"Warum machst du das?"

Eine Frage, die sich Eltern immer wieder einmal in Bezug auf ein bestimmtes Verhalten ihrer Töchter oder Söhne stellen.
"Warum machst du das?". Meist geht es dabei um ein Verhalten, das die Eltern nicht nur verunsichert, sondern mitunter auch wütend und vor allem -ganz oft- ratlos macht. Denn wie "dagegen" vorgehen. Wie, dieses Verhalten stoppen, wenn so gar nichts wirklich helfen will. Keine Erklärungen, keine Maßnahmen, keine Bitten und auch keine Drohungen?

Nur der Auslöser
Die meisten von uns lernen sich erst dann wirklich kennen, wenn sie zu Mutter oder Vater werden. Denn niemand sonst -wie die kleinen Menschen - beherrscht es so perfekt uns mit

weniger schön ...

Wieder einmal kommt alles ganz anders, als geplant. Denn eigentlich wollte ich euch etwas über die bevorstehende Sommerpause erzählen, über das  Freilerner Sommertreffen Süd in Leibnitz - so großartig organisiert von den MITANANDAs und von bevorstehenden letzten Seminarwochenende. Aber manchmal, braucht etwas anderes Raum. Etwas, was weniger schön ist, aber trotzdem wichtig. Wichtig für mich.
Und da geht es heute einmal nicht direkt ums Leben mit kleinen Menschen, sondern vielmehr ums Leben generell, um unser Miteinander und auch um die Wertschätzung, die wir uns entgegen bringen. Sogesehen dann auch wieder um die kleinen Menschen, für die wir Vorbilder sind und denen wir unser Handeln, unsere Gedanken und unsere Vorgehensweise mit auf den Weg geben - als Prägung.
Ich habe lange mit mir gehadert ob ich so einen Beitrag überhaupt schreiben soll. So einen, wo ich einmal Dampf ablasse und meiner Fassungslosigkeit und teilweise auch Wut Raum gebe. Aber ich habe im Augenblick einen Punkt erreicht, wo ich einfach nicht mehr alles schön reden mag und auch nicht kann.
Es hat in den letzten Jahren unendlich viele wunderbare Begegnungen gegeben und berührende Rückmeldungen, die ich nicht missen möchte und an die ich mich immer wieder gerne zurück erinnere. Es waren viele Menschen bei mir, die sich aufrichtig bedankt haben und mir damit Kraft gegeben haben, diesen Weg weiter zu gehen. Aber es gab und gibt auch die anderen Begegnungen, die weniger schönen eben. Und genau jene sind es, die mich gerade in den letzten Wochen wieder vermehrt beschäftigen und die ihren (augenblicklichen) Höhepunkt mit zwei Mails erreicht haben, die ich heute bekommen habe. Seminarabsagen - einfach so, weil die Lust zu kommen fehlen würde.
Jeder, der selbst für andere Menschen da ist, der organisiert und Wissen weiter gibt weiß, wie viel Zeit und oft auch Geld dahinter steckt, wie viel Herz und Gefühl und Enthusiasmus ... und wie fassungslos und wütend es dann machen kann, wenn all das mit ein paar wenigen Worten beiseite gewischt, ignoriert und einfach nicht wertgeschätzt wird. Vielleicht nicht absichtlich oder bewusst, aber ganz bestimmt ohne viel Gedanken, was solche Worte und ein derartiges Handeln bei anderen Menschen auslöst und mehr noch, was es für die gesamte Veranstaltung eigentlich bedeutet. Es kann schon sein, das einem mal etwas dazwischen kommt. Das man einen Termin fixiert hat und dann krank wird oder das Baby und es war nie ein Thema, wenn die Geburt früher eingesetzt hat oder kurz bevorsteht und ein Seminarbesuch oder ein Beratungstermin aus diesem Grund nicht eingehalten werden kann. Aber wenn die Absage mit den Worten "keine Lust" hier ankommt oder mit einem lockeren "ich mag jetzt doch nicht kommen" dann ist das schlicht und einfach nur mühsam und macht mich auch wütend.
Wütend, weil es nicht wenig Zeit ist, die ich hier am Computer verbringe, wütend, weil Seminarräume und Fahrkarten auch Geld kosten und wütend auch deshalb, weil schlicht und einfach Verstehen und Wertschätzung fehlen und Vieles so oft als selbstverständlich genommen wird.
Du machst es ja gerne ... Ja eh, ich mache es gerne und ich würde es nicht machen, wenn ich es nicht gerne mache. Trotzdem ist es manchmal mühsam und trotzdem gibt es oft genug den Punkt, an dem ich einfach nur alles hinschmeißen möchte. Und nicht selten würde ich die Zeit am liebsten mit den kleinen Menschen hier verbringen, statt am Computer zu sitzen. Aber manche Dinge erledigen sich nicht von selbst und umso wütender macht es mich dann, wenn all die Arbeit, wenige Tage vor der Veranstaltung umsonst zu sein scheint. Oder wenn belehrende Mails kommen, von Menschen, die keinerlei Erfahrung mit selbstständiger Arbeit haben, aber meinen einem erläutern zu müssen wie man es besser machen könnte ...
Im Vergleich zu all den schönen Rückmeldungen und Mails sind das natürlich Kleinigkeiten. Aber manchmal müssen auch Kleinigkeiten angesprochen und erzählt werden :-)

