Wie schafft ihr das?

Das mit dem Mithelfen im Haushalt? Im Alltag? Das ihr nicht alles alleine Tun müsst. 
Ein ziemlich rotes Tuch in ganz vielen Familien. Und so oft Hauptgrund für Spannungen und Streitigkeiten. 
Aber muss das sein? 
Wann beginnt denn diese Mithilfe im Haushalt eigentlich? Was kann man verlangen? Und mehr noch, wie?
Wie bringen wir diese kleinen "Mitbewohner" dazu, mit anzupacken?


Zunächst einmal: 
Mithilfe beginnt lange bevor wir überhaupt daran denken, dass mitgeholfen werden könnte. In einem Alter, wo alles spannend ist und sich das gesamte Tun noch auf das Imitieren und Kopieren der Größeren ausrichtet.
Gerade ein ...

Potentialentfaltung

"L-L-L" sagt die bald Dreijährige und malt konzentriert Striche und Kreise in ihr Heft. Sie "schreibt" - wie die Großen, neben ihr. Sie hat ihr eigenes Schüttelpenal, ihren eigenen Block und sie ist mehrmals täglich intensiv damit beschäftigt zu schreiben. Ganze Seiten füllt sie mir ihren "Worten". Besteht auf den eigenen Platz bei Tisch, um bei den großen Geschwistern zu sitzen, ihnen bei ihrem Tun zuzuschauen und sie nachzuahmen. Selbst den Blick immitiert sie gelegentlich. Zwischendurch geht sie zielstrebig zum ABC-Plakat und fährt die Buchstaben mit den Fingern nach. Das O kennt sie schon. Und L. Diese beiden verwendet sie im Augenblick für alle Buchstaben.

Lernt sie?
Sie ist mitten drinnen. Hat nie damit aufgehört. Mit dem Lernen. Wie jeder kleine Mensch, richtet sie all ihr Tun darauf aus, ihre Fähigkeiten zu schulen und ihr Potential zu entfalten. In ihrem Tempo. Ihrem ganz eigenen Rhythmus folgend. Jetzt ist es das Schreiben, vor ein paar Tagen war es das Schneiden. Übermorgen ist es vielleicht das Rechnen und irgendwann, zwischendrinnen sind es andere Dinge, mit denen sie sich beschäftigt und die sie sich aneignet. Sie sieht, hört, fühlt, .... be-greift und nimmt wahr, ahmt nach, erkennt Zusammenhänge ...

Aber so kann das nicht immer weiter gehen! Irgendwann braucht es ...
Ja was eigentlich? Struktur? Unterricht? Reglementierung ihres Tuns? Beurteilung und Bewertung? Damit sie lernt, dass Lernen Pflicht ist und nicht Spaß? Damit sie endlich aufhört sich voller Wissbegierde mit Themen auseinander zu setzen, sondern schwer seufzend und mit hängenden Schultern ein vorgegebenes Thema nach dem anderen durchackert - endlich angekommen im ERNST des Lebens - aber ohne sich auch nur einen Bruchteil dessen zu merken, was sie da macht? 
Ohne derartige Eingriffe würde sie doch nicht ... weiter lernen?
Warum sollte sie nicht? Warum sollte sie plötzlich damit aufhören? Mit dem Lernen, dem Entdecken? Warum sollte ihre Entfaltung plötzlich stoppen?
Das wäre wider die Natur. Wider unsere Lebendigkeit und fortwährende Entwicklung. Wir wären als Menschheit nicht bis zum heutigen Tage gekommen, wenn unsere Entwicklung und Entfaltung von Unterricht, Bewertung und Beurteilung abhängig gewesen wäre.

Sensibel und fragil
Lernen braucht Begleitung - keine Frage. Es braucht fähige und aufmerksame Menschen, die zuhören und hinschauen können - keine Frage. Und es braucht manchmal auch jemanden, der die Fähigkeit schon beherrscht und das direkt oder auch indirekt zeigen kann. Nichts desto trotz geschieht lernen einfach. Ganz ohne Zutun und wirklich von alleine. Wenn der Raum vorhanden ist. Wenn in diesen sensiblen und fragilen Prozess nicht fortwährend eingegriffen und dieser dadurch ge- und im Endeffekt auch zerstört wird.
Die Freude bleibt erhalten. Die Freude am Tun, die Wissbegierde, die Fähigkeit offen und unvoreingenommen an Herausforderungen heran zu gehen. Ohne Grenzen im Kopf. Ohne "da bin ich noch zu jung/da bin ich schon zu alt" Gedanken.
Welchen Mehrwert hätten wir als Menschheit, wenn unser aller Tun aus Freude geschehen würde und weniger als notwendige Plfichterfüllung? Wenn jeder einzelne, sein Potential entfalten könnte, in seinem eigenen Tempo und Rhythmus?

