Verhaltensauffällig

Verhaltensauffällig sind kleine Menschen heute ganz schnell einmal. Entweder weil sie zu lebhaft sind. Oder weil sie zu ruhig sind. Weil sie nicht still sitzen können oder viele Fragen stellen. Weil sie mal wütend werden oder auch mal schnell weinen. Weil sie in ihren Interessen sprunghaft sind oder zögerlich. Verhalten, das im Grunde nur natürlich ist. Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter und kleine Menschen sind nun einmal nicht so, wie es gerne erwartet wird. Sie entsprechen nicht den vorgefertigten Maßstäben (auch wenn das immer wieder behauptet wird).
Sie sind, wer sie sind.
Und dennoch, gibt es dieses Verhalten, welches auffällig ist. Nicht absichtlich und auch nicht, weil der kleine Mensch schlecht ist oder nicht erzogen oder generell schwierig (wie dann immer gerne behauptet wird) sondern schlicht und einfach, weil etwas nicht stimmt. Etwas in der Eltern-Kind-Beziehung. Etwas an der Gesamtsituation ... ein Ungleichgewicht, welches durch das Verhalten des kleine Menschen zum Ausdruck gebracht wird.

Ursache/Auslöser - Reaktion
Es gibt nicht dieses von Grund auf verhaltensauffällige Kind oder dieses schwierige Kind. Ich halte auch wenig von der Idee, dass die einen kleinen Menschen schwieriger oder bedürftiger seien und deshalb einen spezielleren Umgang bräuchten als die anderen kleinen Menschen.
Wenn wir im Miteinander, im Elternsein wirklich ...

Das Beste ...

Ist das Beste für den kleinen Menschen wirklich die Aufopferung der Eltern?
Dieses permanente Streben danach, es dem kleinen Menschen "leicht und schön und wunderbar bequem" zu machen?
Dieses ständige Kopfzerbrechen darüber, wie sich "miese" Stimmung beim kleinen Menschen bestmöglich verhindern lässt oder wie man den Alltag so gestaltet, dass es keine Ecken und Kanten gibt, an die der kleine Mensch stoßen könnte? 
Dieses sich verbiegen und verdrehen und alles nur für den kleinen Menschen, wobei die eigenen Bedürfnisse ignoriert werden?
Dieser irrwitzige Versuch niemals Nein zu sagen ... aus Angst, das dieses "Nein" dem kleinen Menschen unendlichen Schaden zufügen könnte.

Liegt das Beste für den kleinen Menschen wirklich darin, wie sehr sich Eltern anstrengen um eine Umgebung zu schaffen, die wenig mit der Wirklichkeit im späteren Leben zu tun hat? Mit dieser Wirklichkeit die dann kommt, wenn die Eltern eben nicht mehr ständig da sind um alles zu verhindern, was anstrengend oder herausfordernd sein könnte. Und mehr noch, was ist das Beste eigentlich?

Aus vielerlei Gründen hat sich in den meisten Eltern die Idee festgesetzt, dass sie ...

Nicht müssen wollen!

Eltern von windelfreien Babys kennen sie, diese Phase in der plötzlich gar nichts mehr geht. Wochenlang läuft es so dahin. Wochenlang scheint nichts einfacher zu sein, als dem dringenden Bedürfnis nachzukommen. Kaum eine nasse Hose, kaum ein Lackerl am Boden. Und dann plötzlich, von einem Augenblick auf den andern oder besser gesagt von einem Tag auf den anderen, die 180 Grad Wendung.

NICHTS GEHT MEHR
Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn wir aufhören kompliziert zu denken und versuchen den Grund für das nicht mehr wollen, bei uns zu finden oder schlimmer noch, in der Kommunikation generell.
Nichts geht mehr Phasen gibt es immer wieder. Sie kommen und gehen ganz unabhängig von uns Erwachsenen, einfach weil sie notwendig sind und weil ohne sie weder Entwicklungsschritte noch Lernprozesse möglich wären. Mal ist es das mobil werden, mal sind es die Zähne und ein ander Mal ist es die unangenehme Verkühlung, die gleichzeitig mit dem Selber essen wollen einher geht.
Die Nichts geht mehr Phase von der ich heute schreibe, ist jene, die sich eigentlich - bei näherer Betrachtung und Blick auf das Ganze - auf alle Bereiche der grundlegenden Bedürfnisse ausdehnt und im Grunde den ersten großen Schub Richtung selbstständig werden darstellt. Es ist die Phase, wo einfach wirklich nichts mehr gehen will. Wo "WOLLEN" und "NICHT WOLLEN" aneinander krachen und dem kleinen ...

