Explosionen und Feuerwerke

Der Winter hatte es hier ja immer schon in sich. Gerade in Bezug auf Rechnen, Schreiben, Lesen und all die anderen üblichen Themen angefangen bei Biologie und Geschichte über Geografie, Somatologie, Physik, Chemie und so weiter und so fort. Einem Virus gleich verbreiten sich hier die intensiven Interessen an den einzelnen Themen und gelegentlich, wenn ich so meine Blicke über den überladenen Tisch und die darum versammelten Kleinen gleiten lassen, werde ich  den Eindruck nicht los, mich mitten im Zentrum des Lernens und "in sich Aufsaugens" zu sitzen. Noch Stunden später schwirrt mein Kopf von dieser Wissbegierde und der Dichte an Informationen. Von diesen wahren Explosionen und Feuerwerken an AHA-Momenten´und dem beständigen Versuch meinerseits (oder auch unsererseits als Eltern) nicht den Überblick zu verlieren.

Alles auf einmal und immer alles anders
Bio steht da ... wie selbstverständlich erklärt mir die soeben vier gewordene Kleine, was da auf der Packung steht. und da Apfelsaft (nicht ganz ... da steht Apfelessig ... aber bei Apfel auf einer Flasche wo Flüssigkeit drinnen ist, liegt die Vermutung wohl nahe dass es sich hier bei dem was nach dem Apfelwort kommt nur um SAFT handeln kann) Weitere Buchstaben werden erläutert, bevor sie mit einem und jetzt geh ich schreiben davon springt. Ihr Interesse ...

Balanceakt

Klettern, Laufen, Springen, Tanzen, sich im Kreis drehen …. und Hinfallen. Manchmal geht’s eben doch nicht so wie man das vielleicht gedacht hat. Manchmal kommt die Kurve zu schnell, manchmal wird der Baum zu hoch oder die Kante vom Tisch kommt zu nahe und manchmal ist die Müdigkeit einfach zu groß, die Drehung zu wild und der Sturz vorprogrammiert. Und dann? 

Dann braucht es eine Umgebung, in der das Empfinden sein darf. Es braucht das einfach nur da sein, eines anderen Menschen, das Raum geben, Halten (wenn nötig und erwünscht) und Zuhören ... 
Und das, kann verdammt schwer sein. Denn wieder einmal ist das so eine Situation, wo wir viel lieber etwas tun würden. Und wo wir ganz etwas anderes gelernt haben, in unserer eigenen Kindheit. Von Vorwürfen über die Verharmlosung und den Ärger, wenn die Tränen nicht versiegen wollten bis hin zur Inszenierung und Dramatisierung auf der anderen Seite, wo aus dem für einen selbst eigentlich nicht nennenswerten Sturz, der absolute Horrorcrash gemacht wurde.Inklusive möglichem Spielverbot für die nächsten Tage um zu verhindern das "so" etwas nochmal passiert ... 

Zwischen Verharmlosung und Überbewertung 

Die Balance zu halten ist nicht leicht und wie immer im achtsamen Umgang mit kleinen Menschen, gibt es hier eigentlich nur jene Anhaltspunkte zur Orientierung, die uns...

Jenseits von Gut und Böse

Von Richtig und Falsch.
Einfach mal bei sich selbst bleiben und bei dem eigenen SEIN.
Gestern war es wieder einmal soweit. Ich befand mich an dem Punkt, wo ich entscheiden konnte, ob ich mich auf eine Diskussion einlassen oder das Gesagte (bzw. die Behauptung) einfach ignorieren sollte. Ich entschied mich - zum ersten Mal seit langer Zeit - fürs erste. Vielleicht, weil ich es satt hatte, ständig diese Pauschalisierungen und Moralpredigten zu hören. Vielleicht aber auch, weil mir gerade in den letzten Wochen dieses vorherrschende Gegeneinander, dieses gut und schlecht, richtig und falsch, schwarz und weiß in unserer Gesellschaft so deutlich bewusst wurde. Was auch immer der Grund dafür war, dass ich mich nicht mehr zurück halten wollte und meinen "Senf" dazu geben musste, es war ein wichtiges und wertvolles Gespräch, was sich daraus entwickelt hat. Denn es war ein Gespräch, welches - anders als so viele - auf der sachlichen Ebene stattgefunden und mich zu folgendem Blogbeitrag geführt hat.

Es ist so leicht gegen etwas zu sein. Es ist so leicht, die eigene Meinung als die "RICHTIGE" zu erachten. Es ist so leicht, Dinge schlecht zu reden, abzuwerten, gegeneinander zu kämpfen und zu urteilen. Haben wir schließlich von den ersten Lebensjahren an gelernt. Das GEGENEINANDER. Und dürfen es täglich wieder beobachten in unserer Gesellschaft. Dieses Gegeneinander. Wer stellt das schon in Frage. Wettbewerb, Bewertungen, Leistung, ... wo kämen wir da denn hin, wenn es all das nicht mehr geben würde. Wenn die Schubladen, Maßstäbe und Richtlinien plötzlich nicht mehr vorhanden wären.
Aber es bringt uns nicht weiter. Nicht im Miteinander, nicht im Elternsein und vor allem dann nicht, wenn man andere Menschen erreichen, ihre Gedanken kennenlernen und ihr Sein verstehen möchte.


