Alles nur Routine?

Das bin ich in den letzten Jahren immer wieder gefragt worden - so auch in den letzten Wochen - ob es denn mittlerweile nicht schon Routine wäre. Die Schwangerschaft, die Geburt, das Stillen, die Babyzeit oder später dann die unzähligen großen und kleinen Entwicklungsschritte, die uns herausfordern.
Es wäre gelogen zu behaupten, dass der eine oder andere Umstand in der Schwangerschaft nicht bekannt wäre. Oder, dass all die kleinen Handgriffe und die Bewältigung des Alltags mit Baby jedes Mal wieder gänzlich neu wären. Natürlich kennt man seinen Körper, kennt ihn, wie er auf gewisse Situationen reagiert. Man weiß, was Geburt heißt und was das ungefähr bedeutet und man hat schon eine gewisse Erfahrung mit bestimmten Momenten und Situationen der Babyzeit. Weiß, wie man sie bewältigen kann und durch die Erfahrung hat sich eine gewisse Gelassenheit in Bezug auf bestimmte Situationen entwickelt, die einen beim ersten oder auch zweiten Mal Mama werden noch aus der Ruhe gebracht haben.
Und trotzdem:
Zur Routine ist es nie geworden. Nie, weil es doch immer wieder auf ganz eigene Art und Weise neu war.
Nach der Geburt unserer Ältesten war ich überzeugt davon, dass ich nun eigentlich Bescheid wüsste. Und zum Teil war das auch so. Schwangerschaft, Geburt und das Leben mit Baby waren nichts Unbekanntes mehr. Ich hatte all das erlebt. Ich hatte Erfahurng mit dem Stillen und Tragen und dem Abhalten beim Ausscheidungsbedürfnis. Ich hatte angenehme und schwierige Nächte durchlebt, Entwicklungsphasen begleitet  und hatte in einem ruhigen Moment einmal das Gefühl, dass ich jetzt Bescheid wüsste. Aber dann wurde ich zum zweiten Mal Mama ...

und plötzlich war wieder alles neu und anders und irgendwann dämmerte mir, dass Mamasein zwar nichts Unbekanntes mehr war, es aber nie zur Routine werden würde.
Jetzt - mitten im Erleben einer weiteren Schwangerschaft - weiß ich, dass es immer wieder, gleich wie oft man es auch erleben mag neu und einzigartig sein wird. Diese kleinen Wesen zeigen uns schon von Beginn an, dass sie sie selbst sind. Mit all ihren Eigenheiten und das sie im Grunde schon zu diesem frühen Zeitpunkt ihres Daseins dem eigenen Weg folgen. Sie fordern uns - wenn man es so nennen kann - dazu auf, wirklich hinzuhören und zu fühlen. Da gibt es keine wirkliche Gesetzmäßigkeit, keine noch so genaue Berechnung die dir irgendetwas über dieses kleine, heranwachsende Wesen in deinem Bauch sagen könnte.
Keine Gesetzmäßigkeit die dir, in den vielen kleinen Momenten der darauffolgenden Jahre sagen könnte, was noch alles kommt. Aber ist es nicht genau das, was unser Leben eigentlich so interessant macht? Dieses absolute Fehlen jeglicher Regelmäßigkeit - trotz aller möglichen Wiederholungen von ähnlichen Situationen? Diese ständige Bewegung und diese Lebendigkeit?

Nur ja keine Routine
Zugegeben, manchmal wäre eine gewisse Regelmäßigkeit an der man sich orientieren könnte einfacher. Gerade im Zusammenleben mit kleinen Menschen oder auch im mitunter lebhaften Geschehen das Alltags. Aber gerade im Zusammenleben mit kleinen Menschen ist das Fehlen jeglicher Routine - wenn auch herausfordernd - etwas sehr Bereicherndes.
Wären all diese kleinen Momente - in denen wir hautnah miterleben können wie Entwicklung geschieht, Lernprozesse vor sich gehen, Entdeckungen gemacht werden so spannend und aufregend, wenn wir wüssten, was geschehen wird? Könnten wir uns noch so unendlich über Blicke und Gesten freuen, wenn sie zur Routine geworden wären.

Nein, Mamasein bzw. Elternsein, das Erleben von Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit sowie all die darauffolgenden Jahre, werden nie zur Routine werden und das ist auch gut so. Denn es lädt uns jedes Mal wieder dazu ein, einen Augenblick inne zu halten und wahrzunehmen und uns wirklich darauf einzulassen. Auf das Leben und den kleinen Menschen, der uns da begegnet und den wir ein Stück des Weges begleiten dürfen.

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