiten (oder weniger gescheiten) Meldungen von mir. Was sie brauchen ist vor allem eines: Ruhe. Ruhe zum Entdecken, zum Beobachten, zum Erfahren und Erkennen, zum Ausprobieren und Trainieren.

Und da wir davon ausgehen können, dass Kinder mit den besten Voraussetzungen auf die Welt kommen, können wir auch darauf vertrauen, dass sie sich perfekt entwickeln und wir ihnen nicht jeden Aspekt unseres Lebens quasi als Pflichtübung vor die Füße werfen müssen.
Abgesehen davon entwickeln Kinder ganz eigene Interessen und Vorlieben und ich kann noch so interessant und ausführlich über Botanik sprechen, wenn sich mein Kind nicht dafür interessiert, dann werden meine Vorträge vollkommen sinnlos bleiben. Kinder leben nicht in einer Seifenblase in der sie nichts mitbekommen vom Leben. Und Kinder brauchen zum Entwickeln und Lernen keine künstliche erschaffene, durch einen Filter (was passend ist und was nicht) gepresste Welt von der sie dann lernen sollen.

 

Was Kinder brauchen ist das Leben, so wie es ist und Möglichkeiten leben, entdecken, erfahren, bebachten und ausprobieren zu können. Unsere Aufgabe ist es Lebensräume zu schaffen, in denen sie genau das können.

 

 

sich das Leben ....

... oder die Windelfreiheit unnötig schwer machen.

 

Wir sind darauf trainiert uns nur dann richtig gut zu fühlen, wenn wir dem Mainstream folgen. Dass sich das nicht unbedingt stimmig für uns selbst anfühlen muss, scheint hier nebensächlich zu sein. Und weil sich das nicht immer stimmig anfühlt oder weil wir uns manches Mal doch trauen etwas anders zu machen, machen wir uns ständig und immer wieder Gedanken darüber, zweifeln und sind unsicher mit dem Effekt, dass wir uns durch unsere eigenen Gedanken blockieren und in unserem Handeln und Sein einschränken. 

Was das für die Windelfreiheit heißt?

da sein ...

... heißt nicht gleich 24 Stunden rundum Beobachtung. Keine Mutter oder kein Vater sitzt 24 Stunden vor seinem Kind und wartet darauf, dass es ihr/ihm zeigt, wann es hungrig oder müde oder erschöpft oder kuschelbedürftig ist oder einfach nur Nähe möchte. Wir alle vertrauen darauf, dass uns unsere Kinder schon zeigen werden, was sie brauchen.

 

Sobald aber die Windel unten ist bricht Panik aus und kein vernünftiger Gedanken scheint mehr gedacht werden zu können, die ganze Aufmerksamkeit und der ganze Fokus liegen auf dem Ausscheidungsbedürfnis des Kindes. Netter Gedanke, dass man durch Beobachtung schneller irgendwelche Signale erkennt. Aber ich kann es nur immer wieder betonen, dass man dadurch ganz häufig und in den meisten Fällen genau genommen nichts erkennt. Das Problem ist, der Frust der dann kommt und viele Eltern dazu veranlasst zu glauben, dass sie einfach unfähig sind oder ihr Baby sich nicht für die Windelfreiheit eignen würde (als ob man sich dazu eignen müsste bewusst auszuscheiden!)

Wieder einmal sind es Fehlinformationen

soziales Lernen

Der Herbst naht und irgendwie scheint sich plötzlich alles um den Ernst des Lebens zu drehen, den Schulanfang. Ernst des Lebens, wie das schon klingt. Ist das Leben eines Kindes davor nicht ernst oder echt? Lernt es davor nichts? Und -wenn der Ernst des Lebens beginnt- darf es dann nicht mehr fröhlich und ausgelassen sein?

Meine Kinder gehen nicht zur Schule und sie werden auch nie zur Schule gehen. Nicht in diesem System, in dem Kinder dazu verdammt sind nach Schema A beschult zu werden. Ja, natürlich, es gibt sie auch die Reformpädagogischen Schulen aber aus welchem Grund muss ich mein Kind von Montag bis Freitag morgens früh stressen und dazu nötigen sein Spiel zu unterbrechen, damit es rechtzeitig in der Schule ist, wenn es diese Dinge auch Zuhause und im Alltag lernen kann.

