Vom (nicht) Zuhören

Und wenn es nicht hört? Wenn es einfach nicht zuhört? Wenn ich rede und rufe und erkläre und mich bemühe und dennoch nichts geschieht ...?

Zuhören
Oder eben auch nicht. Ein Thema, dass hier immer wieder kommt. In Seminaren, in Gruppen, in Beratungsgesprächen ..... Eltern die davon erzählen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter einfach nicht hören will. Dass sie schon gar nicht mehr wissen, was sie noch machen sollen und irgendwann selbst laut werden. Eltern, die verzweifelt sind, weil Sitautionen dann doch immer wieder eskalieren und in Geschrei enden. Obwohl sie sich so bemühen. Obwohl sie ruhig und liebevoll ankündigen, reden, ihre Standpunkte erläutern ...
Hör mir zu -
wie schafft man das?
Achtsam und liebevoll zu sein, Freiraum zu geben und dennoch gehört zu werden, in den eigenen Bedürfnissen oder Äußerungen?
Wie schafft man das, gehört zu werden? Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen?
Nehmen wir die klassische "Wir müssen gehen" Situation, wo kleine Menschen gerade auf Spielplätzen oder beim Besuch von Freunden manchmal so gar nicht gehen wollen. Wo sie einfach nicht hören wollen.
Was tun?
Warten, rufen, nachlaufen, Kind an der Hand nehmen oder einfach gehen, Kompromisse eingehen, Schreien, Drohungen aussprechen, wütend werden, schimpfen? Wie verhält man sich richtig, wenn kleine Menschen nicht hören (wollen)?

"Fangen wir bei den Kindern an"

... mit dem Erziehen. Oder eben auch dem Nicht-erziehen. Mit dem Beurteilen, Maßregeln, Zurechtbiegen ... oder eben auch dem Zuviel-Wollen. Von ihnen und für sie, für ihr Leben und ihr Sein. 
"Fangen wir bei den Kindern an" - und plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, zwischen den beiden Idealen und all ihren Zwischentönen. Zwischen dem Erziehen und dem Nicht-erziehen. Und all den Grauschattierungen, die es dazwischen gibt. Plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, wenn wir einen Schritt beiseite tun und das gesamte Szenario mal von einer anderen Warte aus betrachten. Von dem Standpunkt aus, wo wir einen klaren Blick darauf haben, was hier geschieht und welche Dynamiken dadurch entstehen können, wenn sich alle um die kleinen Menschen dreht.

"Fangen wir bei den Kindern an" ...
Klingt gut und wichtig. Schließlich geht es ja um die kleinen Menschen. 
Ja eh, es geht ...

Wie war das noch mal mit den Grenzen?

Kinder brauchen Grenzen! Sagen die einen. Nur ja keine Grenzen! Sagen die anderen.
Und es ist eines dieser Themen, über die gerne, ausgiebig und viel diskutiert wird. Eines dieser Themen, über die Erwachsene gerne und oft in Streit geraten, sich gegenseitig Vorwürfe machen oder als schrecklich, autoritär, antiautoritär, laissez faire oder was auch immer bezeichnen. Diskussionen und Streit, der mehr Verwirrung stiften als gut tut und denen meiner Meinung nach etwas Wesentliches fehlt.
Denn geredet wird viel darüber, über "diese Grenzen", aber ist uns auch wirklich bewusst, was wir damit meinen? Oder reden wir gelegentlich vielleicht doch um den berühmten heißen Brei herum?
Was hat es auf sich, mit diesen Grenzen? Was meinen wir damit eigentlich? Und was wollen wir? Für uns selbst, für unsere Töchter und Söhne?

Mehr als nur ...

... ein Baby ohne Windel. Mehr als nur Konzept und so viel mehr als ERZIEHUNG.

