Wie schafft ihr das?

Das mit dem Mithelfen im Haushalt? Im Alltag? Das ihr nicht alles alleine Tun müsst. 
Ein ziemlich rotes Tuch in ganz vielen Familien. Und so oft Hauptgrund für Spannungen und Streitigkeiten. 
Aber muss das sein? 
Wann beginnt denn diese Mithilfe im Haushalt eigentlich? Was kann man verlangen? Und mehr noch, wie?
Wie bringen wir diese kleinen "Mitbewohner" dazu, mit anzupacken?


Zunächst einmal: 
Mithilfe beginnt lange bevor wir überhaupt daran denken, dass mitgeholfen werden könnte. In einem Alter, wo alles spannend ist und sich das gesamte Tun noch auf das Imitieren und Kopieren der Größeren ausrichtet.
Gerade ein ...

Jahr ist sie alt geworden, unsere Jüngste und am liebsten überall voll mit dabei. Mit Vorliebe beim Ein- und Ausräumen und seit ein paar Tagen vor allem beim Wäsche aufhängen und wegräumen. Sie nimmt Socken und Unterhosen und verteilt sie in die Kästen, zieht die nasse Wäsche aus dem Korb und versucht sie auf den Wäscheständer zu legen .... Auch der Besen hat zusehends ihr Interesse geweckt und nicht zuletzt der Putzfetzen. Sie ist beschäftigt, konzentriert und augenscheinlich unendlich glücklich und zufrieden darüber, mit zu tun. Teil dieses geschäftigen Treibens zu sein. Und ja, natürlich ist das gelegentlich anstrengend, weil Wäsche (und manchmal auch andere Dinge) in Kästen und Laden landet, wo sie nicht hingehört oder weil nasse Wäsche wieder von der Leine genommen wird, weil der Besen irgendwann kreuz und quer liegt und der Putzfetzen bei den Schuhen.
Aber andererseits: ist es nicht genau das, was wir uns wünschen? Dieses Mithelfen? Ist es nicht genau das, was Miteinander ausmacht? Das gemeinsame TUN? Wo jeder seinen Teil dazu beiträgt - gleich wie klein oder groß der auch sein mag - dass sich alle wohl fühlen? 

Klitzekleine Gesten ...
Im Grunde geht es gar nicht um die Frage, wie wir kleine Menschen zur Mithilfe anregen können. Denn die Bereitschaft ist vorhanden. Von Beginn an. Sie ist Teil des Selbstständig werden wollens. Teil des Erfahren und Entdecken wollens. Und sie hört nicht etwa auf diese Bereitschaft, weil sie vorüberzieht, sondern weil sie nicht genährt wird.
Die Frage, die wir uns stellen dürfen ist: Was tun wir, damit diese Bereitschaft bestehen bleibt?
Das die Freude am Mithelfen oder die Selbstverständlichkeit, das zu tun erhalten bleibt. Denn selbstverständlich ist es im Grunde, wie wir bei den ganz Kleinen sehen, wenn sie voller Enthusiasmus und Freude mit dabei sind. Denn mithelfen ist nicht zuletzt Lernen, ist Verantwortung übernehmen und Ausprobieren. Mithelfen ist Begreifen, Erleben, Entdecken, Erfahren und nicht zuletzt, sich als Teil des Ganzen zu erleben.
Was also tun wir?
Ganz oft das genaue Gegenteil dessen, was eigentlich hilfreich und unterstützend wäre. Wir verhindern. Wir nehmen ganz selbstverständlich ab.
Lass das, ich mach schon. Komm gib her, das geht so nicht. Lass mich tun, dann geht es schneller.
Vielleicht nicht immer mit Worten, vielleicht nicht mit diesen Worten. Aber in unseren Handlungen. Denn häufig ist es doch so, dass wir ganz selbstverständlich TUN und gar nicht auf die Idee kommen, die Kleinen mittun zu lassen, gar nicht auf die Idee kommen ihnen diese Anregung zu bieten.
Wir greifen ein, wir nehmen ab, wir erfüllen all die großen und kleinen Tätigkeiten NEBEN den kleinen Menschen oder über sie hinweg. Wir verbiegen und verdrehen uns, schieben die Kleinen beiseite oder verfrachten sie in einen anderen Raum. Wir unterbinden ihre Mithilfe, wenn sie klein sind und ärgern uns in den Folgejahren darüber, dass sie nicht mithelfen. Ärgern uns darüber, dass alles liegen oder an uns hängen bleib wo sie doch schon alt genug wären. Tja, aber woher, wenn sie es nie gemacht haben?

WIR-GEFÜHL
Komm du kannst mir helfen. Du kannst schon mal den Tisch decken, dann gibt es gleich Essen. Du darfst die Karotten schneiden .... etc.
Anregungen und klare Botschaften. Und das vermittelte Gefühl, dass auch die Kleinsten wichtig sind, für das Funktionieren des Ganzen. Und nein, nicht künstlich erzeugt. Nicht a lá "du bekommst die Plastikteller und das Spielzeugmesse und die Holzkarotte und ich koch derweil neben dir mit den richtigen Sachen. Das fällt auf. Das ist nicht echt. Das macht keinen Spaß. Mithelfen heißt voll dabei sein. Heißt, für die kleinen, das zu Essen, was man selbst geschnitten hat. Das in den Kasten zu bringen, was man selbst zusammengelegt oder vielleicht sogar auf die Wäscheleine gehängt zu haben. Heißt das Geschirr abzuwaschen, von dem ich gegessen habe und gleichzeitig mit Schaum und Wasser und Schwämmen spielen zu können. Heißt Achtsamkeit zu lernen. Unserem Essen gegenüber. Unserem Zusammenleben ....

Mithelfen heißt für uns Erwachsene, wirklich eine Hilfe zu haben. Denn wenn die kleinen ihre zusammengelegte Wäsche selbst wegräumen, ist das ein Schritt weniger für uns. Wenn sie das Gemüse für die Suppe klein schneiden, ist das ein Arbeitsschritt weniger für uns und macht gleichzeitig unverhältnismäßig mehr Spaß miteinander in der Küche zu stehen. Mithilfe heißt, miteinander und voneinander lernen. Und - angepasst ans Alter - das zu tun, was möglich ist und was Freude bereitet.

Wenn ihr euch also die Frage stellt, wie kleine Menschen im Haushalt helfen (können) - dann lasst sie einfach tun. Lasst sie mithelfen. Gebt ihnen das Gefühl, dass sie mit ihrem Tun auch gebraucht werden und zeigt ihnen das auch. Mit euren Worten und euren Gesten.

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