"Aber ich handle doch stets ..."

"Ich bemühe mich doch immer friedlich und freundlich zu bleiben. Ich schimpfe nie, bestrafe nicht, .... Ich habe immer alle Bedürfnisse erfüllt, war immer da, hab immer versucht mich nach den Bedürfnissen zu richten. Ich bleibe immer verständnisvoll.  Ich bitte nur darum, aufzuhören, wenn etwas nicht passt oder erkläre und dennoch ... Dennoch ist bisher scheinbar nichts davon bei unserem Kind angekommen. Dennoch ist es wild und ungestüm, haut, schreit, tobt, überschreitet Grenzen anderer ... Und ich dachte immer, wenn ich all das vorlebe, wenn ich nur liebevoll und achtsam genug bin ....".

Was läuft da schief? Läuft überhaupt etwas schief?
Ist es nur eine Phase? Charakter? Eigenschaften mit denen wir einfach umzugehen lernen müssen?
Eines vorweg: es gibt diese Phasen in der Entwicklung. Phasen, wo kleine Menschen ausprobieren was geht, wo sie oft nicht in ihrer Mitte sind, wo sie uns, unser Dasein und unsere Rückmeldungen so dringend brauchen. Phasen, die herausfordernd und anstrengend sind und wo wir reden und reden und reden und innerlich seufzen und wieder reden und reden und zu verstehen versuchen und manchmal mit unseren Weisheiten am Ende sind. Es gibt diese Phasen, wo wir das Gefühl haben, ständig irgendwie dazwischen zu stehen oder hinten nach zu sein ....
Aber worüber ich heute schreibe, sind keine zur Entwicklung gehörigen Phasen, sondern Verhaltensweisen, die kleine Menschen in erster Linie dann zeigen, wenn etwas gehörig aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn sie...

keinen Anhaltspunkt mehr finden und somit auch keine Sicherheit mehr, und wenn wir, als Erwachsene nicht mehr greifbar sind für sie.

Hilferuf
Das mit der Entwicklung und den Bedürfnissen und all den Ideen, die darum herum gesponnen werden, ist gelegentlich ziemlich komplex. Und das, was wir heute so gerne übersehen in der Begleitung kleiner Menschen, ist auf der einen Seite unser eigener Part, den wir darin einnehmen, die Rolle, die wir im Leben des kleinen Menschen spielen und auf der anderen Seite (oft und gerne), sind es die eigentlichen Bedürfnisse des kleinen Menschen.
Ich hab hier ja erst kürzlich darüber geschrieben. Über Wunsch und Bedürfnis und die Frage, wie das eigentlich ist. 
Und eigentlich sollten wir in einer Zeit in der Bedürfnisorientierung und Achtsamkeit und Wertschätzung und Bindung so groß geschrieben werden davon ausgehen, dass da gar nichts mehr schief laufen kann, wenn Eltern sich daran orientieren. Und dennoch ....
Dennoch erleben wir, dass es doch nicht immer so rund läuft. Dennoch erleben wir kleine Menschen, die uns durch ihr Verhalten ganz deutlich zeigen, dass etwas nicht stimmt. Eine Art Hilfeschrei. Der Aufruf an uns Erwachsene und hier in erster Linie an die Eltern, einen Augenblick inne zu halten ....

Zwei Seiten ...
Es gibt nicht nur die eine Seite. Die, auf die wir als Eltern oder Erwachsene so gerne schauen. Die Seite des Kindes. Die, wo wir uns fragen was wir falsch gemacht haben oder noch tun oder anders tun müssen. Die Seite, wo wir den kleinen Menschen ins Zentrum alles Geschehens rücken und darauf vergessen, unsere eigenen Grenzen zu wahren oder unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen.
Wenn also kleine Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg Verhaltensweisen zeigen, die weniger mit Entwicklung, als vielmehr mit Unstimmigkeiten in Verbindung gebracht werden können. Dann müssen wir bei uns selbst beginnen. Mit den Fragen und der Suche nach Antworten. In uns selbst.ä
Es mag schon sein, dass wir im Außen ganz wunderbar liebevoll und achtsam sind, ganz freundlich und friedlich ...aber sind wir es auch im Innen? Entspricht unsere Haltung im Außen, jener in unserem Innen? Oder überhaupt unserer Individualität? Machen wir uns selbst etwas vor? Verstecken wir uns und unsere Gefühle?
Spielen wir eine Rolle, die unserem individuellen Sein nicht entspricht? Sagen wir Dinge, die wir nicht meinen?

Haltung ...
Gerade durch die enge Bindung, die kleine Menschen zu ihren Eltern haben. Gerade durch die Nähe und das beständige Beisammensein, kooperieren sie mit unseren Gefühlen, spiegeln sie oder zeigen eben, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt.
Und gerade wenn wir so dringend und unbedingt liebevoll und achtsam sein wollen gelingt uns das selten - zumindest nicht im Innen. Wenn wir so unbedingt lieb und freundlich sein wollen, setzt uns das nicht selten unter Druck und lässt uns unsere eigenen Grenzen überschreiten. Da geht es zuerst einmal gar nicht um den kleinen Menschen. Sondern ausschließlich um uns selbst. Um unsere Authentizität ... oder eben auch fehlende Authentizität.

Wenn wir uns also Gedanken über das Verhalten kleiner Menschen machen, wenn wir nicht verstehen, warum und wieso ... dürfen wir nicht bei ihnen beginnen. Sondern müssen das Blatt wenden und den Blickwinkel verändern um verstehen zu können ....

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