Wunschbild vs. Realität

Wir alle haben bestimmte Vorstellungen darüber, was "perfektes" Elternsein heißt und wie es gelebt werden sollte. Wir tragen dieses Bild in uns. Diese Idee davon, wie '"es" sein sollte. "Es" - das Familienleben, das Zusammenleben mit Kind. Eine Vorstellung, die vom medial gezeigten IDEAL noch forciert wird. Und von all den Erziehungsideen, die uns in zig Ratgebern präsentiert werden. Ideen die uns vermitteln, dass wir nur die "richtigen" Handlungen setzten müssten, damit wir das "perfekte" kleine Wesen erhalten - immer fröhlich, immer kooperationsbereit, immer lieblich und vor allem so wie wir es gerne hätten - und damit wir zu den Eltern werden, die schlicht und einfach nur "perfekt" sind.
Gleichzeitig bekommen wir mit diesen Friede-Freude-Eierkuchen-Ideen und Ratgebern aber noch etwas anderes vermittelt. Das es so, wie es ist - lebendig, chaotisch, gelegentlich laut und dann wieder friedlich, unendlich anstrengend und gleichzeitig schön - eben nicht "richtig" ist. Und auch damit werden unsere eigenen Vorstellungen vom "Soll"-Zustand, den es angeglich zu erreichen gilt und von der immerwährenden Harmonie , genährt.
Etwas übertrieben ausgedrückt?
Auf den ersten Blick vielleicht. Weil sich auf den ersten Blick einfach alles so perfekt anfühlt, in diesen Ratgebern und Bildern, in diesem gezeigten IDEAL. So "auf den Punkt" gebracht. Auf den zweiten Blick ...

Mama-Tage

Muttertag war gestern. Aber eigentlich ist er heute auch. Und morgen und übermorgen und eigentlich immer ...und eigentlich könnte ich dir jetzt jeden Tag was schenken, weil ich dich so lieb habe ...
Wie schön solche Worte gleich nach dem Aufstehen zu hören. Garniert mit einem kleinen Blumenstrauß der gleich eifrig zu all den anderen Blumen in die Vase gesteckt wird und einer festen Umarmung und der in meinen Bauch gemurmelten Frage ob ich einen Tee trinken mag, gefolgt von der Frage was es zum Frühstück gibt ... Draußen zwitschern die Vögel, in der Küche herrscht friedliche Einigkeit während die drei Jüngeren Apfel essen und ich ausnahmsweise einmal eine wirklich angenehm ruhige Nacht hinter mir habe. Wie schön, so ein Start in den neuen Mamatag ... Gut möglich, dass es in weniger als einer Minute hier ganz anders aussehen kann. Weil irgendwer irgendetwas macht was der andere nicht mag, weil einer ein größeres Stück Apfel nimmt als der andere oder genau das, was der eine wollte. Weil das Teesackerl keine Schnur mehr drauf hat, weil sie beim Auspacken abgerissen ist oder weil es kein Kompott mehr gibt, weil es am Vorabend wer aufgegessen hat ... aber jetzt, jetzt in dem Augenblick ist es einfach nur schön.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir aus diesem einmal jährlich stattfindenden Muttertag nicht viel mache. Zu viel Kommerz, zu viel aufgesetzte Notwendigkeit ... Schöner finde ich Überraschungen oder ein spontanes Danke, eine Umarmung oder auch mal die Nachsicht, dass man als Mama nicht immer perfekt ist und schon gar nicht sein kann.
Selbstkritik gibt es letztendlich genug. Abends den Tag Revue passieren zu lassen und kritisch das eigene Tun zu betrachten, all die Dinge zusammen zu zählen, die man der eigenen Meinung nach nicht geschafft hat, all die Dinge anzuschauen, die liegen geblieben sind und auf all die Momente zu zeigen, in denen man ungeduldig oder nicht ganz im Augenblick war, ist wesentlich leichter als einfach mal all das anzuschauen, was man schafft. Tag für Tag. All die kleinen Momente zu betrachten die das Mamasein eigentlich ausmachen.
Das Trösten, wenn die Tränen fließen, das Lachen, wenn gespielt werden will, das Kuscheln, wenn Nähe gebraucht wird, das Zuhören, wenn "spannende" Abendteuer geschildert werden und das so oft wiederkehrende "alles Stehen und Liegen" lassen, weil die Kleinen etwas brauchen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir uns zum gefühlten tausendsten Mal nach am Boden liegenden Gegenständen bücken um diese Aufzuräumen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir die eigenen Bedürfnisse hinten an stellen um den kleinen Menschen unsere Zeit zu schenken, auch wenn diese gut und gerne noch etwas warten könnten. All die Nächte in denen wir ständig aufstehen oder in unbequemen Positionen da liegen um den kleinen Menschen eine halbwegs ruhige Nacht trotz Zahnen oder Schnupfen oder Husten oder Bauchweh oder was auch immer zu ermöglichen. Die unzähligen Male in denen wir Brösel vom Boden aufkehren, Scherben zusammenklauben, Streitereien beiwohnen, ausgeschüttete Flüssigkeiten aufwischen und gleichzeitig den lieben Kleinen bei ihren lebhaften Erzählungen oder ihrem unglücklichen Gemaunze zuhören, weil irgendetwas nicht so ist, wie sie das gerne hätten ...