"PRÜFUNG"

Ich freu mich drauf, sagte die Große kürzlich zu mir und meinte damit ihre diesjährige Externistenprüfung. Sie würde sich darauf freuen, weil sie dann endlich alles zeigen kann, was sie das Jahr über gemacht hat und endlich könnte sie all ihre Ideen für diesen Tag umsetzen. All die Plakate herzeigen und die Musikstücke vorspielen und die Kekse zum Verkosten herumreichen. Akribisch hat sie eine Liste erstellt, welches Buch und welche Themen sie vorstellen möchte. Vier Umhängetaschen, sieben Plakate, extra gebackene Kekse nach eigenem Rezept und drei Flöten (eine hat sie sich für den Tag extra von ihrer Flötenlehrerin ausgeborgt) hat sie dann für den Tag ins Auto verfrachtet.
Wie jedes Jahr ein kurzes Zwischenspiel in einer Schule. Nicht alleine, sondern mit vielen Freunden und bekannten Menschen, die ebenfalls da sind, um ihre Arbeiten vom ganzen Jahr zu zeigen.
Eine solche Schule zu finden, wo das möglich ist, ist nicht leicht. Und Begegnungen mit Menschen die nichts vom freien Lernen und dem Voranschreiten im eigenen Tempo, dem Zeit haben und bekommen halten, sind auch in diesen Schulen nicht ausgeschlossen. Und zugegeben, manchmal würde ich es um ein Vielfaches leichter finden mich nicht darum kümmern zu müssen. Darum solche Schulen zu finden, wo es halbwegs passt.
Aber sowohl unsere Tochter als auch unser Sohn wollen diese Prüfungen machen ... mal sehen, wie es bei den nachkommenden Kleinen ist ... und wir sind gefordert uns auf die Suche zu machen. Denn auch das gehört für mich zum Begleiten dazu - selbst, wenn ich nicht ganz überzeugt bin von diesem Weg und er im Augenblick mehr ein Kompromiss ist - auf diese kleinen Menschen zu hören, die ganz genau zu wissen scheinen, was sie wollen und was nicht.

Prägung ...

Verhaltensauffällig

Verhaltensauffällig sind kleine Menschen heute ganz schnell einmal. Entweder weil sie zu lebhaft sind. Oder weil sie zu ruhig sind. Weil sie nicht still sitzen können oder viele Fragen stellen. Weil sie mal wütend werden oder auch mal schnell weinen. Weil sie in ihren Interessen sprunghaft sind oder zögerlich. Verhalten, das im Grunde nur natürlich ist. Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter und kleine Menschen sind nun einmal nicht so, wie es gerne erwartet wird. Sie entsprechen nicht den vorgefertigten Maßstäben (auch wenn das immer wieder behauptet wird).
Sie sind, wer sie sind.
Und dennoch, gibt es dieses Verhalten, welches auffällig ist. Nicht absichtlich und auch nicht, weil der kleine Mensch schlecht ist oder nicht erzogen oder generell schwierig (wie dann immer gerne behauptet wird) sondern schlicht und einfach, weil etwas nicht stimmt. Etwas in der Eltern-Kind-Beziehung. Etwas an der Gesamtsituation ... ein Ungleichgewicht, welches durch das Verhalten des kleine Menschen zum Ausdruck gebracht wird.

Ursache/Auslöser - Reaktion
Es gibt nicht dieses von Grund auf verhaltensauffällige Kind oder dieses schwierige Kind. Ich halte auch wenig von der Idee, dass die einen kleinen Menschen schwieriger oder bedürftiger seien und deshalb einen spezielleren Umgang bräuchten als die anderen kleinen Menschen.
Wenn wir im Miteinander, im Elternsein wirklich ...

Das Beste ...

