Gratwanderung ...

Erziehungsprobleme gibt es viele ... Bücher darüber beinahe dreifach so viele. Ein Blick in die Regale der Buchhandlungen genügt um dies zu erkennen. Nun gut, Spannungen mit Kindern gehören -wie in jeder Beziehung- gewissermaßen dazu. Es wird immer wieder die eine oder andere Handlung geben über die wir als Eltern nicht gerade glücklich sind und ich nehme jetzt stark an, ...

Zurückhaltung ...

 

... ist nicht gerade unsere Stärke. Warum? Weil wir tendenziell -wie es unsere häufige Erfahrung in der Kindheit war- dazu tendieren in das Entdecken und Tun eines Kindes einzugreifen um es zu forcieren oder ihm wenn es schwer wird etwas abzunehmen. Diese Herangehensweise ist absurd. Wie fühlen wir uns als Erwachsener, wenn jemand ohne zu fragen kommt um uns bei unserer Arbeit zu helfen (eingreifend zu helfen indem er uns Dinge einfach ungefragt aus der Hand nimmt) oder er uns ständig darauf hinweist, wie wir es besser machen könnten. Wie würden wir reagieren, wenn wir einfach ungeduldig von unserer derzeitigen Tätigkeit weggeschickt werden würden oder beiseite geschoben werden würden, weil die Kollegin meint es besser oder schneller zu können und somit Zeit zu sparen.
Das ist lächerlich, weil ...

Attachment parenting und seine ...

"dunklen" Seiten.

 

 

Erziehung durch Zuneigung. Ein Begriff, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat und zu einem immer größeren Erziehungstrend geworden ist. Willst du hip und in sein, dann praktizier Attatchment parenting - so oder so ähnlich könnte es vielleicht heißen.

An und für sich bin ich dem Konzept ja nicht ...

wenn Babys weinen ...

sind wir in Alarmbereitschaft - im Optimalfall. Und im Optimalfall wissen wir, was zu tun ist, damit sich das Baby wieder beruhigt und wohl fühlt. Im Optimalfall haben wir meist kurze Zeit nach der Geburt bereits herausgefunden, was das Baby mag, was es beruhigt und wie es sich schnell wieder wohler fühlt. Im Optimalfall weint ein Baby eher selten und lässt sich schnell wieder beruhigen. Im Optimalfall gibt es kein Baby, dass Stunde um Stunde weint... leider ist die Realität nicht (immer) der Optimalfall und häuftig müssen wir zuerst einmal unsere eigenen Idealvorstellungen in den Wind streuen um der Realität Platz machen und klarer sehen zu können. Häufig werden wir von der Realität einfach überrumpelt und finden uns an einem Punkt wieder ...

ach du ruhige Weihnachtszeit ...

jetzt hast du also wirklich begonnen.


Voller Christkindlmärkten, Nikoloinvasionen, Weihnachtsmännern und übervollen Einkaufsstraßen. Voller Stress und Hektik, weil man noch so viele Geschenken kaufen sollte und voller schlechtem Gewissen, wenn man es nicht schon im Juni gemacht hat ... Die Weihnachtsdeko, Schokonikoläuse und Schokokrampusse (schreibt man sie so?) beglücken uns ja schon seit Ende September und so mancher fragt sich nach den Schlagzeilen der letzten Tage sicherlich, was da denn so drinnen ist in den Schokoleckereien für die Weihnachtszeit.


Ganz ehrlich? Eigentlich mag ich die Weihnachtszeit. Ich mag die frühe Dunkelheit (bis nach Weihnachten) und den Lichterglanz überall, ich mag den Duft nach Weihnachtsbäckerei und Kerzenrauch und die frische nach Schnee riechende Luft (wenn man nicht gerade neben einer dicht befahrenen Straße oder einem Punschstand vorbei geht oder wenn dank Erderwärmung Frühlingstemperaturen herrschen). Und seit einigen Jahren mag ich die Adventzeit besonders gerne, weil meine Kinder da am längsten in der Früh beschäftigt sind und mich überhaupt nicht zu brauchen scheinen - was mir die Ruhe gönnt noch ein wenig zu schlafen.

