Wie war das nochmal?

Mit dem Weihnachtsmann und dem Christkind und all den "lieben" Figuren, die für Kinder erschaffen werden um ihnen die Zeit zu verschönern? Oder doch eher um den Erwachsenen unsichtbare Kumpanen an die Seite zu stellen, die ihnen die Erziehungsarbeit erleichtern sollen?

Was ich von all diesen Figuren halte? Reichlich wenig, wenn sie zu einer Farce ihres Ursprungs verkommen, wenn sie eingesetzt werden um Kindern ein schlechtes Gewissen zu machen, sie unter Druck zu setzen oder sie gefügig zu machen. Reichlich wenig, wenn sie zu einer legitimen Lüge verkommen, welche Kindern mit einem süßlichen Lächeln erzählt und von der später -wenn das Kind einmal die Lüge entdeckt hat- behauptet wird, dass "es" doch gar keine Lüge, sondern eine nette Geschichte war. Und noch weniger halte ich davon, seit Weihnachten bzw. die Weihnachtszeit sich für mich in zwei Bilder teilt. Jenes Bild, welches ich von meiner eigenen Kindheit noch in mir trage und welches ich gerne weiter leben möchte, mit unserer eigenen Familie jetzt. Und jenes Bild, welches sich mir da draußen in der Welt bietet, wo keine Spur mehr von stiller Weihnachtszeit vorhanden ist, wo Weihnachten am Besten schon nach Ostern beginnt und es weder um Miteinander oder Gemütlichkeit geht sondern schlicht und einfach um Konsum.

Geschrieben habe ich darüber ja schon öfters - auch in diesem Jahr. Und eigentlich hatte ich beschlossen es dabei zu belassen. Aber dann kamen Fragen von interessierten Eltern, Fragen wie man das denn machen könnte in einer Welt wo diese Lüge gerne erzählt wird und äußerst present ist und es kam eine Anfrage vom Trainyabrainblog ob ich nicht wieder an einer ihrer Blogparaden teilnehmen möchte, diesmal zum Thema "Weihnachtsmann - ja oder nein".

 

Weihnachtszeit
Weihnachten - in meiner Erinnerung ...

eng verbunden mit dem Duft nach frischen Tannenzweigen, mit gemütlichem Beisammensein, Geschichtenlesen, Lieder singen und Kekse backen. Weihnachten war eine Zeit in der ich voll Vorfreude und Spannung auf den Weihnachtsabend gewartet und mit meinen Geschwistern darüber nachgedacht habe, wo unsere Eltern wohl die Geschenke versteckt hatten. Gewusst habe ich, dass es das Christkind nicht gibt und meine Eltern oder andere Verwandte die Geschenke kaufen. Und ich kann mich noch gut an ein Weihnachtsfest bei meiner Tante erinnern, als ich böse Blicke von meiner Großmutter und meiner Tante erntete, als ich meinen damals noch recht kleinen Cousinen erzählte welche Geschenke von wem kommen würden. Verstanden habe ich das damals nicht. Ich fand nichts dabei zu wissen, wer die Geschenke bringt und ich war irritiert darüber, wie wichtig es den Erwachsenen erschien, dass meine Cousinen daran glaubten, die Geschenke kämen vom Christkind.

Je älter ich wurde, desto zwiespältiger wurden meine Gefühle für Weihnachten und es gab eine Zeit in der ich so gar nichts damit zu tun haben wollte. Obwohl ich eigentlich sehr schöne Erinnerungen aus meiner eigenen Kindheit daran hatte, stießen mich die damit verbundene Kommerzialisierung, der Konsumwahn und das Rundherum mehr und mehr ab. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Ich hielt wenig von dieser Maske der Gemütlichkeit und Nächstenliebe, welche bereits am Tag nach Weihnachten wie weggeblasen erschien.

Aber dann war ich selbst plötzlich Mama und die Erinnerungen traten mehr und mehr in den Vordergrund. Nein, anlügen wollte ich meine Kinder nicht und da waren wir -mein Mann und ich- uns einig. Wir wollten keine Zauberei veranstalten sondern einfach eine gemütliche Zeit miteinander verbringen. Wir wollten auch nicht in Konsumwahn und Geschenkewahnsinn ausbrechen. Und genau so haben wir unsere Weihnachtszeit gestaltet bzw. gestalten wir sie. Mit gemütlichen Nachmittagen und Abenden zusammen. Mit gemeinsamen Keksebacken und anschließendem Essen, mit Besuchen bei Freunden und Gegenbesuchen und einem gemeinsam geschmückten Weihnachtsbaum am Weihnachtstag.

 

Weihnachten ohne Weihnachtsmann, Christkind und Co? Warum nicht? Ich glaube nicht -und sehe es mittlerweile auch- dass Kinder unter dem Fehlen dieser Scheinfiguren leiden. Oder gar der Zauber verloren geht. Ganz im Gegenteil wie in einem der letzten Beiträge geschildert, bleibt diese Zeit nach wie vor zauberhaft. Warum? Weil es um sehr viel mehr geht als irgendwelche unsichtbaren Figuren die Geschenke bringen. Es geht um das Miteinander, um das Beisammensein und die Zeit, die wir miteinander verbringen. Es geht um Dinge, die im Alltag schnell einmal untergehen, weil die Zeit fehlt und um gemeinsame Vorbereitungen, die die Spannung auf das eigentliche Fest nur anheben.

Natürlich kommt es immer wieder einmal vor, dass unsere Kinder von anderen Menschen auf das bald zu erwartende Christkind mit den vielen Geschenken angesprochen werden oder darauf, ob sie auch brav sind. Ihre Reaktionen auf solche Äußerungen fallen meist sehr unterschiedlich aus. Manchmal werden sie ignoriert, manchmal wird das Gegenüber aufgeklärt und manches Mal habe ich den Eindruck als ob sie dem Gegenüber die Freude an der Lüge nicht rauben wollten und deshalb einfach mitspielen. Ein interessanter Zug, der für mich sehr viel mit Feinfühligkeit und Verständnis zu tun hat und der mich einmal mehr in unserem gewählten Weg bestätigt und mir zeigt, dass Kinder ganz und gar nichts vermissen, wenn es diesen angeblichen Zauber vom Christkind (oder Weihnachtsmann) eben nicht gibt. Ich glaube auch kaum, dass ihre Entwicklung darunter leidet, denn welche Lüge könnte das schon sein, die sich positiv auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt? Wie kann man überhaupt davon ausgehen, dass sich Lügen positiv auf die Entwicklung auswirken und was möchte der lügende Erwachsene hier bezwecken. Ich bin lieber ehrlich zu unseren Kindern und leben mit ihnen den Zauber, als sie einer Illusion zu überlassen und ihnen später eine (oder gar mehrere) Lügen erklären zu müssen.

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