NICHTS

Es ist genau dieses "Nichts", welches wie ein dunkles Damokelesschwert über unserer Gesellschaft insbesondere über all jenen hängt, welche es betrifft. Es ist genau dieses "Nichts", das wie ein negatives und vor allem belastendes Bild auf den Schultern so mancher Betroffenen lastet. Und es ist genau dieses "Nichts", welches überhaupt erst als "Nichts" von unserer Gesellschaft dargestellt wird. Das "Nichts" das oftmals mit dem "Du hast ja eh Zeit" einher geht.

Worum es geht, bei dem "Nichts"? Um die

Mütter, die zuhause bei ihren Kindern sind und angeblich "Nichts" machen. Schließlich bekommt man genau jenes "Nichts'" zu hören, wenn man Frauen die -ungewusster Weise- zuhause sind nach ihrer Tätigkeit fragt. Und es ist genau dieses "Nichts", welches in egal welchen Diskussionen wo Mütter auch nur ansatzweise erwähnt werden zum Ausdruck kommt. Mütter machen in den Augen der meisten Leute einfach NICHTS. Punkt, Aus und Fertig. Sie gehen nicht arbeiten, sie haben keine Verpflichtungen, sie haben zwar Kinder aber sie haben unendlich viel Zeit. Mütter sind die, die man spazieren gehen oder auf Spielplätzen sitzen sieht, die Kaffee trinken wenn andere arbeiten und die bloß ein bisschen Haushalt machen. Was ist das schon. EBEN - NICHTS!

Das "Nichts" ist bei einem Bewerbungsgespräch ebenso gewichtig wie bei der Frage nach einer eventuellen Pension oder der Wertigkeit von Arbeit. Nun frage ich mich woher dieses Nichts eigentlich kommt. Wer kam auf die Idee, die Arbeit welche Mütter täglich leisten (und ja, es ist ARBEIT) als "Nichts" zu bezeichnen? Oder sie gar als "minderwertig" darzustellen. Natürlich wird das so nicht gesagt, aber das muss es auch nicht. Wenn bekannte Politiker als Kämpfer für die Rechte von Familien dargestellt werden und es in ihren Reden dann um nichts anderes geht als darum Frauen möglichst rasch zurück in den Beruf zu drängen und Kinder sobald als möglich in ganztägigen Krippen unterzubringen dann sagt das eigentlich alles. Wenn Frauen die bei ihren Kindern bleiben möchten ein schlechtes Gewissen gemacht wird, weil sie es möchten oder weil sie es tun, dann zeigt das in meinen Augen nur, wie verkehrt unser Bild des Mutterdaseins ist. Da hast du soviel Zeit in deine berufliche Ausbildung investiert und dann versitzt zu deine ganze Zeit bei den Kindern ...

 

Was tun Mütter eigentlich den ganzen Tag? Oh Mütter tun sehr viel. Weit mehr als so mancher, der an seinem Schreibtisch sitzt oder großartige (und weniger großartige) Reden schwingt. Und anders als andere Berufe haben Mütter (ebenso wie Väter auch übrigens -wobei ich das "Nichts" noch nie in Zusammenhang mit ihrem Vaterdasein gehört habe) keinen Feierabend und keinen Urlaub und keinen Krankenstand. Um noch einmal auf den oben nur in Klammer erwähnten Vater zurück zu kommen.

Liebe Alle, die davon überzeugt sind, dass Mütter die zuhause sind "NICHTS" machen. Sagen sie das den Müttern bitte dann, wenn sie Abends um zehn noch Berge von Wäsche waschen, aufhängen oder aufräumen, wenn sie Essen kochen während ein müdes, zahnendes, krankes Baby an ihrem Arm hängt, wenn sie Schlüssel und Spielzeug suchen und gleichzeitig die Einkaufsliste schreiben, dem Briefträger Auskunft geben und ein offenes Ohr für tolle Abenteuergeschichten bieten. Sagen sie ihr das, wenn sie mitten in der Nacht mit dem weinenden und sich vor Übelkeit windenden Kind im Badezimmer befinden verzweifelt auf der Suche nach einem schnellen Allheilmittel und dem sehnsüchtigen Gedanken an Schlaf oder dann, wenn sie Abends müde ins Bett fällt nur um kurz darauf wieder geweckt zu werden weil irgendjemand irgendetwas von ihr braucht. Und das nicht morgen oder nachdem sie einmal ausgeschlafen hat sondern jetzt, sofort und ohne Aufschub. Sagen sie das "NICHTS" und "DU HAST JA ZEIT" einer Mutter, die wahre Akkrobatik vollbringt weil sie versucht zwei (oder drei oder vier oder ....) Kindern gerecht zu werden, stillt, Schuhe schnürt, anzieht, Fragen beantwortet und so weiter und so fort. Sagen sie es ihr dann, wenn sie gerade wieder einmal ein schlechtes Gewissen hat, weil sie von dem Gefühl geplagt wird nicht allen Kindern gleichzeitig und ständig und immer gerecht werden zu können und sich überdies vielleicht auch noch mit dem Gedanken auseinandersetzt in den Augen der Gesellschaft "NICHTS" zu machen.
Mütter werden belächelt und mitunter als Schmarotzer gesehen, sie werden als lästige Anhängsel gesehen die es nicht schaffen ihre Kinder früh in der Krippe abzugeben um ihren Dienst an der Allgemeinheit zu leisten. Dass "für Kinder dasein" im Endeffekt der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt, dass "Kindern ein liebevolles, warmes, respektvolles, geborgenes Zuhause zu bieten" mitunter eine wahre Herausforderung sein kann aber am Ende des "Tages" sich allemal bewährt wird schlicht und einfach missachtet.

Und weil ich wieder einmal die Nase voll habe von all den Mütter zurück an den Arbeitsplatz, Kind in die Krippe und so weiter und so fort Sagern, musste ich genau das jetzt los werden.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Kommentare   

0 #2 Leonhard Huber 2014-09-19 06:50
Liebe Lini,
Du hast es in diesem Betrag auf den Punkt gebracht, daß Elterndasein eine große Verantwortung ist, und - wie Du ohnehin geschrieben hast - einen wichtigen sozialen Dienst zum Wohl auch der gesamten Gesellschaft darstellt.
LG
Harti
Zitieren
0 #1 Stefanie Gattinger 2014-09-18 18:53
BRAVO! Genau meine Meinung. Frage mich immer, wieso nur in Fremdbetreuung investiert wird anstatt dass Möglichkeiten geschaffen werden, selbst zu betreuen...
Zitieren

Neueste Kommentare

Anmelden