Nicht Erzieher ...

sondern Begleiter.
Ich dachte immer, dass die wirklich großen Herausforderungen für uns Eltern in den ersten Lebensmonaten und Jahren des kleinen Menschen auf uns warten und es immer leichter wird, je größer die Kleinen werden. Zum Teil stimmt das auch so. Denn gewisse Dinge werden leichter, weil die kleinen einfach selbstständiger werden. Aber jetzt, wo unsere Älteste immer größer wird, wird klar, dass es eben nur zum Teil stimmt.
Denn die wirklichen Herausforderungen warten eigentlich erst dann auf uns, wenn aus den kleinen Menschen junge Menschen werden, die sich ihre eigene Gedanken bilden, ihre Meinung formen, ihren Weg finden und dementsprechend viel ausporbieren wollen. Und gelegentlich auch Dinge, von denen wir nicht überzeugt sind oder von denen wir wissen - aus Erfahrung - das sie möglicherweise schief gehen oder dem Wohlbefinden des jungen Menschen nicht unbedingt gut tun. Dinge die bis dato kein Thema waren, aber plötzlich eines sind und mit denen wir uns dann auseinander setzen oder auch mal diskutieren müssen. Dinge, die ausprobiert werden und deren schlichtes "zum Thema werden" plötzlich ganz andere Anforderungen an uns stellen und uns wieder einmal zu unseren eigenen Grenzen führen ... 
Streng sein, Grenzen setzen, ...
Die Erziehung hat für diese "Phase" im Leben desheranwachsenden Menschen natürlich Sofortmaßnahmen und Lösungsansätze parat. Maßnahmen und Lösungsansätze die eigentlich meist dazu gedacht sind, den jungen Menschen in "seine" gesellschaftlich zugedachten Schranken zu weisen und die Machtposition der Eltern einmal mehr zu demonstrieren.
Aber macht das wirklich Sinn? Gerade ...

Das wars dann wohl!

Wieder einmal. Vorbei ist sie, die intensive Baby-Zeit, mit gemütlichem Dauerstillen und übers Töpfchen halten und mit Tragetuch kuscheln. Vorbei die Zeit, wo nichts wichtiger zu sein schien, als bei mir zu sein und der eigene Wille sich darauf beschränkt hat, einfach nur die grundlegenden Bedürfnisse möglichst zeitnah erfüllt zu bekommen.
Das ist jetzt definitiv vorbei. Jetzt heißt es ab sofort alleine bzw. im Alleingang all das tun, was man sich vorher bei den anderen abgeschaut hat, Klogehen eingeschlossen oder im Augenblick noch Töfchen gehen. Und selbst die Hose - wenn sie nicht allzu fest sitzt, stellt mittlerweile kaum mehr ein Problem dar. Abhalten darf ich nur mehr im Freien oder in der Nacht, sonst heißt es für mich "Hände weg", ein Gebot, das mit ziemlicher Vehemenz vertreten wird. Und jedes Mal wieder ist es spannend und herausfordernd und intensiv und wunderschön zu beobachten, dieses "sich auf den Weg machen".
Und wann sind sie dann selbstständig?
Diese Frage kommt oft. Beinahe ebenso oft wie das Erstaunen darüber, dass dieser eigentlich noch recht kleine Mensch bereits selbstständig aufs Töfpchen geht bzw. so zuverlässig Bescheid gibt, wenn das Bedürfnis dringend ist.
Aber ist es wirklich so unüblich? Mal abgesehen davon, dass üblicherweise davon ausgegangen wird, dass ein Baby erst zu einem viel, viel späteren Zeitpunkt fähig ist sein Ausscheidungsbedürfnis wahrzunehmen und zu kommunizieren. Ist es nicht eher logisch, dass das selbstständige dem Ausscheidungsbedürfnis nachkommen zu einem Zeitpunkt geschieht, wo auch so viel anderes selbst in die Hand genommen wird? Wo all die Dinge spannend werden, die bis dato für einen gemacht wurden und die man so viele Monate hindurch miterlebt hat?
Ist es nicht eher logisch, dass das Selbstständig sein wollen und einfach drauf los marschieren genau dann kommt, wenn die Babyzeit zu Ende geht, die Bewegungsentwicklung (weitestgehend) abgeschlossen und das Interesse am Tun übergroß wird? Zu einem Zeitpunkt wo das "Ich" ebenso entdeckt wurde wie die Fähigkeit, den eigenen Willen vehement zu vertreten? Also ...