Ist das Beste für den kleinen Menschen wirklich die Aufopferung der Eltern?
Dieses permanente Streben danach, es dem kleinen Menschen "leicht und schön und wunderbar bequem" zu machen?
Dieses ständige Kopfzerbrechen darüber, wie sich "miese" Stimmung beim kleinen Menschen bestmöglich verhindern lässt oder wie man den Alltag so gestaltet, dass es keine Ecken und Kanten gibt, an die der kleine Mensch stoßen könnte? 
Dieses sich verbiegen und verdrehen und alles nur für den kleinen Menschen, wobei die eigenen Bedürfnisse ignoriert werden?
Dieser irrwitzige Versuch niemals Nein zu sagen ... aus Angst, das dieses "Nein" dem kleinen Menschen unendlichen Schaden zufügen könnte.

Liegt das Beste für den kleinen Menschen wirklich darin, wie sehr sich Eltern anstrengen um eine Umgebung zu schaffen, die wenig mit der Wirklichkeit im späteren Leben zu tun hat? Mit dieser Wirklichkeit die dann kommt, wenn die Eltern eben nicht mehr ständig da sind um alles zu verhindern, was anstrengend oder herausfordernd sein könnte. Und mehr noch, was ist das Beste eigentlich?

Aus vielerlei Gründen hat sich in den meisten Eltern die Idee festgesetzt, dass sie ...

Nicht müssen wollen!

Eltern von windelfreien Babys kennen sie, diese Phase in der plötzlich gar nichts mehr geht. Wochenlang läuft es so dahin. Wochenlang scheint nichts einfacher zu sein, als dem dringenden Bedürfnis nachzukommen. Kaum eine nasse Hose, kaum ein Lackerl am Boden. Und dann plötzlich, von einem Augenblick auf den andern oder besser gesagt von einem Tag auf den anderen, die 180 Grad Wendung.

NICHTS GEHT MEHR
Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn wir aufhören kompliziert zu denken und versuchen den Grund für das nicht mehr wollen, bei uns zu finden oder schlimmer noch, in der Kommunikation generell.
Nichts geht mehr Phasen gibt es immer wieder. Sie kommen und gehen ganz unabhängig von uns Erwachsenen, einfach weil sie notwendig sind und weil ohne sie weder Entwicklungsschritte noch Lernprozesse möglich wären. Mal ist es das mobil werden, mal sind es die Zähne und ein ander Mal ist es die unangenehme Verkühlung, die gleichzeitig mit dem Selber essen wollen einher geht.
Die Nichts geht mehr Phase von der ich heute schreibe, ist jene, die sich eigentlich - bei näherer Betrachtung und Blick auf das Ganze - auf alle Bereiche der grundlegenden Bedürfnisse ausdehnt und im Grunde den ersten großen Schub Richtung selbstständig werden darstellt. Es ist die Phase, wo einfach wirklich nichts mehr gehen will. Wo "WOLLEN" und "NICHT WOLLEN" aneinander krachen und dem kleinen ...

Wunschbild vs. Realität

Wir alle haben bestimmte Vorstellungen darüber, was "perfektes" Elternsein heißt und wie es gelebt werden sollte. Wir tragen dieses Bild in uns. Diese Idee davon, wie '"es" sein sollte. "Es" - das Familienleben, das Zusammenleben mit Kind. Eine Vorstellung, die vom medial gezeigten IDEAL noch forciert wird. Und von all den Erziehungsideen, die uns in zig Ratgebern präsentiert werden. Ideen die uns vermitteln, dass wir nur die "richtigen" Handlungen setzten müssten, damit wir das "perfekte" kleine Wesen erhalten - immer fröhlich, immer kooperationsbereit, immer lieblich und vor allem so wie wir es gerne hätten - und damit wir zu den Eltern werden, die schlicht und einfach nur "perfekt" sind.
Gleichzeitig bekommen wir mit diesen Friede-Freude-Eierkuchen-Ideen und Ratgebern aber noch etwas anderes vermittelt. Das es so, wie es ist - lebendig, chaotisch, gelegentlich laut und dann wieder friedlich, unendlich anstrengend und gleichzeitig schön - eben nicht "richtig" ist. Und auch damit werden unsere eigenen Vorstellungen vom "Soll"-Zustand, den es angeglich zu erreichen gilt und von der immerwährenden Harmonie , genährt.
Etwas übertrieben ausgedrückt?
Auf den ersten Blick vielleicht. Weil sich auf den ersten Blick einfach alles so perfekt anfühlt, in diesen Ratgebern und Bildern, in diesem gezeigten IDEAL. So "auf den Punkt" gebracht. Auf den zweiten Blick ...