Warum sie das machen? Weil sie den Adventkalender ausräumen und das am liebsten schon dann, wenn noch nicht einmal annähernd Morgen ist. Das führt dann mitunter dazu, dass ich vom Licht geweckt werde, dass plötzlich durch die Tür dringt und ich meine Kinder um den Tisch sitzend ihre Leckereien aus dem Adventkalender vernaschend oder mit ihren Kleindigkeiten spielend vorfinde - sagen wir einmal zu einer Uhrzeit, zu der man normalerweise noch nicht an den Morgen denkt. Aber das kommt glücklicherweise eher selten vor. Überwiegend stehen sie etwas vor der Morgendämmerung auf, aufgeregt flüsternd aus dem Zimmer schleichend ... 

Aus weiser Voraussicht habe ich bis dato den Adventkalender immer erst am Vorabend für den nächsten Tag gefüllt aber dieses Jahr gibt es noch einen zweiten Adventkalender - einen mit kleinen Büchlein drinnen- von der Oma, und mit diesem Kalender kam es heute Nachmittag beinahe zu einem Drama.

Denn, aus Neugierde und Ungeduld, wurde dieser von meinen Sohn  in einem unbedachten Moment mithilfe eines Stockerls um ihn leichter zu erreichen ausgeräumt ... Als ich es bemerkte war ich glaube ich im ersten Moment eben so überrascht wie mein Sohn. Er hat gewusst, dass es nicht so in Ordnung war, was er da getan hat und ist gleich weinend verschwunden. Ich habe zuerst den Schaden behoben um zu vermeiden, dass Tochter Nr. 1 etwas bemerkt und einen Schreikrampf bekommt (verständlicherweise - ihr Gerechtigkeitssinn ist enorm) und habe mich dann auf die Suche nach meinem weinenden und sichtlich wütenden Sohn gemacht.

Nach einigen Kuscheleinheiten ging es dann wieder ... und nein, ich habe ihn weder bestraft noch angeschrien, sondern ihm nur gesagt, dass ich seine Neugier zwar verstehe, es aber nicht so toll finde, wenn er alle Bücher alleine ausräumt und ansieht, schließlich gehört er nicht nur ihm sondern auch seinen Geschwistern. Ich hätte nichts gesagt, wenn es sein eigener Adventkalender gewesen wäre, denn ich kann mich selbst an meine eigene Neugier erinnern als Kind und wie schwer es mir gefallen ist, nicht alle Kästchen aufzumachen oder vorab schon eines zu öffnen. Und ich weiß, dass man Geduld erst mit der Zeit lernt aber vor allem nicht dann, wenn sie einem aufgezwungen wird ... Aber in diesem Fall musste ich einschreiten, weil er eben allen Dreien gehört und gerade die Älteste sehr darauf bedacht ist, bis zum 24. immer nur ein Kästchen aufzumachen.

 

Als wir die erste Kerze entzunden haben war dann wieder Stille eingekehrt - weitestgehend, denn da fanden die beiden Älteren es nicht so toll, dass die Jüngste ständig die Kerze ausgeblasen hat, schließlich macht man das an Geburtstagen so ... Wirkliche Stille kehrt bei uns eigentlich erst immer dann ein, wenn die Kinder im Bett sind und friedlich schlafen. Die Weihnachtszeit macht trotzdem Spaß ... besonders wenn man bereits um acht Uhr Früh mit den Kindern beim Kekse backen steht, so wie heute, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Ja, ich mag die Weihnachtszeit. Und mehr als sonst habe ich in der Weihnachtszeit das Bedürfnis meinen Kindern etwas anderes zu zeigen, etwas, das neben all dem Komerz und dem Konsum den sie in der Welt sehen, existiert. Ich möchte ihnen Dasein und Zuhören vermitteln und das Gefühl, das Weihnachten mehr ist als nur schenken. Ich möchte sie auf Dinge aufmerksam machen, über die wir -in der Wohlstandgesellschaft- gerne hinweg sehen. Aber mehr als das, möchte ich, dass sie sich ihre eigene Meinung und ihr eigenes Verständnis von Dingen bilden können.