Bevor ich Mama wurde ...

ICH und WIR

Und plötzlich .... dreht sich alles nur mehr um den kleinen Menschen und seine Bedürfnisse. Nie und nimmer hätte man sich vorstellen können, dass dieses kleine, wundersame und wunderbare Wesen einmal so viel Raum einnehmen würden. Man war überzeugt davon, dass sich nichts, aber auch absolut gar nichts und wenn dann nur ein ganz kleines bisschen am "alten" Leben ändern würde, wenn das Baby dann einmal da wäre. Und dann, ist doch alles anders. 
Dann findet man sich plötzlich wieder zwischen einem Haufen von Bedürfnissen, die sich in einem fortwährenden Reigen abwechseln und einem Alltag, der wenig Raum lässt für das ICH und die dazugehörigen Bedürfnisse, geschweige denn fürs Paar sein. Und eine Zeit lang ist das auch okay, es fühlt sich richtig an .... und auch wichtig. Doch irgendwann kommen Zweifel. 

Liebevoll, achtsam, bedürfnisorientiert ... und wo bleibt mein ICH? 
Wir wollen alles. GUT sein definitiv und ES richtig machen auf jeden Fall. Getrieben von dieser absurden Idee, dass es so etwas wie perfektes Elternsein gäbe, ein Richtig und ein Falsch ... und pure Harmonie, Friede-Freude-Eierkuchen Atmosphäre oder etwas in der Art.
Unser Denken ist gepflastert mit all den Idealen und Glaubenssätzen, mit denen wir uns selbst das Leben schwer machen. Und nach der ersten Euphorie, diesem wunderbaren Hochgefühl in der ersten Zeit mit dem kleinen Wesen, kommt die Durststrecke. Statt Friede-Freude-Eierkuchen, gibt es Miese-Laune-Tage. Nicht immer, aber doch oft genug. Oder immer öfter. Statt perfektes Elternsein, massenhaft ...

"Du sollst es machen"

Nach meinem letzten Beitrag hat mich Barbara gefragt ob ich auch Tipps hätte, wenn die Kleinen eben nicht wollen und ständig nach Hilfe fragen, sobald etwas nicht gleich klappt.
Zum einen - um Hilfe zu bitten ist nicht schlecht. Es ist ebenso wenig schlecht, wie es gut ist, nicht danach zu fragen. Anders gesagt: wie es ist, so ist es eben. Und einen kleinen Menschen auf seinem Weg zu begleiten, heißt nun manchmal eben auch helfend zur Seite zu stehen. ABER: manchmal ist dieses "gleich nach Hilfe fragen", diese Weigerung auch mal ein wenig länger zu probieren, sich ein bisschen mehr selbst zuzutrauen, ...  eine Folge der erfahrenen Begleitung. Und somit dürfen wir uns gelegentlich auch mal selbst an der Nase nehmen.

Unscheinbar .... aber wichtig
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns nicht auffallen. Die fast schon unbewusst einfach geschehen, ohne, dass wir längere Zeit darüber nachdenken oder gar in ihnen den Grund für gewisse Verhaltensmuster oder Situationen ausmachen würden.

Wir wollen "gute" Eltern sein. Wir wollen liebevoll und achtsam sein .... und steuern gerade damit manches Mal in eine Sackgasse. Frei und selbstbestimmt Lernen. Dabei denken wir gerne an ...

Lernwut

Lernen und Wut. Lernen und Frust. Entdecken und Erkennen von (mitunter auch körperlichen) Grenzen .... 
Ein Vorwurf, den man beim freien und selbstbestimmten Lernen immer wieder zu hören bekommt - vollkommen unbegründet wie ich gleich wieder einmal zeigen möchte - ist, dass kleine Menschen, wenn sie so lernen würden weder Frust noch Wut erfahren würden. Wie jemand auf die Idee kommt, dass derartiges nicht eintreten würde, weiß ich nicht wirklich. Denn Lernen beinhaltet immer die Möglichkeit von Wut und Frust. Auch, wenn frei und selbstbestimmt gelernt wird. Aber zugegeben, Wut und Frust kommen da eigentlich immer von innen und nicht - wie beim forcierten, belehrenden Lernen von außen durch Beurteilung und Maßregelung oder auch die "du kannst das eh nicht"-Botschaft.  