Wo kämen wir denn da hin?
Tja, wo kämen wir da wohl hin?

Vom (nicht) Zuhören

Und wenn es nicht hört? Wenn es einfach nicht zuhört? Wenn ich rede und rufe und erkläre und mich bemühe und dennoch nichts geschieht ...?

Zuhören
Oder eben auch nicht. Ein Thema, dass hier immer wieder kommt. In Seminaren, in Gruppen, in Beratungsgesprächen ..... Eltern die davon erzählen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter einfach nicht hören will. Dass sie schon gar nicht mehr wissen, was sie noch machen sollen und irgendwann selbst laut werden. Eltern, die verzweifelt sind, weil Sitautionen dann doch immer wieder eskalieren und in Geschrei enden. Obwohl sie sich so bemühen. Obwohl sie ruhig und liebevoll ankündigen, reden, ihre Standpunkte erläutern ...
Hör mir zu -
wie schafft man das?
Achtsam und liebevoll zu sein, Freiraum zu geben und dennoch gehört zu werden, in den eigenen Bedürfnissen oder Äußerungen?
Wie schafft man das, gehört zu werden? Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen?
Nehmen wir die klassische "Wir müssen gehen" Situation, wo kleine Menschen gerade auf Spielplätzen oder beim Besuch von Freunden manchmal so gar nicht gehen wollen. Wo sie einfach nicht hören wollen.
Was tun?
Warten, rufen, nachlaufen, Kind an der Hand nehmen oder einfach gehen, Kompromisse eingehen, Schreien, Drohungen aussprechen, wütend werden, schimpfen? Wie verhält man sich richtig, wenn kleine Menschen nicht hören (wollen)?

"Fangen wir bei den Kindern an"

... mit dem Erziehen. Oder eben auch dem Nicht-erziehen. Mit dem Beurteilen, Maßregeln, Zurechtbiegen ... oder eben auch dem Zuviel-Wollen. Von ihnen und für sie, für ihr Leben und ihr Sein. 
"Fangen wir bei den Kindern an" - und plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, zwischen den beiden Idealen und all ihren Zwischentönen. Zwischen dem Erziehen und dem Nicht-erziehen. Und all den Grauschattierungen, die es dazwischen gibt. Plötzlich ist da gar kein so großer Unterschied mehr, wenn wir einen Schritt beiseite tun und das gesamte Szenario mal von einer anderen Warte aus betrachten. Von dem Standpunkt aus, wo wir einen klaren Blick darauf haben, was hier geschieht und welche Dynamiken dadurch entstehen können, wenn sich alle um die kleinen Menschen dreht.

"Fangen wir bei den Kindern an" ...
Klingt gut und wichtig. Schließlich geht es ja um die kleinen Menschen. 
Ja eh, es geht ...

Wie war das noch mal mit den Grenzen?

Kinder brauchen Grenzen! Sagen die einen. Nur ja keine Grenzen! Sagen die anderen.
Und es ist eines dieser Themen, über die gerne, ausgiebig und viel diskutiert wird. Eines dieser Themen, über die Erwachsene gerne und oft in Streit geraten, sich gegenseitig Vorwürfe machen oder als schrecklich, autoritär, antiautoritär, laissez faire oder was auch immer bezeichnen. Diskussionen und Streit, der mehr Verwirrung stiften als gut tut und denen meiner Meinung nach etwas Wesentliches fehlt.
Denn geredet wird viel darüber, über "diese Grenzen", aber ist uns auch wirklich bewusst, was wir damit meinen? Oder reden wir gelegentlich vielleicht doch um den berühmten heißen Brei herum?
Was hat es auf sich, mit diesen Grenzen? Was meinen wir damit eigentlich? Und was wollen wir? Für uns selbst, für unsere Töchter und Söhne?

Mehr als nur ...

... ein Baby ohne Windel. Mehr als nur Konzept und so viel mehr als ERZIEHUNG.

