so idyllisch

Idylle fühlt sich manchmal anders an. Es gibt sie zwar, die Momente der Idylle, diese Augenblicke der absoluten Ruhe und Friedlichkeit. Das Gefühl im Paradies zu leben. Den kleinen Menschen dabei zuzusehen, wie sie die Gegend unsicher machen, Gokart- und Radrennen veranstalten, beisammen sitzen und lesen oder zeichnen, spielen, lachen, Feuerwanzen und anderes Getier fangen und retten,...  Es gibt die Momente und Augenblicke, wo ich das Gefühl habe, alles unter einem Hut zu haben und nirgends hinten nach zu sein ... 
Aber es gibt eben auch die Momente, ... wo Idylle gefühlt so weit weg ist, wie nur irgendwie möglich und ich das Gefühl habe allem nur hinter her zu laufen. All den Bedürfnissen und Ideen, all dem Wollen und Sollen. Es gibt die Momente, wo ich das Gefühle habe im Chaos zu versinken und von einer Baustelle zur nächsten zu laufen ohne wirklich weiter zu kommen. Es gibt die Momente, wo ich weiß, dass Idylle immer nur das Ergebnis vieler, vieler Stunden Arbeit ist ... und beständigem "Dranbleiben", nicht aufgeben, Hürden und Herausforderungen meistern ...

Idealbild vs. Wirklichkeit


In der Abwasch stapelt sich das Geschirr, vor der Waschmaschine liegt die schmutzige Wäsche, an der Leine wartet die trockene, der Mailaccount ist voll, die Liste der Telefonate, die ich eigentlich führen sollte, wird immer länger, Absprachen und organisatorische Diskussionen mit dem lieben Mann zwischen Frühstücksgeschirr und dringenden Bedürfnissen der Kleinen, ... die Nerven manchmal zum Zerreißen gespannt, weil für nichts wirlich Ruhe bleibt, in all dem Trubel kein klarer Gedanken gefasst werden kann. Kaum hingesetzt zum Schreiben und Arbeiten, weil das Baby endlich schläft, steht wer anderer an meiner Seite und braucht mich, tut sich wer weh, wartet ein dringendes Kuschelbedürfnis oder die vom Mähwerk des Traktors erwischte Heuschrecke, die von der Mittleren "gerettet" werden möchte.
Kein klarer Gedanken, weil der Kopf einfach zu müde ist zum Denken, weil der Tag lang und die ihm vorangegangenen Nacht noch länger war ... Weil das Baby neben mir das Bücherregal leer räumt, sich in Küchenrolle einwickelt, die offene Türe ins Visier nimmt oder den Altpapierkübel durchkostet, ...
Telefongespräche führen, Wäsche aufhängen, Geschirr abwaschen, Essen kochen ... alles gleicht einem Spießrutenlauf bei dem es gilt das mittlerweile so unglaublich schnelle Baby möglichst weit weg von der "Gefahrenquelle" zu platzieren und dann möglichst schnell zu sein ... schneller als das Baby, was natürlich selten gelingt. Vor allem dann nicht, wenn es tatkräftig von der kleinen großen Schwester unterstützt wird.
12 Stunden gefühlt immer zu wenig Zeit. Gefühlt zu wenig, für all die Notwendigkeiten und Ideen, für die Wünsche und Träume und Bedürfnisse ...Gefühlt zu wenig Zeit für alles und trotzdem genau der richtige Weg, den wir nicht missen möchten. 
Was sich für viele im ersten Augenblick wie ein Spaziergang und das wunderbare Bad in reiner Harmonie und Idylle anhört, ist manchmal anstrengende, harte Arbeit die keine Ruhe gibt und lässt.
Ständig am Denken, ständig am Besprechen, ständig am Pläne schieben und organisieren und Computer teilen, Mailaccounts gleichzeitig offen, zwischen Tür und Angel zugeworfenen wichtige Nachrichten, ständig am Nachdenken und Diskutieren zwischen Kindergesprächen und -lachen, zwischen laufenden Unterbrechungen und gelegentlich das Gefühl nicht mehr weiter zu können, am Limit zu sein.

Herausforderungen
Von zuhause arbeiten, mittendrinnen in all dem Trubel, das Baby auf dem Schoß, die kleine große hinten am Rücken, die Tage als Familie miteinander verbringen, die kleinen Menschen zuhause, frei und selbstbestimmt lernend .... .... das eigene Wollen nach Verwirklichung all der Ideen präsent und doch so oft in der Warteschleife, die Zeit zu zweit auf wenige Augenblicke reduziert, von bleierner Müdigkeit geprägt und von lebenigen, quirligen kleinen Menschen unterbrochen ...
Es ist wunderbar, es ist großartig. Es ist das Leben, das wir wollten und welches wir leben. Es ist das Leben, das wir nicht missen wollen und das ich liebe und dennoch ...Dennoch kommen manchmal Zweifel. Dennoch ist die Frage noch dem WOFÜR und ob sich all das Tun, das viele Geben, das Aufgehen für eine Idee, ein Ziel, einen Traum wirklich lohnt, manchmal so unendlich drängend.
Dennoch ist das ZUVIEL manchmal greifbarer, als das wunderbar. Das ANSTRENGEND und zermürbend manchmal näher, als das großartig ... das Wir manchmal so unglaublich weit weg, weil der Alltag uns mitreißt ... und die Ideen manchmal viel schöner und bunter und leichter, als die reale Umsetzung. Dennoch ist das Leben manchmal zu lebendig, weil es den Ideen einen Strich durch die Rechnung macht uns herausfordert, prüft, ... ständig wieder von uns verlangt, zu reflektieren, nachzudenken, hineinzuspüren und zu fühlen, ob es wirklich der Weg ist, den wir gehen wollen.
Und dann?
Den Moment verstreichen lassen. Nehmen was kommt. Lernen in jedem noch so kleinen Augenblick. Sich Abends anschauen und staunen darüber, wo wir sind ... nach all den Jahren und die vielen kleinen Momente zählen, die es wert sind, jeden Tag wieder all die Herausforderungen zu meistern. Sich in den Arm nehmen und über die hundertstelsekunden zu zweit lachen ... während das Baby wieder einmal das Haus auf den Kopf stellt und die quirlige Lebendigkeit kreuz und quer im Bett friedlich schlummert ...

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