 

Ich habe "Nein" gesagt ...

Warte nur bis er lernt "nein" zu sagen!!!

 

 

Haben wir uns schon einmal die Frage gestellt, warum Babys und Kinder so oft "Nein" sagen? Haben wir schon einmal daran gedacht, dass es nicht mit ihrem Willen zu rebellieren zusammenhängt sondern lediglich eine Kopie unseres eigenen Verhaltens ihnen gegenüber ist? Wie oft ...

Plastik, Plastik, Plastik ...

Der Blogeintrag für heute war eigentlich fertig. Es hat nur noch der letzte Schliff gefehlt. Aber dann war ich dazwischen mit meinen Kindern in der Stadt unterwegs und jetzt muss der Blogeintrag für heute einem dringlicheren weichen. Denn ich bin wütend. Und nicht nur ein bisschen. Ich bin wirklich wütend. Im Prinzip sollte man nämlich meinen, dass in Bioläden Dinge wie Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Umweltgedanken usw. im Vordergrund stehen und Grundbestandteil des Konzeptes sind. Aber ... weit gefehlt. Begonnen hat es damit, dass ...

Schule muss sein!

Schule muss sein?

Schule wird nicht in Frage gestellt, von den wenigsten. Schule muss einfach sein ab einem gewissen Altern und die meisten sind nicht nicht einmal der Tatsache bewusst, dass wir in Österreich keine Schulpflicht sondern lediglich eine Unterrichtspflicht haben. In Österreich haben Eltern das Recht darauf ihre Kinder zum häuslichen Unterricht abzumelden und finden hier mittlerweile auch ein breites und tolles Netzwerk wo sie Information, Unterstützung und Erfahrung finden.


Ich habe meine Probleme mit dem vorherrschenden Bildungssystem, in dem es nicht um das Kind an sich geht, sondern um seine Leistung. Es ist nicht nur starr und leistungsorientiert, sondern auch darauf aus, die Schwächen eines Kindes doppelt und dreifach zu unterstreichen. Anstatt seine Stärken zu erkennen und es dort zu begleiten und zu unterstützen, versteht sich unser Bildungssystem darauf, in den Schwächen (die mitunter aus fehlendem Interesse an der Thematik entstanden sind) der Kinder zu stochern und endlose Energien dafür aufzuwenden, die bestehenden Schchen des Kindes in Stärken zu verwandeln. Dabei gehen meist auch noch die Stärken des Kindes verloren, weil es keine Zeit dafür mehr aufbringen darf.

In der Psychologie ist schon lange bekannt, dass ich die Stärken eines jeden Menschen hervorstreichen und positiv stärken muss, damit auch seine Schwächen stärker werden. Wobei ich mir an diesem Punkt die Frage erlaube, ob nicht jeder Mensch seine Schwächen haben darf und unsere Vielfalt genau darauf beruht, dass es Stärken und Schwächen gibt. Wäre die Welt nicht schrecklich langweilig, wenn jeder alles könnte und überall stark wäre?

 

Aber gerade in der Schule sollte ein Kind gut sein - überall. Und genau damit kann ich nicht. Aber lange bevor ich dass alles wusste, lange bevor ich das als Grund für das Freilernen meiner Kinder anführen konnte, war ich überzeugt davon, dass meine Kindern einmal nicht in die Schule gehen würden.

