Die Waagschalen im Gleichgewicht zu halten ...

ist nicht immer einfach und zählt –in Anbetracht des in den letzten Jahren zugenommenen Drangs nach Perfektion- schon fast zur hohen Kunst des Elternseins. Keine Frage, die Waagschalen Familienleben müssen nicht immer im Gleichgewicht sein … sie können schon mal mehr hierhin und dann wieder mehr dorthin tendieren. Sie aber überwiegend im Gleichgewicht zu halten zählt zu den Grundvoraussetzungen für das Gelingen eines harmonischen und ausgeglichenen Miteinanders. Keine kleine Herausforderung in den ersten Lebensjahren eines Kindes für seine Eltern. Wo sie sich doch häufig in der Situation befinden, die eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen.

Was ich aber in den letzten Jahren beobachtet habe ist eine zunehmende Tendenz in Richtung Ungleichgewicht.

Die BEDÜRFNISSE des Kindes, die NOTWENDIGKEIT eines (vermeintlich) RICHTIGEN Umgangs mit dem Kind. Richtig und falsch, Gut und Böse, Notwendigkeit und Vernachlässigbar, …
Und die Bedürfnisse der Eltern? Was ist mit denen? Wie können Eltern achtsam und liebevoll auf die Bedürfnisse ihres Kindes eingehen, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren oder ständig vernachlässigen?

Eltern sind heute Suchende und ich möchte nicht bestreiten, dass es notwendig ist ihnen die Dringlichkeit eines achtsamen Umgangs mit den Bedürfnissen des Kindes nahezulegen. ABER: die Unsicherheit der Eltern kann allzu leicht ...

verstärkt werden indem ihnen die Entscheidungsmöglichkeit verwehrt wird und indem ihnen verschwiegen wird, dass es viele Wege und Möglichkeiten gibt achtsam auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen. Wenn ein paar Wenige, ein paar Dinge als einzige Wahrheit und einzig richtigen Umgang mit dem Kind verkaufen setzen sie Eltern unter Druck. Sie rauben ihnen die Möglichkeit zu entscheiden und geben ihnen ein Gefühl der Unzulänglichkeit, wenn sie die vermeintlichen Notwendigkeiten nicht oder nicht so praktizieren, wie geraten wird. Abgesehen davon entsteht ein Bild der Perfektion, das so nicht existiert.

 

Nicht weniger wirken Aussagen, die vielleicht gewisse Wahrheiten in sich bergen, aber in einer Art und Weise formuliert werden, die Eltern ihrer Auffassung nach keinen Spielraum lassen. Ebenso finden die Bedürfnisse der Eltern und die Notwendigkeit ihnen zu vermitteln, dass sie nur dann „gut“ für ihr Kind sorgen können (sprich achtsam auf seine Bedürfnisse eingehen und für es da sein können) wenn sie auch „gut“ für sich selbst sorgen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Nur um hier ein Beispiel von vielen zu nennen. Familienbett und Co-Sleeping sind heute bereits sehr bekannte Begriffe die von vielen Familien praktiziert und gelebt werden. Aber nicht für jeden passt das Familienbett. Da ist zum Beispiel das Baby mit dem leichten Schlaf, das bei jeder Bewegung und jedem Mucks munter ist und dadurch die gesamte Familie keinen Schlaf findet. Ich habe es in der Praxis zu oft erlebt, dass Eltern sich mit Dingen abmühen, von denen sie meinen dass sie der einzig richtige Weg seien, die ihnen im Endeffekt aber nur Druck und Stress verursacht haben, als das ich hier noch von Einzelfällen sprechen könnte.

Der Haken liegt meiner Ansicht nach bei den ewigen Konzepten die erstellt und beworben werden. Eines versucht das andere in Natürlichkeit oder Richtigkeit oder Abwegigkeit oder Artgerechtigkeit zu übertrumpfen und wieder einmal geht es weniger um die Eltern und ihre Kinder und die wirkliche Notwendigkeit, einen Weg zu finden der für sie passt, als vielmehr darum den Suchenden (in dem Fall den Eltern) etwas zu verkaufen. In Form von Coachings, Büchern, Camps, Workshops oder was auch immer. Übersehen wird hierbei, dass man dem Suchenden zwar Wege und Möglichkeiten bieten kann, ihm aber die Freiheit lassen muss, selbst zu entscheiden und zu wählen! Nur dann ist Authentizität möglich und nur dann ist es Eltern möglich die Waagschale im Gleichgewicht zu halten.



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