Nicht NICHTS

Alles unter einem HUT? Nein, nicht immer. Manchmal ist der Hut definitiv zu klein ... oder das, was darunter passen sollte, zu viel. Je nachdem, wie man es betrachtet Organisation ist alles - ja eh, aber was nützt die beste Organisation, wenn einem von den lieben, lebendigen, kleinen Wesen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird? Wenn man eigentlich alles perfekt durchdacht hat, aber die kleinen und etwas größeren "Zwischenfälle" einfach nicht einplant? Diese Zwischenfälle, die so viel Zeit kosten, dass die gesamte Organisation ins Wanken gerät und im Endeffekt für "die Katz´`" ist ... wie es so nett heißt?
Das verstreute Kakaopulver in der Küche, weil die Zweijährige kochen spielt, während ihre kleine Schwester darin herum krabbelt und ihren Teil am Chaos besteuert. Und während man putzt und bemüht ist den Status quo wieder zu erreichen, wartet das Essen immer noch darauf zubereitet zu werden, die Wäsche darauf aufgehängt zu werden, die Mails darauf beantwortet zu werden ... Aber dann ist da der Specht, dem man durchs Fenster zusehen kann und die Schnecke, der man beim Kriechen über die Glasscheibe zusieht. Da ist der Schiefer, der aus der Haut geholt werden und das soeben gebaute Zwergenhaus, das bestaunt werden möchte ... Da sind die Blasen im Sauerteig, über denen man den Tag vergessen und hochphilosophische Gespräche führen kann und die Gewitterwolken, denen man beim Wachsen zusehen muss, während man über Hagel und Sturm und Wolken und Blitz und Donner spricht ... und ehe man sich´s versieht, gibt es an allen Ecken und Enden Aufgaben/Arbeiten/Notwendigkeiten, die "hier bin ich" schreien. Und man wird - rein oberflächlich betrachtet - das dumpfe Gefühl nicht los, ständig nichts zu tun.
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Eigentlich ...
Eigentlich wollte ich keine Muttertagsbeitrag machen. Und jetzt ist es doch einer geworden. Weil es gerade so perfekt passt HEUTE. Denn heute war genau so ein Tag. Einer, an dem der Wurm drinnen war (um noch eine Metapher zu bedienen). Von früh bis spät hatte ich das Gefühl hinten nach zu sein ... mit all den Dingen, die erledigt werden sollten/wollten ... Was auch immer. Ständig kamen neue Dinge hinzu. Und - um dem Ganzen noch ein wenig Würze zu geben - möchte die Jüngste derzeit ausschließlich getragen werden. Von mir natürlich. Aber nicht in der Trage oder im Tuch, denn da sieht man zu wenig. Nicht am Rücken und nicht vorne sondern im Hüftsitz. Wäre ja ebenfalls praktisch mit Tragetuch. Nur das dieses unendlich neugierige Wesen sich da ständig kopfüber nach vorne stürzt um alles ganz genau betrachten und begreifen zu können. Dann doch lieber ohne Tuch und so, dass ich sie bei Bedarf jederzeit kurz mal absetzen kann ... unter Protest versteht sich.
Wie auch immer ... es sind diese Tage, die Geduld lehren. Entschleunigung ... könnte man es auch nennen. Einmal tief durchatmen und kuscheln. Von der Zweijährigen während dem Stillen eine Rückenmassage bekommen, vom Sohnemann einen Blumenstrauß, .... Und nach dem Mittagessen Tanzen statt Abwaschen. Ruhepol bleiben, die eigenen Grenzen spüren. Es macht keinen Sinn die Wäsche schön auf der Leine zu wissen, wenn die eigenen Laune, dann ebenfalls im Keller ist ...

Das ist nicht NICHTs.
Wenn ich abends überall dahin blicke, wo Arbeiten unerledigt liegen geblieben sind, dann müsste ich wohl behaupten, NICHTs oder nicht wirklich etwas gemacht zu haben. Aber diese Arbeiten können warten. Bedürfnisse können nicht warten. Sie verschwinden nicht einfach so, nur weil sie nicht gehört werden. Und wann, wenn nicht jetzt, soll ich zuhören? Wann, wenn nicht jetzt soll ich hinschauen und mir die Zeit nehmen. Es ist nicht nichts, was wir hier tun. Wir, die wir uns bewusst dazu entschieden haben, kleine Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Wir sind einfach da. Mit offenen Ohren und Augen und Armen, um dieses schlichte und einfache SEIN, dieses fortwährende Staunen und Begreifen und Entdecken und Singen und Reden und Lachen und Schreien und Weinen, ... zu begleiten. Und es ist so viel, was wir dafür bekommen, von den kleinen Menschen. Wenn wir bereit dazu sind, es auch zu erkennen ...

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