Was wirklich zählt

Jetzt sind sie wieder da, die langen hellen Tage (und hoffentlich auch bald wieder die entsprechenden Temperaturen), an denen sich die kleinen Menschen abends nicht und nicht ins Haus locken lassen wollen - trotz offensichtlicher Müdigkeit, trotz Hunger, so einigen Schrammen und einer nicht näher zu definierenden Schmutzschicht, die von langen Tagen in Wald und Wiesen herrührt. Oder vom Ausgraben interessanter Gegenstände, vom Feuer machen und in der Erde wühlen, vom Fangen und Verstecken (oder was auch immer) spielen und auf die Bäume oder Felsen klettern, vom Hügelbeet anlegen und Gemüse anbauen, ...
Für mich sind es die Tage der immervollen Waschmaschine und der immer nur peripher vorhandenen kleinen Menschen, die lediglich dann in meiner Nähe auftauchen, wenn sie hungrig sind, kurz mal ausruhen (und kuscheln) wollen oder verarztet werden müssen. Es sind die Tage, an denen ich mir Geschichten von Walderlebnissen anhören und aus Lehm gefertigte Kunstwerke anschauen darf. Tage an denen ich einen Berg von Fundstücken bewundern darf, die von interessant geformten Hölzern über schöne Steine bis hin zu ehemals vergrabenen oder verlorenen Gegenstand reichen und die dann entweder in Kisten gesammelt, ins Spiel eingebaut oder irgendwie weiter verarbeitet werden. Es sind Tage an denen die Erlebnisse Abends ganz oft in Geschichten niedergeschrieben oder als Zeichnung nacherzählt werden und wo zum Drüberstreuen ein paar andere Themen aufkommen über die dann gefühlte weitere Stunden gesprochen und geredet werden muss. Themen, die so gut wie alles (und noch viel mehr) beinhalten, was man unter anderem auch in Schulbüchern finden kann.

Ja, aber ...

Ja, aber ... hören wir so oft. Mit zig Erläuterungen (die manchmal fast schon wie Entschuldigungen klingen) warum oder wieso ...

Weniger ist mehr

Überfluss. Permanent. Überall und am besten ganz viel davon. Ganz viel Animation, ganz viel Programm, ganz viel Zeug ... ohne Atempause dazwischen und in dem ständigen Gefühl, immer noch nicht genug zu tun. Ständig in Bewegung, kein Innehalten, keine Atempause, kein Verweilen im Augenblick um einfach nur zu Sein und immer darauf bedacht für die Zukunft zu denken. Sich im Hinblick darauf zu bewegen, danach zu handeln, mit einem bestimmten Ziel vor Augen. Vorsorglich. Vorausschauend ... und meist mit der Angst im Nacken, trotz aller Sorgfalt möglicherweise etwas zu übersehen, oder einen Fehler zu machen. Und mit dem ständigen, unguten Begleiter, doch nie das "Richtige" zu tun. Das trifft auf einen selbst ebenso zu, wie auf das Elternsein generell, wo nichts wichtiger zu sein scheint, als dem kleinen Menschen "etwas zu bieten".
Muss das sein? Braucht es das? Ist es wirklich so, dass wir dadurch glücklicher und die kleinen Menschen zufriedener werden? Sind wir nur dann - wenn wir in diesem selbst erschaffenen Hamsterrad laufen - gute Eltern? Werden die kleinen Menschen nur dann glücklich sein und sich gut weiterentwickeln?
In der Geschichte von Janosch über den kleinen Bären und den kleinen Tiger, in der sie in die Ferne reisen wollen um ihr Glück zu finden und reich zu werden ("oh wie schön ist Panama") könnte es nicht treffender auf den Punkt gebracht werden. Diese Idee von der Ferne und vom Glück, welches man angeblich nur dort finden kann. Aber am Ende der Geschichte müssen der kleine Bär und der kleine Tiger erkennen, dass sich das Glück nicht in der Ferne finden lässt, sondern nur in sich selbst. Und das es nicht darum geht irgendetwas nachzulaufen, sondern im Endeffekt nur ums Sein.
Elternsein ist heute so oft von dem ...

Diener und König

Wenn die Eltern-Kind-Beziehung ins Ungleichgewicht gerät, dann hat das meistens ganz "einfache" Gründe. Wie zum Beispiel den Umstand, dass der kleine Mensch auf einen Thron gehoben wird, den es eigentlich nicht gibt. Nicht in einem (erstrebens- und wünschenswerten) achtsamen, gleichwertigen Miteinander. Denn wo wir landen, wenn jeder von Klein auf gewohnt ist auf einem Thron zu sitzen und von allen Seiten bedient zu werden, kann sich jeder wahrscheinlich recht gut vorstellen.
Der kleine Mensch ist das "WICHTIGSTE" ...
Nein, dem Satz kann ich so nicht zustimmen. Er erzeugt ein ungutes Gefühl in mir. Eines, dass sich absolut nicht stimmig anfühlt. Ja, kleine Menschen sind wichtig. Aber nicht das Wichtigste ... oder sollten es nicht sein ... denn mit dieser Einstellung rutscht man schon ganz leicht ins Ungleichgewicht und somit in die Dienerrolle ... Und ja zwischen "wichtig" und "WICHTIGSTE" besteht ein Unterschied ... ein enormer Unterschied, wenn man genau darüber nachdenkt. Denn um in einem für alle angenehmen, achtsamen Miteinander leben zu können, müssen alle "wichtig" sein und Beachtung finden. Wird aber einer zum "WICHTIGSTEN" erklärt, werden (in dem Fall meist) die eigenen Bedürfnisse schon nicht mehr so wichtig genommen. Und damit ruscht man ganz schnell aus dem Gleichgewicht.
Schleiche ich ständig ...