Mamasein ist anstrengend und schön. Und es gibt diese Tage an denen wir am liebsten alles liegen und stehen lassen würden, um einfach mal nur für einen kurzen Augenblick in aller Ruhe z.B. unter der Dusche zu verschwinden ohne das langezogene "MAMAAAAA?" zu hören ... Gerade deshalb ist es so wichtig, sich nicht mit Selbstkritik zu überschütten und auf all die Dinge zu blicken, die wir nicht ganz so schaffen, wie wir das gerne hätten oder wie es unserer Wunschvorstellung entsprechen würde, sondern einfach mal tief durchzuatmen und mit einem Lächeln auf all das zu blicken, was wir schaffen. Am besten gelingt das in jenen Augenblicken, wenn die Kleinen unbeschwert und glücklich aus ganzem Herzen lachen und wir nicht anders können als einfach mit zu lachen ...

Ich wünsche euch allen ganz viele wunderschöne und bereichernde Mamatage an denen ihr es schafft euch selbst mit Wertschätzung zu begegnen und Nachsicht mit euch selbst zu haben. Denn ihr leistet Großartiges. Jeden Tag wieder!

Nicht Erzieher ...

sondern Begleiter.
Ich dachte immer, dass die wirklich großen Herausforderungen für uns Eltern in den ersten Lebensmonaten und Jahren des kleinen Menschen auf uns warten und es immer leichter wird, je größer die Kleinen werden. Zum Teil stimmt das auch so. Denn gewisse Dinge werden leichter, weil die kleinen einfach selbstständiger werden. Aber jetzt, wo unsere Älteste immer größer wird, wird klar, dass es eben nur zum Teil stimmt.
Denn die wirklichen Herausforderungen warten eigentlich erst dann auf uns, wenn aus den kleinen Menschen junge Menschen werden, die sich ihre eigene Gedanken bilden, ihre Meinung formen, ihren Weg finden und dementsprechend viel ausporbieren wollen. Und gelegentlich auch Dinge, von denen wir nicht überzeugt sind oder von denen wir wissen - aus Erfahrung - das sie möglicherweise schief gehen oder dem Wohlbefinden des jungen Menschen nicht unbedingt gut tun. Dinge die bis dato kein Thema waren, aber plötzlich eines sind und mit denen wir uns dann auseinander setzen oder auch mal diskutieren müssen. Dinge, die ausprobiert werden und deren schlichtes "zum Thema werden" plötzlich ganz andere Anforderungen an uns stellen und uns wieder einmal zu unseren eigenen Grenzen führen ... 
Streng sein, Grenzen setzen, ...
Die Erziehung hat für diese "Phase" im Leben desheranwachsenden Menschen natürlich Sofortmaßnahmen und Lösungsansätze parat. Maßnahmen und Lösungsansätze die eigentlich meist dazu gedacht sind, den jungen Menschen in "seine" gesellschaftlich zugedachten Schranken zu weisen und die Machtposition der Eltern einmal mehr zu demonstrieren.
Aber macht das wirklich Sinn? Gerade ...

Das wars dann wohl!