Wieder einmal ist es soweit. Zum ersten Mal hat sich unsere Jüngste heute morgen alleine auf den Topf gesetzt. Ist wieder aufgestanden ... ein Stück weit gegangen, hat sich dann wieder umgedreht, nochmals auf den Topf gesetzt und hinein gemacht. So als hätte sie das immer schon gemacht. So, als ob das gar keine große Sache wäre. Und eigentlich ist es das ja auch nicht. Sondern eine logische Folge des Selbstständig werdens ... oder jetzt noch werden wollens ... Denn "schnell" wird es jetzt dennoch nicht gehen mit dem "selber aufs Töpfchen setzen", es ist ein Anfang. Ein Ausprobieren. Unsere "Abhaltezeit" neigt sich dem Ende zu. Aber das was jetzt kommt ... das DANACH ist so viel größer und weiter.
Wieder einmal dürfen wir diese Eroberung der Selbstständigkeit erleben. Dieses Entdecken des SELBST. Der vielen Möglichkeiten und dieser unendlichen Weiten, die entdeckt werden können. Mit allen damit einhergehenden Höhen und Tiefem. Mit allen Gewitterstürmen und Sonnenzeiten ... Und wieder einmal wird mir deutlich bewusst, dass Windelfrei so viel mehr ist, als ein Baby ohne Windel. Oder ein Konzept. So viel mehr als ERZIEHUNG. Und gleichzeitig nur ein winzig kleiner Teil eines größeren Ganzen.

Haltung
Windelfrei - als Überbegriff für das Eingehen auf das Ausscheidungsbedürfnis des Babys und das dementsprechende Reagieren und Handeln ist Beziehung. Ist wahrnehmen und verstehen, achten und wertschätzen. Ist ...

Wo anfangen?

Das Kind schreit, wütet, tobt, …. Lässt sich weder beruhigen, noch besänftigen - noch zu Kompromissen bewegen. Mama und Papa schwitzen, immer noch um ein sanftes Lächeln bemüht, immer noch um eine ruhige Stimme, obwohl sie innerlich kochen. Obwohl sie am liebsten selbst wüten und toben würden. Obwohl sie sich zerrissen fühlen und verzweifelt. Obwohl sie mit den Nerven am Ende sind. Denn Mama und Papa wollen lieb sein. Und sie sind bemüht alles, aber auch wirklich alles für den kleinen Menschen zu tun. Ihrem liebsten Schatz. Ihr ein und alles. Sie wollen ihn weder enttäuschen, noch verletzen und schon gar nicht wollen sie BÖSE sein. Dem kleinen Menschen soll es gut gehen – verständlicherweise.

Aber irgendwann geraten Mama und Papa genau darüber in Streit. Über dieses „gut gehen“. Weil es nicht so läuft mit dem „alles fürs Kind“. Weil es sich nicht so entwickelt hat, wie sie erwartet haben und weil das Ergebnis eben nicht das immer zufriedenen, fröhliche kleine Wesen ist, von dem sie geträumt haben, sondern in so vielen Momenten ein kleiner Giftzwerg. Ein so häufig wütendes und tobendes, selten zufriedenes kleines Wesen.
Und irgendwann sind Mama und Papa vollkommen entnervt, giften sich gegenseitig an, machen sich Vorwürfe und tun, was der kleine Mensch will …. Damit nur endlich Ruhe ist. Damit nur endlich dieses Geschrei aufhört und der kleine Mensch zufrieden ist. Zumindest für die nächsten fünf Minuten. Bis zum nächsten Reizthema. Bis zum nächsten Ausbruch und zum nächsten Streit. Und bis dahin? Gehen Mama und Papa auf Zehenspitzen, verbiegen sich, machen sich klein und ignorieren ihre eigenen Bedürfnisse um nur ja keinen neuerlichen Wutanfall zu provozieren.


Wo anfangen
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"Nicht zu wild!"

Ich habe kürzlich in meinem Artikel im Pippi-Magazin darüber geschrieben - über dieses "Spiel schön" und unsere Idee davon, wie Spielen zu sein hat. Es ist wie beim Lernen, wo ebenso fixe Vorstellungen darüber kursieren, wie Lernen zu sein hat und was noch Lernen ist und was nicht mehr. Dabei sind Lernen und Spielen und Leben nicht voneinander zu trennen. Sie gehören zusammen. Und sie kennen diese Begrenzung nicht. Diese Idee davon, wie es zu sein hat und was noch okay ist und was schon nicht mehr. Was richtig ... und was falsch ist.

