Kann´s so einfach sein?

So ganz ohne Windel? Dieses Abhalten, wann immer ein Bedürfnis auftaucht oder es vom Gefühl her passt?
Es ist ja nichts Neues - eigentlich. Nicht für uns. Und trotzdem. Trotzdem immer wieder faszinierend. In diesen Momenten, wo so überdeutlich klar wird, dass es sich hier nicht um irgendwelche Zufälle handelt. Sondern der Impuls ganz klar vom Baby ausgeht. Das einfach unruhig wird und auf sich aufmerksam macht, durch Geräusche oder Jammern oder Zappeln oder diesen bestimmten Blick, diese eine Grimasse .... Weil die Blase voll ist oder der Darm drückt oder auch, weil die beim Stillen mitgeschluckte Luft im Bauch zwickt und nach draußen will oder schlicht und einfach deshalb, weil das was ist gerade nicht passt ....

So einfach ist das
Ich habe lange gezögert, ob ich so einen Windelfrei-Beitrag überhaupt schreiben soll. "Schon wieder" ein Windelfrei-Beitrag? Wird das nicht langsam langweilig? Denn eigentlich lässt sich bei diesem Thema nicht viel Neues hinzufügen. Es ist einfach, wie es ist. Und auch das Rundherum lässt sich nicht ewig thematisieren und beschreiben und ausschmücken. Dieses Abschalten vom Kopf und auf das Gefühl hören. Dieses einfach tun und sich über mögliche nasse Hosen nicht den Kopf zerbrechen .... Gut, vielleicht ist das nur mein Eindruck und vielleicht liegt das auch daran, dass dieses Windelfrei-Thema für uns wirklich schon so normal und alltäglich und selbstverständlich ist. So selbstverständlich, dass es eben kein Thema mehr ist und Abhalten und Lulu/Kacka im Töpfchen vollkommen normal ist.

Aber dann wollte ich etwas schreiben. Etwas, was ...

Lust macht. Lust es einfach mal auszuprobieren. Das Eingehen aufs Ausscheidungsbedürfnis und das Abhalten. Dieses ohne Windel sein, selbst dann, wenn ab und an trotzdem noch Windeln verwendet werden. Zwecks der Sicherheit (was ich durchaus nachvollziehen kann). Ich wollte etwas schreiben, was Mut macht. Etwas was all jenen Eltern hilft, die sich gerade in einer dieser Phasen befinden, wo man glaubt keine Energie mehr zu haben für eine weitere nasse Hose. Oder  wo man überzeugt davon ist "es" - die Kommunikation mit dem Baby nicht geschafft zu haben, weil irgendwie gar nichts mehr geht.
Denn letzten Endes braucht es manchmal nur den Blick von einer anderen Perspektive, um zu erkennen, das alles halb so wild ist. Manchmal braucht es nur das Wissen, das "es" - die gelegentlichen Pannen und nassen Hosen, das "nicht wollen vom älteren Baby" oder auch das eigene Gefühl nichts anderes mehr zu tun als zu stillen und abzuhalten oder zu wischen - eigentlich ganz normal ist und auch irgendwie dazu gehört, zur Windelfreiheit. Und manchmal braucht es einfach auch nur das Hören und Sehen, wie es anderen ergeht.
Ich kenne sie alle, diese Phasen. Gerade von unserer Ältesten mit der wir damals zum ersten Mal eingetaucht sind in die Windelfreiheit und das Abhalten und wo es immer wieder Momente gab, in denen wir kurz davor waren doch mal Windeln zu verwenden. Und das eigentlich nur, weil da niemand war, der uns gesagt hätte, dass es normal ist, wenns öfters Mal daneben geht und weil wir davon überzeugt waren, dass es diese nassen Hosen ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nicht mehr geben dürfte. (Es darf sie geben!)
Sechs Babys und 13 Jahre später, ist all das kein Thema mehr. Mitunter ist das Eingehen aufs Ausscheidungsbedürfnis und Abhalten erschreckend einfach geworden. Da ist nichts mehr, was uns aus der Ruhe bringen kann. Nichts mehr, was uns Kopfzerbrechen bereiten würde. Nicht einmal der Umstand, dass wir zum ersten Mal ein Baby haben, welches Abhalten in der Nacht (Dunkelheit?) noch unangenehm empfindet und deshalb auf ein kleines Stofftuch ausgescheidet. Diese Tücher werden in der Früh ausgewachsen und dann aufgehängt und das Bett habe ich bisher noch mit einer Zusatzschicht Handtuch ausgelegt. Alles halb so wild. (Und nein, das Bett ist in der Früh nicht komplett durchweicht und nass - genau genommen ist da gar nichts auch nur ansatzweise feucht, sondern interessanterweise macht dieses kleine Wesen mehrmals nur ein paar Tropferln nach dem Stillen - so wenig eigentlich, dass ich gelegentlich dreimal greifen muss um zu erkennen, dass es wirklich nass ist. Die große Menge kommt dann in der Früh, nach dem Aufstehen, drei oder viermal hintereinander ins Töpfchen ...)
Und unterwegs?
Gut zugegeben, für unseren ersten etwas längeren Ausflug ohne Auto in der Nähe und alleine mit allen Kleinen unterwegs habe ich mehr eingepackt als nötig. Vielmehr. Und mich im Nachhinein darüber geärgert. Denn gebraucht habe ich davon nichts. Dafür den halben Tag lang herum geschleppt. Andererseits habe ich die Erfarhung gemacht, dass ich gerade dann nichts brauche, wenn ich genug mit habe.
Es gibt eben das Packerl Sicherheitshosen in meiner Tasche und sollte es wirklich mal daneben gehen - was durchaus auch vorkommt - dann wird die Hose eben gewechselt. Andere Eltern gehen wickeln. Wir halten übers Töpfchen - was mit so einem kleinen Kübelchen eigentlich überall und sehr dezent machbar ist oder wechseln die Hose, wenn sie mal nass geworden ist.

Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die all das soeben Beschriebene, als viel zu umständlich empfinden und davon überzeugt sind, dass Windeln wesentlich praktischer sind. Und das darf auch so sein. Windelfrei bzw. die Idee auf das Ausscheidungsbedürfnis des Babys von Beginn an einzugehen und bei Bedarf einfach abzuhalten ist eben kein Dogma. Es ist eben nicht der einzig richtige Weg. Weil es letzten Endes Beziehung und Kommunikation ist und sich alle damit wohl fühlen müssen.
Aber es ist ein sehr schöner Weg. Einer, von dem es leider viel zu viele "Märchen" und Mythen und Ideen gibt mittlerweile. Und einer, von dem ganz viele glauben, dass es da einen Maßstab geben würde, was richtig und was falsch ist. Und Zeiten, an die man sich halten müsste oder Dinge, die man erkennen müsste bevor man überhaupt anfangen kann. Es ist ein Weg, der leider allzu oft schon zu einem Konzept gemacht worden ist, zu einer Methode, für die man nicht nur etliches Beachten sondern noch viel mehr Kaufen müsste. 
Und einer, von dem man viel zu selten hört, dass er eben kein Konezpt ist und weder Ziel noch Maßstab kennt, dass er sehr individuell ist und mit den einfachsten Mitteln auskommt. Mit Mitteln, die alle zuhause haben und dass das Wichtigste für diesen Weg eigentlich jeder in sich trägt (oder tragen würde - wenn wir den Mut dazu haben). Das Vertrauen in uns selbst und unser Baby.

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Kommentare   

+1 #3 Janina von Leonina 2017-11-20 20:04
Liebe Lini,

Ich stimme dir absolut zu, dass es keine feste Methode ist und ganz individuell gehandhabt wird. Und dass Windelfrei gerade dadurch ausgezeichnet ist, dass man frei von Windeln und Zubehör bleiben kann, wenn man möchte. Das sind absolute Vorteile von Windelfrei!
danke für den Bericht!
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+1 #2 virg 2017-11-17 09:10
Toller Bericht, danke dafür :-)
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+1 #1 Julz 2017-11-17 07:43
Hallo,
Sehr schön, das so zu lesen.
Wir sind hier auch windelfrei und sehr zufrieden damit.
Nur wenn ich mit anderen darüber rede, kommt so oft diese Konzeptidee vor, die Frage in welchem Minutentakt wir den abhalten würden etc, dass ich mir gar nicht mehr sicher bin, ob wir jetzt über unsere Babys oder kleine Programme reden.
Vielen Dank für den Artikel. Es ist schön von anderen zu lesen, die das Leben mit Kindern lockerer nehmen.
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