Zahlt sich das aus?

All diese kleinen Lügen der Bequemlichkeit halber? Um selbst fein raus zu sein?
Um sich nur ja nicht auf irgendwelche Diskussionen einlassen zu müssen oder Wut und Ärger des kleinen Menschen auf sich zu ziehen. Um mehr oder weniger (fast) nichts mit der Sache zu tun zu haben?

Ich bin immer wieder überrascht mit welcher Frechheit (ja, ein anderes Wort fällt mir hier nicht ein) Eltern oder auch andere Erwachsene die kleinen Menschen für "dumm" verkaufen und ihnen schamlos Lügen auftischen, die nichts, aber auch rein gar nichts mit der Realität zu tun haben. Aus verschiedenen Gründen. Und ja, diese Gründe sind durchaus nachvollziehbar, wenn man einmal davon absieht, was diese Lügen mit den kleinen Menschen machen. Nachvollziehbar, weil Ehrlichkeit und das Übernehmen von Verantwortung mitunter auch bedeuten können, dass man Wut und Ärger des kleinen Menschen auf sich zieht. Und weil es herausfordernd sein kann (viel herausfordernder als einfach eine kleine Lüge aufzutischen) sich die Zeit für ein langes, intensives Gespräch zu nehmen.
Aber zahlen sich diese Lügen wirklich aus? Sind sie es wirklich wert?
Dem kleinen Menschen einfach so ins Gesicht zu lügen? Sein Vertrauen ebenso auszunutzen, wie seinen Glauben an uns, nur um es "leichter" zu haben und ...

gewisse Emotionen zu umschiffen? Um sich (vermeintlich) elegant aus der Affäre zu ziehen? Nur der Übermittler gewisser Botschaften zu sein, statt der eigentliche Botschafter? Ohne daran zu denken, dass Lügen unbewusst immer wahrgenommen werden? Ohne daran zu denken, was in einigen Jahren geschehen wird, wenn Aussagen nicht mehr einfach so hingenommen, sondern durchaus auch hinterfragt werden. Und wenn der kleine Mensch schon gelernt hat uns ebenso anzulügen - weil es doch so gemacht wird? Zahlen sich diese kleinen Lügen wirklich aus in Anbetracht der Tatsache, welchen Eindruck und welches Bild vom Miteinander sie in dem kleinen Menschen hinterlassen.
Ist doch nicht so schlimm, nicht so wichtig, ... das macht doch nichts, das vergessen sie schon wieder ...
Derartige Aussagen bekomme ich immer wieder zu hören und jedes Mal wieder schockieren sie mich in ganz eigenartiger Art und Weise. Diese offen zu Schau getragene Abwertung des kleinen Menschen, als einen Teil des Miteinanders den man durchaus auch mal anlügen kann und wo man es mit der Ehrlichkeit nicht so genau nehmen muss. Der "eh noch nichts mitbekommt" von all dem ... um es mal so auszudrücken.
Für mich ist das schlimm. Dieses sich Winden und Verdrehen der großen Menschen, dieses Abwerten des kleinen Menschen und dieses scheinbar ganz legitime Lügen auftischen.
Denn zum Grundgerüst eines jeden Miteinanders gehört die Ehrlichkeit mit der wir uns begegnen und der damit einhergehende Mut auch die - vielleicht nicht ganz so bequemen - Dinge anzusprechen und auszusprechen. Gleich wie groß oder klein der Mensch ist, dem wir begegnen und dem wir in die Augen schauen.
Und ist es nicht genau das, was wir im Gegenzug von dem kleinen Menschen erwarten?
Das er immer ehrlich ist zu uns? Dass er uns vertraut und uns erzählt, was ihn beschäftigt. Dass er uns lieber die Wahrheit sagt, als uns schamlos anzulügen. Aber dafür braucht es auch von unserer Seite Ehrlichkeit.
Denn es sind keine Heinzelmännchen, die sich ein aufgeräumtes Zimmer wünschen. Es ist keine Fee, die darauf wartet dass der kleine Mensch endlich seine Schnuller, Nuckelflaschen oder Sonstiges aufgibt, sondern die Erwachsenen, die - aus verschiedenen Gründen an dem Glauben festhalten, dass der kleine Mensch schon zu groß dafür sei und es aus diesem Grund aufgeben müsste (ebenso fragwürdig in meinen Augen). Regen kommt nicht, weil das Mittagessen stehen bleibt, sondern weil die Wetterlage dementsprechend ist und Donnergrollen ist nicht Ausdruck vom Ärger des "lieben Gottes" sondern der Nachhall vom Blitz. Krampus, Nikolo, Christkind und Konsorten werden nicht ärgerlich, wenn der kleine Mensch sich weigert gewisse Dinge zu tun und es gibt keine Regel dafür, dass kleine Menschen nicht im Bus (oder sonst wo) mitfahren dürfen, wenn sie weinen oder sich ärgern.
Nein, es sind die Erwachsenen, die gewisse Dinge von dem kleinen Menschen erwarten, die mit gewissen Situationen nur schwer klarkommen und die - leider immer noch häufig - versuchen sich durch Lügen und Lügengeschichten aus der Verantwortung zu ziehen.
Aber wenn ich möchte, dass das Zimmer aufgeräumt ist und wenn ich mich darüber ärgere, dass das Mittagessen wieder einmal stehen bleibt, wenn es mir unangenehm ist, dass gewisse Regeln des Miteinanders wieder einmal nicht eingehalten wurden oder es mir unangenehm ist, dass der kleine Mensch in der Öffentlichkeit seinen Unmut zum Ausdruck bringt, dann sind das meine Wünsche, Erwartungen und Gefühle. Und dann ist es meine Aufgabe, mit dem kleinen Menschen darüber zu sprechen und einen Weg zu finden.
Denn letzten Endes dürfen wir davon ausgehen, dass wir als Vorbilder der Kleinen, nur so viel von ihnen erwarten dürfen, wie wir bereit sind ihnen entgegen zu bringen. Sprich, wenn wir schon nicht ehrlich und offen mit ihnen umgehen, ist es kein Wunder, wenn sie sich auf der Schwelle ihres Größer werdens dazu entscheiden, ebenso unehrlich zu uns zu sein und die Wahrheit immer etwas zu verzerren ...

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Kommentare   

0 #1 Heidi Pühringer 2017-10-04 18:08
Hallo Lini, tun gut deine Worte,
es macht Hoffnung dass sich die Mühe eines Tages lohnen wird, auch wenn ich es gefühlsmäßig nur auf die ehrliche Weise könnte, weil es sich eben richtig anfühlt.
Manchmal tut es einfach gut die eigenen Ansichten bestätigt zu hören…!
Zitieren

Neueste Kommentare

Anmelden