Den Fragen nach scheint kein Mensch infrage zu stellen, ob ein Kind das, was es in der Schule lernt nicht auch zuhause lernen könnte. Denn danach werde ich nie gefragt. Ich werde nie gefragt, wie es mit Rechnen und Schreiben und all den Dingen aussieht, die man in der Schule lernt. Worum sie die Menschen Sorgen machen sind ganz andere Dinge. Sie sorgen sich darum, dass es meinen Kindern am sozialen Umgang fehlen könnte. Sie sorgen sich darum, dass sie sozial zurückbleiben würden und es ihnen an Möglichkeiten zum Sozialen Lernen fehlt, weil sie eben nicht in einem Raum mit lauter gleichaltrigen Kindern und einem Erwachsenen sitzen. Sie sorgen sich darum, dass es meinen Kindern an Konfliktsituationen zum Lernen fehlen würde. 

Nun stellt sich die Frage ob Kinder erst dann zu lernen beginnen, wenn sie in die Schule kommen und in einem Raum sitzen müssen. Gehen sie etwa sechs Jahre lang blind, taub und emotionslos durchs Leben bevor sie endlich im künstlich erzeugten Ernst des Lebens das einem Gefängnis gleicht lernen dürfen was sozial heißt?

Haben denn das Lächeln des Babys, sein glückliches vor sich hin brabbeln, seine ersten Kontaktaufnahmen mit anderen, seine ersten Konflikte und sein aufmerksames Beobachten nichts mit Lernen, mit sozialem Lernen zu tun? Und was ist mit den Kleinkindern, die fröhlich grüßend und winkend durch die Welt wandern, die Menschen beobachten und über ergreifende Fragen nachdenken, lernen die etwa auch nicht?

Muss ich um soziales Verhalten lernen zu können auf einem kleinen Holzstuhl an einem Tisch, neben einem anderen Kind sitzen und der Lehrerin oder dem Lehrer der vorne an der Taf

el steht zuhören, der mir erklärt wie das so ist mit dem Leben. Muss ich um soziales Verhalten lernen zu können irgendwelche Übungen mit anderen Kindern machen ...

Soziales Lernen beginnt mit dem Augenblick der Geburt. Kinder beobachten, erfahren, denken nach erleben, überlegen, probieren aus und erkennen. Dazu brauchen sie keine Schule, sondern den Freiraum dies alles im echten, wirklichen Leben erfahren zu dürfen. Sie brauchen Menschen um sich, die sie auf ihrem Weg begleiten anstatt sie zu  blockieren. Sie brauchen Menschen um sich die bereit dazu sind, mit ihnen zu gehen ohne Bedingungen, Hand in Hand. Leben mit Kindern soll Freude machen und keine Aneinanderreihung von Verpflichtungen und künstlich erzeugten Lernsituationen sein.

 

Herzlich willkommen ...

... beim neuen Blog von Lini Lindmayer. Hier geht es nicht mehr nur um Windelfreiheit sondern um das Leben an sich. Um das Leben mit Kindern von Geburt an und alles, was da so dazu gehört. Es geht um das einfache Leben fernab der komplizierten uns selbst und unsere Beziehungen blockierenden Gedanken. Es geht um die Fragen, die sich Eltern in einer von Leistungsdenken und Erfolgsdruck geprägten Zeit stellen und vor allem um die Frage, was wir verändern können, wenn wir Veränderung wünschen. Ich freue darauf meine Gedanken mit euch zu teilen und eure dazu zu lesen.
Viel Freude beim Lesen wünscht euch Lini Lindmayer

 

   

gute Erziehung? mäßige Eignung zur Windelfreiheit?

Was ist eine gute Erziehung? Oder wann ist Erziehung gut? Wie kann Erziehung gut sein, wenn sie immer mit einer Fremdbestimmung und Unterdrückung eines anderen Individuums einhergeht und ein Drängen in die gewünschte Richtung bedeutet?
Wächst eine Pflanze besser und schneller, wenn ich den Samen aus der Erde ziehe? Bekommt sie mehr und bessere Früchte, wenn ich an ihren Blüten mit meinen Fingern zerre und ziehe?

Erziehung

Man findet im Internet wie auch in Büchern gar viele Tipps dazu, wie man einem Kind die Sauberkeit anerziehen kann -die man ihm davor aberzogen hat indem man ihm eine Windel angezogen hat (aber das wird natürlich nicht berücksichtigt). Und sie alle laufen darauf hinaus, dass man schlicht und einfach davon ausgehen muss, dass ein Kind unfähig ist sein Ausscheidungsbedürfnis vor einem gewissen Alter wahrzunehmen.

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