Wieder einmal ist es soweit. Zum ersten Mal hat sich unsere Jüngste heute morgen alleine auf den Topf gesetzt. Ist wieder aufgestanden ... ein Stück weit gegangen, hat sich dann wieder umgedreht, nochmals auf den Topf gesetzt und hinein gemacht. So als hätte sie das immer schon gemacht. So, als ob das gar keine große Sache wäre. Und eigentlich ist es das ja auch nicht. Sondern eine logische Folge des Selbstständig werdens ... oder jetzt noch werden wollens ... Denn "schnell" wird es jetzt dennoch nicht gehen mit dem "selber aufs Töpfchen setzen", es ist ein Anfang. Ein Ausprobieren. Unsere "Abhaltezeit" neigt sich dem Ende zu. Aber das was jetzt kommt ... das DANACH ist so viel größer und weiter.
Wieder einmal dürfen wir diese Eroberung der Selbstständigkeit erleben. Dieses Entdecken des SELBST. Der vielen Möglichkeiten und dieser unendlichen Weiten, die entdeckt werden können. Mit allen damit einhergehenden Höhen und Tiefem. Mit allen Gewitterstürmen und Sonnenzeiten ... Und wieder einmal wird mir deutlich bewusst, dass Windelfrei so viel mehr ist, als ein Baby ohne Windel. Oder ein Konzept. So viel mehr als ERZIEHUNG. Und gleichzeitig nur ein winzig kleiner Teil eines größeren Ganzen.

Haltung
Windelfrei - als Überbegriff für das Eingehen auf das Ausscheidungsbedürfnis des Babys und das dementsprechende Reagieren und Handeln ist Beziehung. Ist wahrnehmen und verstehen, achten und wertschätzen. Ist ...

Bildungsfreiheit - keine Selbstverständlichkeit?

15. September 2018 - internationaler Tag der Bildungsfreiheit.
Und ich frage mich einmal mehr (wie bei so vielen anderen "Tagen der/die/des ... " auch) warum es einen eigenen dafür braucht. Warum es (sie) nicht selbstverständlich ist. Die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen. Seinen Platz zum Lernen und "Wissen aneignen" zu finden. 
Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Es ist gut, dass es Aktionen gibt, um die Menschen aufmerksam zu machen. Ob an diesem oder jedem anderen Tag ist egal - ob in Bezug auf das freie, selbstbestimmte sich Bilden, ob auf das Abändern von vorhandenen Bildungssystemen und -strukturen oder schlicht und einfach auf das Überdenken althergebrachter Ansichten in Bezug auf das Lernen junger Menschen. Hier geht es letztendlich nicht darum GEGEN etwas zu sein. Oder gar dafür einzutreten, dass Schulen bzw. Orte abgeschafft werden, wo Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden (sollten).
Es geht eben nicht darum grenzenlose Freiheit zu fordern ...

Wo anfangen?

Das Kind schreit, wütet, tobt, …. Lässt sich weder beruhigen, noch besänftigen - noch zu Kompromissen bewegen. Mama und Papa schwitzen, immer noch um ein sanftes Lächeln bemüht, immer noch um eine ruhige Stimme, obwohl sie innerlich kochen. Obwohl sie am liebsten selbst wüten und toben würden. Obwohl sie sich zerrissen fühlen und verzweifelt. Obwohl sie mit den Nerven am Ende sind. Denn Mama und Papa wollen lieb sein. Und sie sind bemüht alles, aber auch wirklich alles für den kleinen Menschen zu tun. Ihrem liebsten Schatz. Ihr ein und alles. Sie wollen ihn weder enttäuschen, noch verletzen und schon gar nicht wollen sie BÖSE sein. Dem kleinen Menschen soll es gut gehen – verständlicherweise.

Aber irgendwann geraten Mama und Papa genau darüber in Streit. Über dieses „gut gehen“. Weil es nicht so läuft mit dem „alles fürs Kind“. Weil es sich nicht so entwickelt hat, wie sie erwartet haben und weil das Ergebnis eben nicht das immer zufriedenen, fröhliche kleine Wesen ist, von dem sie geträumt haben, sondern in so vielen Momenten ein kleiner Giftzwerg. Ein so häufig wütendes und tobendes, selten zufriedenes kleines Wesen.
Und irgendwann sind Mama und Papa vollkommen entnervt, giften sich gegenseitig an, machen sich Vorwürfe und tun, was der kleine Mensch will …. Damit nur endlich Ruhe ist. Damit nur endlich dieses Geschrei aufhört und der kleine Mensch zufrieden ist. Zumindest für die nächsten fünf Minuten. Bis zum nächsten Reizthema. Bis zum nächsten Ausbruch und zum nächsten Streit. Und bis dahin? Gehen Mama und Papa auf Zehenspitzen, verbiegen sich, machen sich klein und ignorieren ihre eigenen Bedürfnisse um nur ja keinen neuerlichen Wutanfall zu provozieren.


Wo anfangen
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