Damals war ich sieben oder acht Jahre alt. Ich war nicht unglücklich in der Schule, aber mir war unendlich fad und ich hätte gerne viel mehr gemacht, als wir machen durften. Immer wenn es spannend zu werden schien, dann war die Stunde aus und ich musste etwas anders tun. Außerdem fand ich es schrecklich ständig nur sitzen zu müssen und nicht entscheiden zu können, was ich gerne machen würde.
Ich kann nicht einmal mehr genau sagen, wann der Gednaken kam aber irgendwann war ich mir sicher, dass meine Kinder einmal nicht in die Schule gehen müssten. Das stand fest und auch nicht zur Debatte. Und so ist es auch geblieben.

 

Ich will und kann meine Kinder nicht einem System unterordnen, von dem ich weiß, dass es keinerlei Wert auf Individualität legt.

Ich weiß schon, es ist mitunter auch personenabhängig wie es einem Kind in der Schule geht. Aber prinzipiell sind auch Lehrern und Lehrerinnen die Hände gebunden in gewissen Bereichen und um ehrlich zu sein hatte ich auch nie vor russisches Roulette zu spielen und darauf zu hoffen, doch eine "tolle" Lehrerin oder einen "tollen" Lehrer für meine Kinder zu bekommen.

Mit meiner Tochter haben wir noch diesen Schulreifetest gemacht, von dem ich heute weiß, dass man ihn nicht machen muss. Im Nachhinein war es aber keine schlechte Idee, den Test zu machen, denn er hat uns ein Jahr zusätzlich geschenkt. Denn meine Tochter wurde als nicht schulreif erklärt. Nicht weil sie nicht kommunizieren oder einfache Zahlen erkennen konnte. Nein die einzige Begründung lag darin, dass meine Tochter nicht auf der Linie sondern neben der Linie schnitt. ??? Die Lehrkraft die für die Test verantwortlich war, war aber nicht in der Lage meine Tochter zu Fragen warum sie so schön neben der Linie schnitt. Denn dann hätte sie von meiner Tochter erfahren, dass sie dies schlicht und einfach aus dem -vollkommen logischen- Grund tat, um die Linie nicht wegzuschneiden ... sonst wäre ja die Linie, die den Elefanten (den sie da ausschneiden musste) zeigte ja nicht mehr da gewesen.

Das war nur eine Linie und ein Elefant. Aber derlei Dinge -Beurteilungen ohne nach dem Grund zu fragen- geschehen in der Schule oder auch im Alltag ständig.

Heute habe ich eine Mutter und ihre kleine Tochter beobachtet. Das kleine Mädchen etwa zwei Jahre alt, hat aus einer Trinkflasche Wasser in ihre zu einem Becher geformte Hand gelehrt und daraus getrunken. Es hat etwas wichtiges erkannt und riesigen Spaß daran, dies immer wieder zu probieren ... Die Mutter sah ihr Mädchen die Trinkflasche ausschütten und begann mit ihm zu schimpfen. Es sei schlimm, weil es dies tat.

Ich möchte die Mutter nicht verurteilen, denn -zugegeben- geht es mir auch manchmal so, dass ich im ersten Moment überhaupt nicht wahrnehme was meine Kinder eigentlich machen und mit welchen Hintergedanken, sondern ich sehe im ersten Moment nur, was sie tun und bilde mir mein -mitunter bedingt durch Müdigkeit und Stress- vielleicht nicht sehr objektives Urteil. In solchen Momenten muss ich mich immer wieder zurücknehmen und daran erinnern dass Kinder nicht einfach tun um mutwillig oder boshaft zu sein, sondern jede ihrer Handlungen hat einen bestimmten Hintergrund der sie wieder ein Stück weiter bringt.

Eben das möchte ich nicht aus den Augen verlieren und genau das sehe ich durch ein an Leistung orientiertes Bildungssystem verloren gehen.

In dem Sinn:

 

Nimm ein Kind an die Hand und lass dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt, die du längst vergessen hast.


Unbekannter Verfasser

 

 

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