"Fangen wir bei den Kindern an"

... mit dem Erziehen. Oder eben auch dem Nicht-erziehen. Mit dem Beurteilen, Maßregeln, Zurechtbiegen ... oder eben auch dem Zuviel-Wollen. Von ihnen und für sie, für ihr Leben und ihr Sein. 
"Fangen wir bei den Kindern an" - und plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, zwischen den beiden Idealen und all ihren Zwischentönen. Zwischen dem Erziehen und dem Nicht-erziehen. Und all den Grauschattierungen, die es dazwischen gibt. Plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, wenn wir einen Schritt beiseite tun und das gesamte Szenario mal von einer anderen Warte aus betrachten. Von dem Standpunkt aus, wo wir einen klaren Blick darauf haben, was hier geschieht und welche Dynamiken dadurch entstehen können, wenn sich alle um die kleinen Menschen dreht.

"Fangen wir bei den Kindern an" ...
Klingt gut und wichtig. Schließlich geht es ja um die kleinen Menschen. 
Ja eh, es geht ...

um sie. Einerseits. Um das Verstehen ihrer Bedürfnisse und ihrer Entfaltung. Um das Wahrnehmen ihres Seins und ihr Aufwachsen. Andererseits (und primär) geht es eigentlich nicht um sie. Denn kleine Menschen wissen im Grunde, was sie brauchen. Sie werden mit den perfekten Voraussetzungen geboren, um auf dieser Erde zu überleben. Um sich weiter zu entwickeln und ihren Weg zu finden. Um selbstständig zu werden und fortwährend zu lernen, ...
"Fangen wir bei den Kindern an" - sei es nun mit der Erziehung oder eben auch der nicht-Erziehung - rückt sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit und nimmt Raum. So oder so. Ob nun erzogen wird oder nicht erzogen. Ob nun zurechtgestutz und manipuliert oder auf einen Thron gesetzt und bedient wird. Ob der kleine Mensch im Zentrum des Erziehungsscheinwerfers steht oder im Zentrum des Befindlichkeitenscheinwerfers, ist im Grunde vollkommen egal.
Denn bei aller Aufmerksamkeit wird etwas Wesentliches übersehen. Die Notwendigkeit bei sich selbst zu beginnen und die Tatsache, dass wir - gleich was wir tun - Vorbilder für die kleinen Menschen bleiben.

Lieben, Beachten, Wertschätzen, Zuhören ...
muss zuerst bei uns selbst stattfinden. Wenn ich meine Bedürfnisse klar wahrnehmen kann, wenn ich mich selbst liebe und meine Grenzen kenne, dann kann ich auch auf andere Menschen eingehen, ihnen zuhören, sie beachten und ihnen mit Wertschätzung begegnen.

Zeit geben ...
kann ich nur dann, wenn ich mir selbst Zeit gebe. Wenn ich mir selbst Raum verschaffe um in meiner Mitte zu bleiben, dann entsteht automatisch Raum für andere.

Ich erlebe heute Eltern, die wirklich bemüht sind und alles für den kleinen Menschen tun würden. Ihr gesamtes Sein richten sie auf den kleinen Menschen und seine Befindlichkeiten aus, aber vergessen darüber hinaus sich selbst und ihre eigenen Befindlichkeiten. Sie vergessen, dass sie neben dem Mama- oder Papasein auch noch ein eigenes ICH haben. Sie vergessen, dass sie neben dem Mama- und Papasein auch noch Paar sind.

Fangen wir bei uns selbst an
Dann entsteht automatisch der Raum, den wir uns für den kleinen Menschen wünschen. Dann lassen wir ganz automatisch Zeit. Dann fühlen wir uns selbst wohl und ausgeglichen und haben ausreichend Energie um all die kleinen und etwas größeren Hürden des Heranwachsens ruhig und gelassen begleiten zu können. Zeit geben können wir nur dann, wenn wir den kleinen Menschen eben nicht in den Fokus rücken, sondern unsere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf unser Selbst rücken. Wenn wir uns die Frage stellen, wer wir sind und was wir brauchen um entspannt zu sein.

Es ist gut, dass wir uns heute so viele Gedanken über das Heranwachsen kleiner Menschen machen, dass wir althergebrachte Erziehungsideen in Frage stellen und nach Wegen und Möglichkeiten suchen, um mit dem kleinen Menschen zu gehen ...
Wenn daraus aber ein zuviel wollen wird, wenn wir uns darüber hinaus vergessen und außer Acht lassen, dass wir immer noch diejenigen sind, die das Umfeld bereiten, den Nährboden bereichern und Vorbilder sind geraten wir über kurz oder lang in Schieflage. Wir powern aus. Wir verlieren den Bezug zu uns selbst, geraten aus dem Gleichgewicht und schaffen es immer seltener, in unserer Mitte zu bleiben ...

Probiert es aus
Ihr wollt euren Töchtern und Söhnen Zeit geben? Ihnen voller Achtsamkeit und Wertschätzung begegnen. Dann fangt bei euch selbst an. Nehmt euch die Zeit, genießt eine gute Tasse Tee, lasst euch die Sonne auf die Nase scheinen, atmet tief durch, lasst euch selbst Zeit .... und versucht eure Mitte zu finden.
Beantwortet euch selbst die einfache Frage "Was brauche ich um entspannt zu sein und ruhig und gelassen zu bleiben?" und tut euch selbst jeden Tag - mindestens einmal - etwas Gutes!

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Kommentare   

0 #1 Eva Huber 2018-11-03 09:01
Ich bin schon sehr gespannt.....
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