Jenseits von Gut und Böse

Von Richtig und Falsch.
Einfach mal bei sich selbst bleiben und bei dem eigenen SEIN.
Gestern war es wieder einmal soweit. Ich befand mich an dem Punkt, wo ich entscheiden konnte, ob ich mich auf eine Diskussion einlassen oder das Gesagte (bzw. die Behauptung) einfach ignorieren sollte. Ich entschied mich - zum ersten Mal seit langer Zeit - fürs erste. Vielleicht, weil ich es satt hatte, ständig diese Pauschalisierungen und Moralpredigten zu hören. Vielleicht aber auch, weil mir gerade in den letzten Wochen dieses vorherrschende Gegeneinander, dieses gut und schlecht, richtig und falsch, schwarz und weiß in unserer Gesellschaft so deutlich bewusst wurde. Was auch immer der Grund dafür war, dass ich mich nicht mehr zurück halten wollte und meinen "Senf" dazu geben musste, es war ein wichtiges und wertvolles Gespräch, was sich daraus entwickelt hat. Denn es war ein Gespräch, welches - anders als so viele - auf der sachlichen Ebene stattgefunden und mich zu folgendem Blogbeitrag geführt hat.

Es ist so leicht gegen etwas zu sein. Es ist so leicht, die eigene Meinung als die "RICHTIGE" zu erachten. Es ist so leicht, Dinge schlecht zu reden, abzuwerten, gegeneinander zu kämpfen und zu urteilen. Haben wir schließlich von den ersten Lebensjahren an gelernt. Das GEGENEINANDER. Und dürfen es täglich wieder beobachten in unserer Gesellschaft. Dieses Gegeneinander. Wer stellt das schon in Frage. Wettbewerb, Bewertungen, Leistung, ... wo kämen wir da denn hin, wenn es all das nicht mehr geben würde. Wenn die Schubladen, Maßstäbe und Richtlinien plötzlich nicht mehr vorhanden wären.
Aber es bringt uns nicht weiter. Nicht im Miteinander, nicht im Elternsein und vor allem dann nicht, wenn man andere Menschen erreichen, ihre Gedanken kennenlernen und ihr Sein verstehen möchte.


Bevor ich Mama wurde ...


hatte ich viele Ideen in Bezug aufs Elternsein. Und manche davon waren ganz okay, weil sie die Basis, für das, was dann im wirklichen Mamasein entstanden ist waren. Aber gleichzeitig gab es da auch viele Idee, die keinerlei Bezug zum eigentlichen Leben als Mama hatten. Es waren schlicht und einfach Ideen. Gewachsen auf dem Mist von irgendwelchen Theorien, die mich glauben ließen, dass "man" es einfach nur "richtig" machen müsste. Und es waren Ideen, die in unserer Gesellschaft ... unserem Miteinander als Menschen so gerne und allzu leicht aus dem Boden sprießen, das Miteinander aber eigentlich nicht erleichtern. Denn nicht nur, dass wir uns selbst mit diesen Ideen das Leben schwer machen und uns mitunter damit auch blockieren, nein, wir tendieren dadurch ganz leicht in Richtung WERTUNG und BEURTEILUNG, in Richtung Pauschalisierung und im Endeffekt Moralisierung.
Ich kann mich noch gut an die Momente erinnern, bevor ich Mama wurde, in denen ich Eltern mit ihren Kindern beboachtetet und so oft meinte, dass ich dieses oder jenes später einmal viel besser machen würde. Und dass mir dieses oder jenes sicherlich nie passieren würde. Ich kann mich erinnern an die Momente, wo ich - jetzt im Nachhinein betrachtet - ziemlich überheblich war in meinen Gedanken und andere Menschen eigentlich recht vorschnell verurteilt bzw. auch beurteilt, ihr Tun bewertet habe. Bloß, weil ich einige Bücher gelesen, Ausbildungen gemacht und einiges an theoretischem Wissen angesammelt hatte.
Aber so einfach ist es nicht. Theorie ist immer das eine - basierend auf Tatsachen mitunter, keine Frage - Praxis das andere. Das lebendige. Das, was sich nicht pauschalisieren lässt, weil das Leben eben nicht pauschalisierbar ist.

Im Grunde hat mich mein Mamasein gelehrt demütig zu werden. Achtsamer im Umgang mit anderen Menschen. Bedacht darauf, eben keine vorschnellen Urteile zu fällen, die Moralkeule zu schwingen oder ein Richtig und Falsch zu erschaffen. Ich habe gelernt, dass es kein "SO IST ES" gibt, sondern ausschließlich Individualität und Lebendigkeit, mit ganz vielen Aspekten und Farben und dass ich nicht bei anderen beginnen kann, sondern nur bei mir selbst. In jedem einzelnen Augenblick.

Ich habe keine Ahnung ob das der Weg ist, der zu einem wirklichen Miteinander führt. Aber ohne es auszuprobieren. Ohne den Versuch zu unternehmen, werde ich es nicht herausfinden. Und ohne mich ab und an auch auf sachliche Diskussionen einzulassen, wird es wohl ebenfalls nicht gehen. :-)

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