Mama-Tage

Muttertag war gestern. Aber eigentlich ist er heute auch. Und morgen und übermorgen und eigentlich immer ...und eigentlich könnte ich dir jetzt jeden Tag was schenken, weil ich dich so lieb habe ...
Wie schön solche Worte gleich nach dem Aufstehen zu hören. Garniert mit einem kleinen Blumenstrauß der gleich eifrig zu all den anderen Blumen in die Vase gesteckt wird und einer festen Umarmung und der in meinen Bauch gemurmelten Frage ob ich einen Tee trinken mag, gefolgt von der Frage was es zum Frühstück gibt ... Draußen zwitschern die Vögel, in der Küche herrscht friedliche Einigkeit während die drei Jüngeren Apfel essen und ich ausnahmsweise einmal eine wirklich angenehm ruhige Nacht hinter mir habe. Wie schön, so ein Start in den neuen Mamatag ... Gut möglich, dass es in weniger als einer Minute hier ganz anders aussehen kann. Weil irgendwer irgendetwas macht was der andere nicht mag, weil einer ein größeres Stück Apfel nimmt als der andere oder genau das, was der eine wollte. Weil das Teesackerl keine Schnur mehr drauf hat, weil sie beim Auspacken abgerissen ist oder weil es kein Kompott mehr gibt, weil es am Vorabend wer aufgegessen hat ... aber jetzt, jetzt in dem Augenblick ist es einfach nur schön.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir aus diesem einmal jährlich stattfindenden Muttertag nicht viel mache. Zu viel Kommerz, zu viel aufgesetzte Notwendigkeit ... Schöner finde ich Überraschungen oder ein spontanes Danke, eine Umarmung oder auch mal die Nachsicht, dass man als Mama nicht immer perfekt ist und schon gar nicht sein kann.
Selbstkritik gibt es letztendlich genug. Abends den Tag Revue passieren zu lassen und kritisch das eigene Tun zu betrachten, all die Dinge zusammen zu zählen, die man der eigenen Meinung nach nicht geschafft hat, all die Dinge anzuschauen, die liegen geblieben sind und auf all die Momente zu zeigen, in denen man ungeduldig oder nicht ganz im Augenblick war, ist wesentlich leichter als einfach mal all das anzuschauen, was man schafft. Tag für Tag. All die kleinen Momente zu betrachten die das Mamasein eigentlich ausmachen.
Das Trösten, wenn die Tränen fließen, das Lachen, wenn gespielt werden will, das Kuscheln, wenn Nähe gebraucht wird, das Zuhören, wenn "spannende" Abendteuer geschildert werden und das so oft wiederkehrende "alles Stehen und Liegen" lassen, weil die Kleinen etwas brauchen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir uns zum gefühlten tausendsten Mal nach am Boden liegenden Gegenständen bücken um diese Aufzuräumen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir die eigenen Bedürfnisse hinten an stellen um den kleinen Menschen unsere Zeit zu schenken, auch wenn diese gut und gerne noch etwas warten könnten. All die Nächte in denen wir ständig aufstehen oder in unbequemen Positionen da liegen um den kleinen Menschen eine halbwegs ruhige Nacht trotz Zahnen oder Schnupfen oder Husten oder Bauchweh oder was auch immer zu ermöglichen. Die unzähligen Male in denen wir Brösel vom Boden aufkehren, Scherben zusammenklauben, Streitereien beiwohnen, ausgeschüttete Flüssigkeiten aufwischen und gleichzeitig den lieben Kleinen bei ihren lebhaften Erzählungen oder ihrem unglücklichen Gemaunze zuhören, weil irgendetwas nicht so ist, wie sie das gerne hätten ...

Mamasein ist anstrengend und schön. Und es gibt diese Tage an denen wir am liebsten alles liegen und stehen lassen würden, um einfach mal nur für einen kurzen Augenblick in aller Ruhe z.B. unter der Dusche zu verschwinden ohne das langezogene "MAMAAAAA?" zu hören ... Gerade deshalb ist es so wichtig, sich nicht mit Selbstkritik zu überschütten und auf all die Dinge zu blicken, die wir nicht ganz so schaffen, wie wir das gerne hätten oder wie es unserer Wunschvorstellung entsprechen würde, sondern einfach mal tief durchzuatmen und mit einem Lächeln auf all das zu blicken, was wir schaffen. Am besten gelingt das in jenen Augenblicken, wenn die Kleinen unbeschwert und glücklich aus ganzem Herzen lachen und wir nicht anders können als einfach mit zu lachen ...

Ich wünsche euch allen ganz viele wunderschöne und bereichernde Mamatage an denen ihr es schafft euch selbst mit Wertschätzung zu begegnen und Nachsicht mit euch selbst zu haben. Denn ihr leistet Großartiges. Jeden Tag wieder!

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