(Be)Handlungsbedarf?

Muss das eigentlich sein? Dieses stetige und beständige Zerpflücken des kindlichen Seins, der Entwicklung und Entfaltung des kleinen Menschen und dahingehend der ständige Bezug auf irgendwelche Maßstäbe und Richtlinien, welche uns zeigen sollen wie "es" (angeblich) richtig ist. Wie Entwicklung ablaufen "sollte".
Muss das eigentlich sein? Der damit einhergehende Druck, der zunächst auf den Schultern der Eltern lastet. Die Hoffnung einerseits, dass sich der kleine Mensch maßstabsgetreu entwickelt, die Erleichterung (wenn vielleicht auch unbewusst) darüber, wenn "alles" passt. Die Angst andererseits, wenn "etwas" nicht passt. Wenn sich der kleine Mensch im eigenen Tempo entfaltet und vielleicht etwas "langsamer" ist in einigen Bereichen als es die Tabellen und Richtlinien vorsehen ...
Was sein darf ... und was nicht
Was wäre, wenn all diese Maßstäbe und Richtlinien ...

Lass mich selbst machen II

Die Bewegungsentwicklung der kleinen Menschen ist irgendwie ein Stiefkind. Vor allem, wenn es darum geht, dass sie selbstbestimmt und ohne eingreifenden, forcierenden, beurteilenden, ... Einfluss von außen stattfindet. Meistens findet sie keine Beachtung. Zumindest nicht jene die ihr eigentlich zustehen müsste. Denn auch im Bewegen und dem Erfahren von Bewegung und der vielfältigen Möglichkeiten, die wir mit unserem Körper haben, brauchen wir den Freiraum unserer inneren Stimme und den eigenen Bedürfnissen folgen zu können. Ohne Einfluss von außen. Ohne Druck, ohne Forcierung oder Beurteilung, aber auch ohne Einschränkung. Ohne dem typischen "Pass auf sonst tust du dir weh" und all den anderen Standardsätzen, die in der Begleitung von kleinen Menschen so gerne verwendet werden.
... aber es macht doch Spaß ...
Ich habe noch nie verstanden warum es nötig sein soll ein kleines Neugeborenes auf den Bauch zu legen. Es sei denn, es liegt Bauch an Bauch mit einem anderen Menschen und wird gehalten. Oder warum man Babys an den Händen in die sitzende Position hochziehen und sie später dann an den Händen durch die Gegend zu führen, um ihnen das Gehen zu ermöglichen.
Ich habe noch nie verstanden, warum Babys in sitzende Positionen gebracht werden (mit allen möglichen Hilfsmitteln) bevor sie selbst und frei sitzen können oder warum gerade auf Spielplätzen Babys und Kleinkinder überall hoch und hinauf gehoben werden, nur damit sie auch "oben" sind oder rutschen oder schaukeln können ...
Es mag auf den ersten Blick extrem erscheinen, diese

Lass mich selbst machen

Interessant ist ja, dass gerade in unserer Gesellschaft der Blick aufs große Ganze so oft fehlt und in so vielen Bereichen der kindlichen Entwicklung davon ausgegangen wird, dass etwas zuerst nicht da ist und dann ab Alter sowieso plötzlich vorhanden sein muss. So, von heute auf morgen und ohne Vorbereitungsphase. Wie soll das gehen? Nichts taucht in der Natur einfach so auf - es gibt immer den Prozess des Aufkeimens und Wachsen. Warum sollte es da beim Menschen anders sein? Warum gerade hier diese "kann es noch nicht/muss es können" Schere die absolut keinen Raum für Entfaltung lässt? Und zu guter Letzt noch von der Beurteilungs- und Schubladisierungskeule zugrunde gerichtet wird, so dass aus dem kleinen Menschen in dem alles vorhanden ist, eine Marionette wird, die in irgendeinen Vordruck unserer Gesellschaft passt.

Dabei ist doch alles da, von Anfang an ...
Freies Lernen, Entdecken, Erfahren, sich Entfalten beginnt nicht erst im Schulalter. Anders als der üblich forcierte Unterricht oder die gezielt gesetzte Förderung im Hinblick auf irgendein von außen gestecktes Lernziel, welches erreicht werden muss, ist das wirklich freie und selbstbestimmte Lernen und sich Entfalten etwas, was immer da ist. Vom Augenblick der Geburt an (wenn nicht schon davor, im Mutterleib, schließlich erfahren Babys auch dort schon ihr Sein - anders natürlich als später, aber doch auch), in dem das Streben nach Selbstständigkeit seinen Anfang nimmt. Alles in

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