"Hört auf mit den Fragen!"

Würde das manch ein Baby oder Kleinkind schreien wenn es könnte? Ja, würde es. Aus Mangel an verbaler Ausdrucksmöglichkeit oder auch Zuordnung dieses unguten Gefühls schreit es einfach "Nein" oder "Nein, ich will nicht" oder sagt einmal das und gleich darauf etwas anderes oder bekommt einen Tobsuchtsanfall wenn es bekommt was es gesagt hat ... Der Bandbreite an Möglichkeiten kindlichen Frusts sind hier keine Grenzen gesetzt.
Selbstbestimmt sein, selbstbestimmt aufwachsen ... der Wunsch seinem Kind genau das zu ermöglichen findet bei immer mehr Eltern Anklang. Attachment Parenting, bedürfnisorientierter Umgang, selbstbestimmtes Aufwachsen ... eben darin sehen viele Eltern das Ideal. Das Bild vom superbravenübertollennieschreiendenimmerjasagenden Engel zu welchem sie ihr Kind dadurch "heranziehen" scheint allgegenwärtig, ebenso wie die Idee mit dieser Herangehensweise alles richtig zu machen. Nur selbstbestimmt heißt nicht dem Kind jede Entscheidung zu überlassen und es alles zu fragen. Selbstbestimmt Aufwachsen heißt nicht alles wie das Kind will. Über diese Interpretation sind schon viele Eltern gestolpert, waren letztendlich verzweifelt, mit ihren Nerven am Ende und vor allem ratlos. Warum dieses tobende, unzufriedene Kind wo sie doch immer alles getan haben für das Kind? Wo sie doch alles richtig gemacht haben. Um diese Fragen beantworten ...

zu können muss man das Rädchen ein Stück weiter drehen oder zurück - je nachdem- und die ganze Angelegenheit aus Sicht des Kindes betrachten. Da kommt dieses kleine Wesen zur Welt - seine Bedürfnisse "reduzieren" sich in dem Augenblick auf essentielle Notwendigkeiten. Tragen, Stillen, Schlafen, Ausscheiden, Nähe, Geborgenheit, Wärme, ... Was es zusätzlich braucht ist die Sicherheit der Eltern oder übersetzt gesagt, das Gefühl sich in einem sicheren, Orientierung bietenden Hafen gelandet zu sein. Und eben Letzteres beginnt zu bröckeln, wenn Eltern ihr Kind -in dem Glauben es dadurch selbstbestimmt aufwachsen zu lassen- ständig fragen bzw. ihm ständig die Entscheidung übertragen. Fragen drücken immer eine mehr oder wengier große Unsicherheit aus. Sie zeigen, dass sich der Fragende nicht sicher ist.
Drehen wir das Rädchen noch ein Stück weiter, dahin wo wir in die Rolle des Kindes schlüpfen und uns diese ganzen Szenarien von seiner Seite aus erleben. Da ist jemand dem wir vertrauen, an den wir glauben, von dem wir Sicherheit und Geborgenheit, einen Rahmen zum Wohlfühlen, Orientieren und Anlehnen brauchen, einen Rahmen der uns Schutz bietet .. und alles was er uns entgegen bringt ist Unsicherheit, verwaschene Grenzen, und permanente Entscheidungsübertragung. Wer kennt das nicht, dieses ungute Gefühl wenn wir mit jemandem Zutun haben, der weder a noch b sagen kann und jedes noch so kleine Detail von uns entschieden haben möchte (und dann vielleicht auch noch mit unserer Entscheidung unzufrieden ist)? Warum sollte es dem Baby oder Kleinkind hier anders gehen?

Wüten und Toben gehört natürlich zur Entwicklung dazu - keine Frage- nehmen diese aber im Übermaß zu, dann zeigt das, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, das etwas nicht stimmt. Ob Apfel oder Banane, rote oder blaue Hose, gelbes T-shirt oder oranges, dieser oder jener Weg, Regen oder Sonnenschein ... und das jeden Tag und ständig entscheiden zu müssen trägt wenig zum selbstbestimmten Aufwachsen des Babys bei. Ganz im Gegenteil, führt es lediglich zu Überforderung und letztendlich unendlich großem Geschrei. Dem Schrei nach mehr Sicherheit und weniger Entscheidungs- bzw. Verantwortungsübertragung.

Selbstbestimmt heißt im Erwachsenenalter bestimmt Entscheidungen und Verantwortung für sich selbst übernehmen. Im Baby- und Kleinkindalter aber heißt es von außen kommende Entscheidungen auch ablehnen bzw seinen Unmut darüber äußern zu dürfen!

Mehr über diesen und ähnliche Zusammenhängesowie konkrete Hilfe in der individuellen Situation gibt es übrigens HIER.

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