Mama-Tage

Muttertag war gestern. Aber eigentlich ist er heute auch. Und morgen und übermorgen und eigentlich immer ...und eigentlich könnte ich dir jetzt jeden Tag was schenken, weil ich dich so lieb habe ...
Wie schön solche Worte gleich nach dem Aufstehen zu hören. Garniert mit einem kleinen Blumenstrauß der gleich eifrig zu all den anderen Blumen in die Vase gesteckt wird und einer festen Umarmung und der in meinen Bauch gemurmelten Frage ob ich einen Tee trinken mag, gefolgt von der Frage was es zum Frühstück gibt ... Draußen zwitschern die Vögel, in der Küche herrscht friedliche Einigkeit während die drei Jüngeren Apfel essen und ich ausnahmsweise einmal eine wirklich angenehm ruhige Nacht hinter mir habe. Wie schön, so ein Start in den neuen Mamatag ... Gut möglich, dass es in weniger als einer Minute hier ganz anders aussehen kann. Weil irgendwer irgendetwas macht was der andere nicht mag, weil einer ein größeres Stück Apfel nimmt als der andere oder genau das, was der eine wollte. Weil das Teesackerl keine Schnur mehr drauf hat, weil sie beim Auspacken abgerissen ist oder weil es kein Kompott mehr gibt, weil es am Vorabend wer aufgegessen hat ... aber jetzt, jetzt in dem Augenblick ist es einfach nur schön.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir aus diesem einmal jährlich stattfindenden Muttertag nicht viel mache. Zu viel Kommerz, zu viel aufgesetzte Notwendigkeit ... Schöner finde ich Überraschungen oder ein spontanes Danke, eine Umarmung oder auch mal die Nachsicht, dass man als Mama nicht immer perfekt ist und schon gar nicht sein kann.
Selbstkritik gibt es letztendlich genug. Abends den Tag Revue passieren zu lassen und kritisch das eigene Tun zu betrachten, all die Dinge zusammen zu zählen, die man der eigenen Meinung nach nicht geschafft hat, all die Dinge anzuschauen, die liegen geblieben sind und auf all die Momente zu zeigen, in denen man ungeduldig oder nicht ganz im Augenblick war, ist wesentlich leichter als einfach mal all das anzuschauen, was man schafft. Tag für Tag. All die kleinen Momente zu betrachten die das Mamasein eigentlich ausmachen.
Das Trösten, wenn die Tränen fließen, das Lachen, wenn gespielt werden will, das Kuscheln, wenn Nähe gebraucht wird, das Zuhören, wenn "spannende" Abendteuer geschildert werden und das so oft wiederkehrende "alles Stehen und Liegen" lassen, weil die Kleinen etwas brauchen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir uns zum gefühlten tausendsten Mal nach am Boden liegenden Gegenständen bücken um diese Aufzuräumen. Diese vielen kleinen Momente in denen wir die eigenen Bedürfnisse hinten an stellen um den kleinen Menschen unsere Zeit zu schenken, auch wenn diese gut und gerne noch etwas warten könnten. All die Nächte in denen wir ständig aufstehen oder in unbequemen Positionen da liegen um den kleinen Menschen eine halbwegs ruhige Nacht trotz Zahnen oder Schnupfen oder Husten oder Bauchweh oder was auch immer zu ermöglichen. Die unzähligen Male in denen wir Brösel vom Boden aufkehren, Scherben zusammenklauben, Streitereien beiwohnen, ausgeschüttete Flüssigkeiten aufwischen und gleichzeitig den lieben Kleinen bei ihren lebhaften Erzählungen oder ihrem unglücklichen Gemaunze zuhören, weil irgendetwas nicht so ist, wie sie das gerne hätten ...

Mamasein ist anstrengend und schön. Und es gibt diese Tage an denen wir am liebsten alles liegen und stehen lassen würden, um einfach mal nur für einen kurzen Augenblick in aller Ruhe z.B. unter der Dusche zu verschwinden ohne das langezogene "MAMAAAAA?" zu hören ... Gerade deshalb ist es so wichtig, sich nicht mit Selbstkritik zu überschütten und auf all die Dinge zu blicken, die wir nicht ganz so schaffen, wie wir das gerne hätten oder wie es unserer Wunschvorstellung entsprechen würde, sondern einfach mal tief durchzuatmen und mit einem Lächeln auf all das zu blicken, was wir schaffen. Am besten gelingt das in jenen Augenblicken, wenn die Kleinen unbeschwert und glücklich aus ganzem Herzen lachen und wir nicht anders können als einfach mit zu lachen ...

Ich wünsche euch allen ganz viele wunderschöne und bereichernde Mamatage an denen ihr es schafft euch selbst mit Wertschätzung zu begegnen und Nachsicht mit euch selbst zu haben. Denn ihr leistet Großartiges. Jeden Tag wieder!

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