Wieder einmal. Vorbei ist sie, die intensive Baby-Zeit, mit gemütlichem Dauerstillen und übers Töpfchen halten und mit Tragetuch kuscheln. Vorbei die Zeit, wo nichts wichtiger zu sein schien, als bei mir zu sein und der eigene Wille sich darauf beschränkt hat, einfach nur die grundlegenden Bedürfnisse möglichst zeitnah erfüllt zu bekommen.
Das ist jetzt definitiv vorbei. Jetzt heißt es ab sofort alleine bzw. im Alleingang all das tun, was man sich vorher bei den anderen abgeschaut hat, Klogehen eingeschlossen oder im Augenblick noch Töfchen gehen. Und selbst die Hose - wenn sie nicht allzu fest sitzt, stellt mittlerweile kaum mehr ein Problem dar. Abhalten darf ich nur mehr im Freien oder in der Nacht, sonst heißt es für mich "Hände weg", ein Gebot, das mit ziemlicher Vehemenz vertreten wird. Und jedes Mal wieder ist es spannend und herausfordernd und intensiv und wunderschön zu beobachten, dieses "sich auf den Weg machen".
Und wann sind sie dann selbstständig?
Diese Frage kommt oft. Beinahe ebenso oft wie das Erstaunen darüber, dass dieser eigentlich noch recht kleine Mensch bereits selbstständig aufs Töfpchen geht bzw. so zuverlässig Bescheid gibt, wenn das Bedürfnis dringend ist.
Aber ist es wirklich so unüblich? Mal abgesehen davon, dass üblicherweise davon ausgegangen wird, dass ein Baby erst zu einem viel, viel späteren Zeitpunkt fähig ist sein Ausscheidungsbedürfnis wahrzunehmen und zu kommunizieren. Ist es nicht eher logisch, dass das selbstständige dem Ausscheidungsbedürfnis nachkommen zu einem Zeitpunkt geschieht, wo auch so viel anderes selbst in die Hand genommen wird? Wo all die Dinge spannend werden, die bis dato für einen gemacht wurden und die man so viele Monate hindurch miterlebt hat?
Ist es nicht eher logisch, dass das Selbstständig sein wollen und einfach drauf los marschieren genau dann kommt, wenn die Babyzeit zu Ende geht, die Bewegungsentwicklung (weitestgehend) abgeschlossen und das Interesse am Tun übergroß wird? Zu einem Zeitpunkt wo das "Ich" ebenso entdeckt wurde wie die Fähigkeit, den eigenen Willen vehement zu vertreten? Also ...

Was wirklich zählt

Jetzt sind sie wieder da, die langen hellen Tage (und hoffentlich auch bald wieder die entsprechenden Temperaturen), an denen sich die kleinen Menschen abends nicht und nicht ins Haus locken lassen wollen - trotz offensichtlicher Müdigkeit, trotz Hunger, so einigen Schrammen und einer nicht näher zu definierenden Schmutzschicht, die von langen Tagen in Wald und Wiesen herrührt. Oder vom Ausgraben interessanter Gegenstände, vom Feuer machen und in der Erde wühlen, vom Fangen und Verstecken (oder was auch immer) spielen und auf die Bäume oder Felsen klettern, vom Hügelbeet anlegen und Gemüse anbauen, ...
Für mich sind es die Tage der immervollen Waschmaschine und der immer nur peripher vorhandenen kleinen Menschen, die lediglich dann in meiner Nähe auftauchen, wenn sie hungrig sind, kurz mal ausruhen (und kuscheln) wollen oder verarztet werden müssen. Es sind die Tage, an denen ich mir Geschichten von Walderlebnissen anhören und aus Lehm gefertigte Kunstwerke anschauen darf. Tage an denen ich einen Berg von Fundstücken bewundern darf, die von interessant geformten Hölzern über schöne Steine bis hin zu ehemals vergrabenen oder verlorenen Gegenstand reichen und die dann entweder in Kisten gesammelt, ins Spiel eingebaut oder irgendwie weiter verarbeitet werden. Es sind Tage an denen die Erlebnisse Abends ganz oft in Geschichten niedergeschrieben oder als Zeichnung nacherzählt werden und wo zum Drüberstreuen ein paar andere Themen aufkommen über die dann gefühlte weitere Stunden gesprochen und geredet werden muss. Themen, die so gut wie alles (und noch viel mehr) beinhalten, was man unter anderem auch in Schulbüchern finden kann.

Ja, aber ...

Ja, aber ... hören wir so oft. Mit zig Erläuterungen (die manchmal fast schon wie Entschuldigungen klingen) warum oder wieso ...

Neueste Kommentare

Anmelden