Wie können wir kleinen Menschen hier Vorgaben machen?
Wie können wir von ihnen verlangen, ihre Impulse hier einen Gang runter zu schrauben, ihr Tun im Augenblick des Geschehens zu drosseln, unseren Vorgaben statt ihrem Bauchgefühl zu folgen? Mit welcher Begründung, dürfen sie nicht auch mal wild sein? Miteinander Rangeln? Mit Stecken kämpfen? Den Hang hinunter laufen, vom Baum springen? Laut sein?
Es versteht sich natürlich von selbst, dass die Grenzen anderer gewahrt werden müssen und das im Tun niemand verletzt werden darf und wir das kommunizieren und noch wichtiger vorleben müssen. Aber darüber hinaus?
Steht es uns zu hier Anweisungen zu geben? Die Grenze zu ziehen zwischen passend und unpassend? Einzuschränken und zu kritisieren?

Ihr merkt schon, die Gedanken rund um das Thema lassen mich derzeit nicht los. Nicht zuletzt, weil mir gerade in den letzten Monaten immer ...

Egotrip

Es schreckt mich immer wieder, wie sehr die Idee des bedürfnisorientierten Umgangs, diese wunderbaren Gedanken von William Sears und seiner Frau verwässert und fehlinterpretiert werden. Wenn Eltern das Unverständnis und die Irritation der Umgebung nicht verstehen wollen, weil ihr Sohn oder ihre Tochter auf deren Taschen herumspringt, Kästen anderer durchstöbert, oder andere zwickt, beißt, kratzt, etc. Es schreckt mich, wenn ich die Schilderungen von Eltern mitbekomme, die überzeugt davon sind, dass die Umgebung mit ihrem Kind klarzukommen hätte und das Treiben ihres Kindes halt aushalten müsse. Wenn sie lächelnd dabei zusehen, wie ihre Tochter oder ihr Sohn Grenzen anderer überschreiten und felsenfest davon überzeugt sind, dass es sich hierbei um ein wesentliches Bedüfrfnis ihres Kindes handeln würde und sie dieses Bedürfnis nicht einfach übergehen könnten ...

Von echten und vermeintlichen Bedürfnissen
Gibt es das überhaupt, echte und vermeintliche Bedürfnisse? ...

keinen Millimeter

Unsere Jüngste befindet sich gerade in dieser Phase. Diese Phase, in der ich mich keinen Millimeter von ihr entfernen darf. Sie schon. Sie darf weg von mir, hierhin und dorthin krabbeln, mit dem Papa mit, mit dem Bruder oder der Schwester. Sie darf sich fortbewegen von mir so viel sie will ... aber wehe ich bewege mich. Und sei es nur um meine Hand zu heben oder mich etwas bequemer hin zu setzen. Ihr feines Radarsystem meldet augenblicklich, ihr kleines Gesicht verzieht sich und sie beginnt zu weinen, als ob ich bereits gegangen wäre. Dabei habe ich mich nur bewegt.

Loslösung durch Klammern.

Hört sich im ersten Augenblick paradox an. Ist aber so. Zumindest für die ganz Kleinen.
Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft gehen davon aus, dass kleine Menschen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit nur durch bewusste Trennung, Tränen und Schmerz erfahren würden. Nur dadurch, dass der Erwachsene es bewusst alleine lässt und das "ohne ihn auskommen" lernt. 
Dabei ist jede Intervention, jede Inszenierung und jedes Übungsprogramm, welches dem kleinen Menschen Unabhängigkeit "lehren" soll im Grunde vollkommen überflüssig und richten (genau genommen) mehr Schaden an als sie von Nutzen sind.
Denn die Erfahrung, dass die Mama ...

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