ICH WILL DAS ABER KÖNNEN 
Dicke Tränen rollen unserer Siebenjährigen über die Wange. Trost will sie keinen. Sie ist unendlich wütend. So wütend, dass ihr die Tränen gekommen sind. Ich will das aber können - schreit sie unter Schluchzern. Und mehr als dasein, kann ich in dem Augenblick nicht. Also sitze ich neben ihr, bis sie wieder aufspringt und weitermacht. Gnadenlos. Getrieben von ihrem inneren Wunsch nun endlich auch den Handstand zu können. Seit Tagen ist sie im Akrobatikfieber. Sie übt und übt und übt. Mit einem Buch aus unserem Bücherregal. Brücke, Kopfstand, Handstand, Spagat .... Alles, was sich zum Üben irgendwie eignet wird zweckentfremdet. 
Zwei Tage, zahlreiche Tränen und blaue Flecken später ...

Kaktus vs. Kuschelbedürfnis

Pubertät .... in den letzten Jahren, habe ich dazu immer wieder meine Gedanken geäußert. Dass es diese Zeit der Wandlung zwar gibt, es aber keineswegs eine "Problemzeit" ist - wie sie gerne dargestellt wird - sondern eine wunderbare und ja, eigentlich auch erwünschte Zeit. Denn letzten Endes wollen wir ja, dass die kleinen Menschen zu fähigen jungen Menschen heranwachsen. Wir wollen sie ja dahingehend begleiten, dass sie eigenständig werden. Dass das nicht immer ohne ein gewisses Chaos geht, sollte uns klar sein. Immerhin kennen wir das ja schon. Aus den ersten Lebensjahren und dem ersten intensiven Streben nach Selbstständigkeit (Autonomiephase - wird diese Zeit auch gerne genannt). Und weil es gut zum letzten Beitrag passt, gibt es hier heute noch ein paar Gedanken und Worte zu dieser Zeit.

Sein dürfen ...
bekommt in dieser Zeit noch einmal eine ganz eigene Bedeutung. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um kleine Dinge. Es geht nicht mehr ausschließlich um die überschaubare Umgebung. Da ist ein junger Mensch, der seine Flügel langsam ausbreitet und erste Flugversuche unternimmt. Um hier auf das schöne Bild von "Wurzeln" und "Flügeln" zurück zu kommen. Diese ersten Flugversuche enden mitunter in einer Bruchlandung ... und in weiterer Folge im Erkennen und Entdecken. Was früher im Kleinen geschehen ist, geschieht nun im Großen. Und mehr denn je braucht es Zurückhaltung auf Seiten der Eltern, aber auch vertrauensvolle und verständnisvolle Begleitung.
Was, mehr denn je, ganz schön schwierig sein kann.  Denn diese Wandlung vom kleinen Heranwachsenden zum jungen Erwachsenen kann - wie wir wohl alle noch wissen - mitunter ganz schön stürmisch sein. Im einen Augenblick ist man überzeugt davon die höchsten Berggipfel zu erreichen und im nächsten Augenblick fühlt man sich ganz klein und unsicher. Im einen Augenblick ist man ein "Kaktus" und im nächsten extem kuschelbedürftig.

Zeit der Ernte
Es wäre natürlich ...

Buchrezension

Es ist eine spannende Zeit. Eine aufregende und manchmal auch ganz schön anstrengende Zeit. Dieses größer werden. Dieses sich selbst finden, den eigenen Weg erkunden und hineinfühlen, ob es passt. Eine Zeit in der die Empfindungen und Gefühle manchmal einer Fahrt mit der Hochschaubahn ähneln. 

Und genau für diese Zeit, wollte ich ein Buch finden für unsere Älteste. Eines, das zu ihr passt und das sie später dann vielleicht auch ihren Schwestern weitergeben könnte. Ich wollte eines finden, welches dieses Frau-werden und Sein als etwas wunderbares darstellt. Als etwas, dem ein Zauber innewohnt und keines mit trockener Theorie, in das sie vielleicht nur einmal einen kleinen Blick werfen und es dann beiseite legen würde und von denen es hier eigentlich genügend gibt. 
Nein, ich wollte ein Buch für sie, welches ihr wirklich gefallen würde und genau so ein Buch habe ich gefunden. 

Vom Mädchen zur Frau

 Edition Riedenburg - Autorin (Bilder und Texte): Nicole Schäufler

Ein ganz eigenes Buch. Eines, welches die Verwandlung vom Mädchen zur Frau einmal auf ganz eigene, wirklich zauberhafte Art und Weise erklärt und dabei nicht mit anatomischen Erläuterungen und physiologischen Vorgängen kommt, sondern dass jene Gefühlsachterbahnen ebenso anspricht, wie die Gedanken und möglichen Ängste. Es nimmt mit auf eine ganz besondere Reise und zeichnet mit seinen märchenhaft leichten Bildern, eine wunderbare Verwandlung auf. 
Sicherlich kein Buch für jedes Mädchen, denn die elfenhaften Bilder muss man ebenso mögen wie die Ideenassoziationen, mit denen die Autorin spielt. Ganz bestimmt aber ist es ein Buch, welches für unsere älteste Tochter nicht besser hätte passen können. Und es ist eines der wenigen Bücher. die das Frau werden und Sein in ein schönes Licht rücken und in einem das Gefühl hinterlassen, dass hier etwas wirklich wundervolles und besonderes geschieht. 

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