(K)ein Unterschied?

Immer noch besser als geschlagen zu werden! Wirklich? Meinen die das ernst?
Da hat in den letzten Tage ein Artikel von Pampers für Aufsehen gesorgt, in dem den Eltern empfohlen wird ihr Kind als Erziehungsmaßnahme in die Auszeit zu schicken. (Dazu muss aber gesagt werden, dass der Pampers Artikel nicht der erste war, der die Auszeit empfohlen hat und höchstwahrscheinlich auch nicht der Letzte)  Früher hieß das noch Strafe und Eckerlstehen. Früher galt das noch als "notwendige Züchtigung". Heute wird es mit dem "netten" Wort Auszeit umschrieben und viele haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei, wenn sie derartiges gut heißen.
Zugegeben: Viele Eltern waren empört und die Aufregung war groß und das ist auch gut so. Es gibt aber leider auch jene Stimmen, die hier die "immer noch besser" Theorie geltend machen und darauf pochen, dass diese Idee der Auszeit "ja für jene Eltern gedacht wäre, die ihr Kind vielleicht sonst prügeln würden".
Ja, es stimmt schon. Eltern die ...

körperliche Gewalt anwenden um den Alltag mit ihren Kindern oder das Dasein mit ihnen zu bewältigen brauchen Begleitung. Zwischenmenschliche Begleitung, die die Aggression ebenso wahrnimmt wie ihre Hilflosigkeit und Verunsicherung. Was den Eltern aber ganz bestimmt nicht hilft, und schon gar nicht den kleinen Menschen, sind Handlungsanweisungen die die Eltern-Kind-Beziehung weiter destabilisieren. Die Eltern und Kinder weiter in die Abwärtsspirale drängen und garantiert für weitere Spannungen sorgen. Handlungsanweisungen die nicht darauf abzielen die Beziehung zu stärken und die Schwierigkeiten an der Wurzel zu lösen, sondern eigentlich neue Schwierigkeiten erzeugen. Denn jede Strafmaßnahme, ob nun Auszeit oder Eckerlstehen oder auch gesunde Ohrfeige genannt missbraucht das Vertrauen des Kindes und zerstört dieses im Endeffekt.
Eben kein Unterschied
In einigen Reaktionen auf den Artikel wurde lautstark betont, dass es für die Kleinen (wohlgemerkt wir sprechen hier -laut Pampersempfehlung- von Kleinkindern) einen wesentlichen Unterschied macht ob sie geschlagen werden oder in einer Ecke stehen müssen bzw. in die Auszeit geschickt werden. Wiegt körperliches Leid bei diesen Experten denn mehr als seelisches? Schmerzt die Ohrfeige wirklich mehr als Liebesentzug? Und wer sagt denn, dass der kleine Mensch, der in die "Auszeit" geschickt wird davor nicht verletzend zugetextet wird, von schreienden, wütenden Erwachsenen?
Das ist wie wenn man sagen würde, dass es gesünder sei ein Stück Kuchen zu essen als ein Stück Zucker. Gewalt ist Gewalt. Ob nun körperlich oder seelisch - es macht keinen Unterschied.
Abgesehen davon, wird ein solcher Artikel kaum dazu beitragen, dass Gewalt an Kindern abnimmt. Ganz im Gegenteil, er bestätigt Eltern und andere Erwachsene noch darin, kleine Menschen für ihr Sein zu bestrafen. Für ihre Neugier, ihre Fragen, ihr Ausprobieren und Entdecken, ... Er bestätigt Eltern darin, dass es richtig sei den kleinen Menschen mit Misstrauen zu begegnen.

Was Eltern stattdessen brauchen sind Menschen um sie herum, die sie auffangen, wenn es stressig wird. Die ihnen zeigen, dass es in Ordnung ist auch mal gestresst, wütend oder erschöpft und ratlos zu sein, dass es aber trotz all dem unendlich wichtig ist, diese Emotionen nicht am Kind auszulassen und in weiterer Folge zu erkennen, dass die Handlungen des kleinen Menschen nie mit Absicht gesetzt sind. Was Eltern brauchen ist das Gefühl, nicht alleine zu sein und die Bestätigung dafür, dass es in Ordnung ist den kleinen Menschen unendlich zu lieben und für ihn dazu sein. Immer. Ohne Zeitlimit und Erziehung im Nacken, die darauf pocht, dass der kleine Mensch "doch lernen müsse" ... Ohne Lernprogramme und Erziehungstipps die nur darauf abzielen die Eltern-Kind-Beziehung zu zerstören ...
Und genau deshalb sitze ich heute hier und schreibe. Genau deshalb mache ich all das, weil ich genau diese Botschaft nach draußen tragen möchte. Weil ich für Eltern dasein möchte und ihnen zeigen möchte, dass es noch einen anderen Weg gibt. Und weil ich diese verrückte Idee habe, dass es auch gelingt :-).